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Rechte und Pflichten von Kindern: Helfen im Haushalt ist Gesetz!

Dürfen Kinder im Haushalt helfen? Oder müssen sie sogar?
Dürfen Kinder im Haushalt helfen? Oder müssen sie sogar? BGH: Kinder sind verpflichtet im Haushalt zu helfen 00:01:20
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Im Namen des Gesetzes: Räum´den Tisch ab!

Neulich bat ich meinen (fast) achtjährigen Sohn mit einem feuchten Tuch den Küchentisch abzuwischen. Seine Reaktion kam, wie gewohnt, spontan: Theatralisches "erschöpftes" Zusammenbrechen, begleitet von verzweifeltem Gejaule ("oh nein, ich kann das nicht!"). Neu war allerdings folgendes Statement: "Das ist nicht meine Aufgabe!" Er brachte das ganz selbstbewusst und aus tiefster Überzeugung hervor.

Rechte und Pflichten von Kindern: Helfen im Haushalt ist Gesetz!

Von Sandra Bohlender

Meine spontane Reaktion war: Ich musste lachen. Später (nachdem mein Sohn dann doch den Tisch abgewischt hatte), schaute ich aus Neugier mal im Internet nach, wie andere Eltern das mit dem Im-Haushalt-helfen ihres Nachwuchses so anstellen. Ich stieß auf etwas, was ich nicht erwartet hatte: Einen Paragrafen im Bürgerlichen Gesetzbuch. Die Mithilfe von Kindern im Haushalt ist in Deutschland tatsächlich durch § 1619 des BGB geregelt!

Wer meint, das eröffne Eltern ganz neuen Verhandlungsspielraum, sollte aber ganz nüchtern beachten: Das Gesetz lautet zwar "Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten." (§ 1619 BGB). Aber mal ehrlich: Was nützt einem ein solches Gesetz? Was will man denn tun, wenn die pubertierende Tochter keine Lust hat, die Spülmaschine auszuräumen? Seinen Anwalt einschalten?

Ein Freund von mir, ein alleinerziehender Vater, nahm einmal den besten Freund seines 13-Jährigen Sohnes großzügigerweise mit in den Urlaub. Auf die Anweisung hin, mal die Ferienwohnung zu fegen, rief besagter Freund empört seine Eltern zu Hause an - er würde in diesem Urlaub zur Kinderarbeit gezwungen. Mein Freund nahm besagten Jungen dann lieber nicht mehr mit in den Urlaub.

Bei uns zu Hause reichen die Ausreden meines Sohnes von "ich kann das nicht" oder "mir geht´s nicht so gut", über "ich habe schlecht geschlafen", bis hin zu einem empörten "was soll ich denn noch alles machen". Dabei bekommt er natürlich nur Aufgaben erteilt, die seinem Alter entsprechend auch bewältigen kann: Tisch abräumen oder decken, sein Zimmer aufräumen oder auch mal Staubwischen.

Meine 12-Jährige Tochter ist da natürlich schon belastbarer - sofern die Arbeit für die Schule es zulässt. Und sie wirft sich wenigstens nicht dramatisch auf den Boden, wenn sie uns im Haushalt helfen soll, als hätte sie gerade den Mount Everest bestiegen. Was dann allerdings schon mal passieren kann, ist dass sie plötzlich ganz dringend ein wahnsinnnig wichtiges Bio-Referat vorbereiten muss.

Manche Eltern geben ihren Kindern Geld, wenn sie im Haushalt bestimmte Aufgaben übernehmen. Das möchte ich eigentlich nicht einführen - schließlich wohnen wir ja tatsächlich alle in diesem Haus und müssen irgendwie zusehen, dass der Laden ordentlich läuft. Wenn sie später in ihrer eigenen Wohnung leben, bezahlt sie ja auch niemand fürs Kloputzen oder Sockenwaschen.

Natürlich darf man es mit den Arbeitsaufgaben auch nicht übertreiben: Ein Jugendlicher hat selbstverständlich das Recht, das Jugendamt einzuschalten, wenn er sich ausgenutzt fühlt. Er soll ja schließlich nicht als unbezahlte Haushaltshilfe herhalten, damit Mama und Papa den ganzen Tag auf dem Sofa liegen können.

Bei allem Protest: Meine Kinder fühlen sich letztendlich besser, wenn sie das Gefühl haben zur Familiengemeinschaft etwas betragen zu können und gebraucht zu werden. Erstens sind sie stolz, wenn sie eine Aufgabe gut bewältigt haben und zweitens werden sie spürbar damit belohnt, dass Mama weniger gestresst ist und mehr Zeit zum Spielen hat. Das hat meinen Sohn bisher noch immer davon überzeugt, doch mit anzupacken - jedenfalls mehr als irgendwelche abstrakten Gesetzestexte.

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