Rassismus: Wie politisch korrekt ist unsere Sprache?

Rassismus: Wie politisch korrekt ist unsere Sprache?
© dpa Zentralbild, Z1008 Jens Kalaene

Rassismus im Alltag und in der Sprache

Sie ist zwar für ihre schnoddrige Art bekannt, aber diesmal hat sie es damit wohl ein wenig übertrieben: Moderatorin und Autorin Sarah Kuttner hat eine Anzeige wegen rassistischer Beleidigung am Hals, nachdem sie auf einer Lesung öffentlich über die "Schlauchbootlippen" ihrer "Negerpuppe" lästerte, die sie als Kind besaß. Nicht nur auf Kuttners Internetseite läuft seitdem die Diskussion heiß, wie viel political correctness in Alltag und Sprache geboten ist. Was ist noch erlaubt, was anstößig?

Von Merle Wuttke

Tja, den Abend hatte sich die Frau mit der telegensten Kodderschnauze (Ups, darf man das jetzt sagen, oder ist das schon beleidigend?) wohl auch anders vorgestellt: Anstatt in Ruhe nach ihrem Auftritt eine Zigarette rauchen zu können, musste Sarah Kuttner Polizisten Rede und Antwort stehen. Ein Deutscher mit äthiopischen Wurzeln hatte sie angezeigt. Gehört der Mann nun zu der Kategorie "schnell beleidigt" oder stößt er sich zu Recht an Kuttners Redeweise? Wie "rassistisch" ist unsere Sprache im Alltag?

Rassismus: Promis tragen besondere Verantwortung

Fest steht: Kuttner ist eine öffentliche Person und trägt als solche auch besondere Verantwortung dafür, wie das, was sie sagt, wahrgenommen wird. Vielleicht wäre die Situation gar nicht eskaliert, wenn Sarah Kuttner im gleichen Zuge erklärt hätte, dass sie dieses Wort lediglich als einen Spiegel der damaligen Zeit benutzt. So wie man heute, beim Vorlesen der eigenen alten Pippi Langstrumpf-Bände, den Kindern erklärt, dass "Neger" vor 60 Jahren ein üblicher Begriff war, den man aber heute nicht mehr benutzt, weil er beschämend und dumm ist. Wer die Neuauflagen der Lindgren-Klassiker vorliest, muss sich darüber im Übrigen keine Gedanken machen - in diesen Bänden wurde die Sprache bereits politisch korrekt angepasst. Geht den Klassikern damit etwas verloren? Nein, und eine große Autorin wie Astrid Lindgren hätte diese Änderungen garantiert sofort unterschrieben, schließlich war es ihr immer ein Anliegen, Kinder und Erwachsenen zu zeigen, dass die Welt aus vielen unterschiedlichen Dingen besteht, die man nicht bewerten, sondern an denen man sich freuen sollte.

Und ja sicher, man kann es mit der politischen Korrektheit auch übertreiben, anders als in den USA, wird man sich bei uns hoffentlich weiterhin "Frohe Weihnachten" wünschen dürfen, statt "Froher Festtage". Aber Sachen wie "Negerkuss", "zurückgeblieben" oder der vermeintlich nett gemeinte "Milchkaffee-Teint" sollten wirklich aus dem eigenen Sprachschatz gestrichen werden. Da geht es nicht nur das Einhalten einer politisch gewollten Moral, sondern um Respekt. Denn genau den wollen wir ja unseren Kindern vermitteln. Respekt vor anderen Menschen, Dingen, Ansichten. Funktioniert aber nur, wenn wir da gute Vorbilder sind.

Oder ist es vielleicht schon umgekehrt, und wir können uns ein Beispiel an den Kleinen nehmen? Unsere Kinder wachsen schließlich heute in einer großen, kleinen Welt auf. Sie lernen ab der ersten Klasse Englisch, haben Freunde unterschiedlichster Herkunft und essen am liebsten Kokosmilchsuppe oder Köfte. Rassismus hat bei ihnen wenig Chancen, weil ihre Welt schon jetzt so vielfältig und bunt ist, dass sie nie jemanden bloß wegen seines Andersseins ausgrenzen würden. Zeit, dass wir Erwachsenen das auch lernen. Ansonsten hilft: einfach mal die Klappe halten...

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