Ralf Benkö im Interview: Wie gefährlich sind Flugreisen jetzt?

"Man wird jetzt umdenken müssen"

Nach dem Absturz der malaysischen Boeing 777-200, die über der Ostukraine abgeschossen wurde, stellt sich die Frage: Warum fliegen Fluggesellschaften überhaupt noch über Krisengebiete, in denen gekämpft wird? Warum hat der Pilot der Passagiermaschine die Flugroute nicht gemieden, so wie es einige deutsche Airlines bereits seit Wochen tun? Luftfahrtexperte Ralf Benkö erklärt, wie es zu dem Unglück kommen konnte und was diese Katastrophe für Touristen bedeutet.

So gefährlich sind Flugreisen
Nach dem möglichen Abschuss der malaysischen Boeing MH17 ist die Angst der Flugpassagiere groß.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Flugzeug über der Ostukraine abgeschossen wurde. Bereits mehrere Militärflugzeuge sind in der letzten Zeit über dem krisengebeulteten Gebiet abgestürzt. "Die Piloten haben sich daran gewöhnt, über Krisengebiete zu fliegen. Es ist selten was passiert und viele denken wohl, dass man eine unparteiische Funktion wahrnimmt. Die Gefahr wurde vollkommen ausgeblendet. Der Flugraum war frei, also wurde auch durchgeflogen, weil das Umfliegen ja Geld kosten würde. Da wird man jetzt umdenken müssen“, erklärt Ralf Benkö.

Dass in 10.000 Metern Höhe eine solche Gefahr von unten lauern könnte, galt bislang als undenkbar. "Man konnte davon ausgehen, dass es am Boden keine Waffen gibt, die ein Flugzeug erreichen können. Mittlerweile sind diese Waffen aber doch so leistungsfähig", so Ralf Benkö weiter.

Einige deutsche Airlines kündigten deswegen bereits vor Wochen an, den Flugraum über der Ukraine zu meiden. So meldete zum Beispiel die Lufthansa: "Die Lufthansa hat sich entschieden, von sofort an den ostukrainischen Luftraum weiträumig zu umfliegen." Und auch Air Berlin verkündete: "Air Berlin hat bereits zu Beginn der Krimkrise beschlossen, die Flugrouten nicht mehr über den ukrainischen Luftraum zu führen."

Doch ist es überhaupt möglich, alle Krisenregionen der Welt zu meiden und was würde das für die Passagiere bedeuten? "Ich denke, da wird man unterscheiden können, welche Waffen in welchen Krisengebieten zu erwarten sind. Letztendlich ist es natürlich möglich, solche Gebiete zu umfliegen, es kostet zwar mehr Sprit, Zeit und vielleicht ist auch mal ein Zwischenstopp nötig, aber das lässt sich kalkulieren und im Dienste der Sicherheit sollte das wohl machbar sein.“

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