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Rätselhafter Anstieg: Immer mehr Kinder leiden an Diabetes

Immer mehr Kinder erkranken an Diabetes
Immer mehr Kinder erkranken an Diabetes Erkennen Sie die Anzeichen 00:07:50
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Deutschland: 30.000 Kinder leiden an Typ-1-Diabetes

Die Mutter des kleinen Myron hat den Notarzt alarmiert, denn der Junge ist apathisch, weint oft und hat ständig Durst. Als die Ärzte die Diagnose Diabetes stellen, ist er gerade zwei Jahre alt. Diabetes trifft nicht nur alte oder dicke Menschen. Immer mehr Kinder erkranken an Typ-1-Diabetes und die Krankheit bricht immer früher aus – die jüngsten Patienten sind Kleinkinder.

Rätselhafter Anstieg: Immer mehr Kinder leiden an Diabetes
© picture-alliance/ dpa/dpaweb, Frank May

Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern. Bei einer Erkrankung entgleist das Immunsystem und zerstört die Insulin produzierenden Zellen. Bei Typ 2, früher Altersdiabetes genannt, wirkt das Insulin oft infolge von Übergewicht nicht ausreichend, der Körper kann irgendwann nicht mehr genug produzieren. Er spielt bei Kindern eine geringere Rolle. Rund 30.000 unter 18-Jährige leiden in Deutschland an Typ 1, und die Neuerkrankungen steigen jährlich je nach Quelle um zwei bis vier Prozent.

"Warum der Typ-1-Diabetes ansteigt - für die Antwort kann man noch einen Nobelpreis gewinnen", sagt Thomas Danne, Chefarzt an einem Kinder- und Jugendkrankenhaus. "Wir wissen, dass bestimmte Viruserkrankungen das Risiko fördern", erklärt Danne. Etwa 20 Gene stehen in Zusammenhang mit Diabetes Typ 1. Vitamin D-Mangel spielt vielleicht eine Rolle, vermutlich auch Ernährungsbestandteile.

"Sicher ist nur: Süßigkeiten spielen keine Rolle", so Danne weiter. "Es gibt eine Menge offener Fragen." Um diese offenen Fragen zu klären wirbt die Organisation "DiabetesDE" um Spenden – auch für mehr Forschung.

Die jüngsten Patienten sind Kleinkinder - für die Familien eine hohe Belastung. Ein halbes Dutzend Mal am Tag muss der Blutzucker gemessen und etwa vier Mal Insulin gespritzt werden. Teils müssen die Kleinen nachts geweckt werden. Wachstum, Bewegungsdrang und Infektionen beeinflussen den Stoffwechsel in unvorhersehbarer Weise.

Im Extremfall kann ein hoher Zuckerwert tödlich sein. Gefährlich ist auch Unterzuckerung, bei der sich das Bewusstsein trübt. Wenn Kinder älter werden und selbst Verantwortung übernehmen, wird es nicht unbedingt leichter. Denn Alkohol oder Exstasy erhöhen das Risiko von Unterzuckerung. "Da hat jemand drei Nächte durchgetanzt. Wenn er dann eine extreme Unterzuckerung hat, rettet ihn nichts mehr", berichtet Danne. Ein 17-Jähriger habe beim Segeln gemerkt, dass er in Unterzucker rutsche und zu Freunden gesagt: "Ich muss was essen, ich schwimme ans Ufer." Dort kam er allerdings nie an, schildert Danne den Vorfall.

Typ-1-Diabetes ist im Gegensatz zu Typ 2 nicht heilbar

Im Gegensatz zum Typ 1, sind bei Typ-2-Diabetes die genetische Veranlagung, Übergewicht und Bewegungsmangel die Ursachen. Sechs Millionen Deutsche leiden an Typ 2, und auch hier erkranken mehr junge Leute, aber selten Kinder. "Wir haben ein Problem mit Adipositas und Kindern. Aber Diabetes ist erst die Endstufe", sagt der Vizevorsitzende der Forschergruppe Diabetes am Helmholtz-Zentrum in München, Michael Hummel. "Dass der Typ-2-Diabetes bei Kindern wahnsinnig zunimmt, stimmt nicht. Aber wir sehen immer mehr Typ-2-Patienten im Alter von 25 und 35 Jahren."

Im Kampf gegen Fettleibigkeit, aber auch Diabetes haben an die 20 Staaten eine Zwangsabgabe auf zuckerhaltige Getränke erhoben, weitere denken darüber nach, etwa Mexiko. Dort gibt es prozentual schon mehr Übergewichtige als in den USA und fast jeder zehnte hat Diabetes.

Eine Zuckersteuer oder auch Restriktionen bei der Eröffnung von Fastfood-Restaurants seien auch hierzulande Möglichkeiten, ist Danne überzeugt. Die Politik sei gefordert. "Was man in Deutschland gerne macht, ist bunte Broschüren drucken. Andere Länder haben einen nationalen Diabetesplan." Die Hilfe für Familien müsse verstärkt, Schulen besser vorbereitet werden.

Typ-2-Diabetes lässt sich mit Abnehmen und Bewegung behandeln. Bei Typ 1 gibt es keine Genesung. "Das Einzige, was wir machen können, ist Insulin geben", sagt Danne. "Was wir anbieten können, sind technische Lösungen." Kürzlich haben Patienten erstmals eine künstliche Bauchspeicheldrüse zu Hause getestet. Das Gerät misst automatisch den Zucker im Gewebe und gibt die richtige Insulinmenge ab. Bis zur Marktreife wird es aber dauern - eine Hoffnung vielleicht für Kinder, bei denen jetzt Diabetes festgestellt wird.

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