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Rache oder Verzeihen: Beziehung retten durch Fehler vergeben?

Rache oder Verzeihen: Beziehung retten durch Fehler vergeben?
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Rache oder Verzeihen: Wie kann ich meine Beziehung retten?

Seit die Menschen die Liebe nicht nur empfinden, sondern auch über sie nachdenken und sich einen Begriff von ihr machen, gibt es die Unterscheidung zwischen "Eros", "Agape" und "Philia". Die schlauen Griechen haben sich das vor Jahrtausenden ausgedacht.

Unter "Eros" verstanden sie die sinnliche Leidenschaft, aufregend und verlockend, aber auch gnadenlos und zerstörerisch. "Agape" meinte die wohltätige und helfende Liebe von Mitmensch zu Mitmensch, auch von Frau und Mann in einer Ehe. Der Hauptaspekt dieser Liebe liegt im Handeln, im Geben. Und "Philia" bezeichnete die freundschaftliche Liebe. Zwischen zwei Menschen auf Augenhöhe, eine Freundschaft der Seelen und im Geiste.

Diese Formen bestanden gleichberechtigt nebeneinander. Die Christen haben dann den Eros mehr oder weniger moralisch verdammt und "Agape" ins Zentrum gestellt, weil deren höchster Wert auch einer der höchsten Werte des Christentums ist: Ein gütiger Mensch sein, verzeihen können, wie schlimm man auch verraten worden ist. Wenn die eine Wange schon geschlagen wurde, noch die andere hinhalten.

Das ist in einer Beziehung zwischen Mann und Frau die schwierigste Übung. Weil durch den "Eros" Gewalten ins Spiel kommen, die so etwas wie Großmut fast unmöglich machen. Stolz, Ehre, glühender Zorn. Wird man von seinem Partner verletzt, betrogen, belogen, ist der erste Impuls: Zurückschlagen - rächen. Oft stoßen empörte Freunde ins gleiche Horn: Den (oder die) machen wir fertig.

Lieber verzeihen als Rache

Es mit gleicher Münze heimzahlen, das ist auf den ersten Blick ein Segen für das gepeinigte Ego. Man muss aber kein Christ sein, um sich auf kurz oder lang für das Verzeihen zu entscheiden. Psychologen wissen: Wer an seiner Wut festhält, sie über Monate, Jahre konserviert, gefährdet seine Gesundheit. Untersuchungen haben ergeben, dass Menschen, die ihren Zorn loslassen können, viel seltener mit körperlichen Stress-Symptomen wie Depressionen oder Migräne zu kämpfen zu haben.

Voraussetzung: Man muss "richtig" vergeben, indem man die Partnerschaft fortführt unter dem Aspekt gegenseitiger Liebe und Achtung. Dazu bedarf es nicht großer Gesten - das ist ein innerlicher Akt. Der gelingt nur, wenn man sich mit den Motiven des anderen auseinandersetzt, die Opfer-Haltung aufgibt. Sein Selbstmitleid hinter sich lässt und fragt: Was habe ich zu der Lage beigetragen? War ich zu zickig? Zu launisch? Oder man geht den Schritt der endgültigen Trennung und arbeitet daran, mit der Verletzung abzuschließen, dem anderen wieder freundlich zu begegnen.

Wer das nicht schafft, sollte in seiner Kindheit nach Ursachen suchen. Wie sehr ein Mensch in der Lage ist, verzeihen zu können, hängt wesentlich von seinen frühesten Bindungserfahrungen ab. Unverarbeitete Verluste und Kränkungen machen es im Erwachsenenleben unmöglich, verzeihend zu reagieren. Aus Kindern, die nie grenzenlose Zuneigung erlebt haben, werden später Racheengel, die in der Überzeugung leben und lieben, sich selbst am besten zu schützen und zu verteidigen zu können, indem sie unversöhnlich sind.

Dabei ist verzeihen können eine Eigenschaft des Starken, zeugt von einer gesunden und liebevollen Beziehung zum eigenen Ich mit all seinen Fehlern. Und nur wer sich selbst liebt, kann überhaupt für einen anderen Menschen Liebe empfinden und glücklich werden. Hier schließt sich der Kreis:

Die theoretische Unterscheidung und Bewertung der verschiedenen Liebesformen brachte den Normal-Griechen eher nicht weiter, wie es auch heute keinen Normal-Liebenden weiterbringt.

Aber die Liebe, die jeder lieben möchte, die kann er sich aussuchen, die steht jedem frei. Ich finde, alles spricht für die verzeihende Liebe. Wer sich selbst liebt, der kann das.

Viel Freude beim Lieben!

Eure Birgit

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