Rache am Ex: Wie sinnvoll sind die Revanche-Gedanken?

Rache am Ex schadet meistens nur einem selbst

Trennungen sind nie leicht, besonders dann, wenn sich einer der beiden Partner betrogen, hinters Licht geführt oder sitzen gelassen fühlt. Oft schlagen die verletzten Gefühle in Rachegelüste um. Auf einem Video, das im Netz für Heiterkeit sorgt, besprüht eine offensichtlich wütende Frau den Porsche ihres Ex mit dem Schriftzug „We are over“, kippt Farbe ins Auto und wirft Eier aufs Dach des schicken Fahrzeugs. Ob sie sich danach wohl besser gefühlt hat? Ist Rache wirklich sinnvoll, um mit einer gescheiterten Beziehung abzuschließen?

Von Christiane Mitatselis

Das Video liefert ein perfektes Beispiel für den Bumerang-Effekt eines Racheaktes. Es stammt von Überwachungskameras, das heißt: Die Frau wurde bei einer Sachbeschädigung gefilmt, die strafrechtlich relevant ist. Was nutzt ihr das kurze Gefühl der Genugtuung, wenn sie sich später eine Strafe zahlen muss? Natürlich nichts. Sie wird sich schlechter fühlen als zuvor, zudem erniedrigt, weil alle Welt über sie lacht.

Psychologen raten generell davon ab, Rache am Ex-Partner zu üben. Rachegelüste seien zwar menschlich und verständlich, meint die Kölner Diplom-Psychologin Anne Temme. "Kreisen die Gedanken jedoch ständig um Rachepläne, lodert auch der erlebte Schmerz immer wieder auf. Der Groll wird zu einem ständigen Begleiter. Die Betroffenen kommen nicht zur Ruhe, die Geschichte findet keinen Abschluss. Schon hier kann man versuchen, sich zu fragen, ob man dieser Mensch sein möchte, ob man kostbare Lebenszeit so verbringen möchte."

Rache am Ex ist nicht nur Frauensache

Rache in Liebesangelegenheiten ist keine reine Frauensache, auch Männer entwickeln nach gescheiterten Beziehungen Revanche-Gedanken, wenn auch auf andere Art als Frauen. "Männer sind nachtragender. Sie halten gedanklich oft länger an einem Racheakt fest, ohne ihn auszuführen", erklärt Anne Temme. "Wenn sie ihn ausführen, sind sie häufig aggressiver als Frauen".

Es sei aber auch nicht ratsam, meint die Psychologin, Rachegefühle völlig beiseite zu drängen. "Man kann sich stattdessen einen Racheakt vorstellen, ihn bis ins Detail visualisieren und auf dabei auftretende Gefühle achten. Bereitet es mir wirklich Freude, der einst geliebten Person Schmerzen zuzufügen, oder schade ich letztlich nur mir selbst?"

In diesem Zusammenhang sollte man sich auch die kurzfristigen und langfristigen Konsequenzen des Racheaktes vor Augen führen. Vielleicht erlebe ich einen Moment der Genugtuung, aber was dann? Geht es mir danach besser? Was, wenn mein Racheakt nur belächelt wird? Was, wenn die Person sich danach ganz von mir abwendet? Was, wenn ich der Person oder mir selbst längerfristig schade? Will ich das wirklich?

"Auch wenn es schwer fällt, sollte man sich in Vergebung üben", rät die Psychologin. "Was nicht heißt, das man das Verhalten des Verflossenen gut heißen oder verzeihen muss. Vergebung bedeutet hier eine innere Haltung, mit der man einerseits der erlebten Verletzung einen berechtigten Raum gibt, andererseits aber auch akzeptiert, dass Menschen sich nicht immer so verhalten, wie wir es uns wünschen und vieles im Leben nicht vorhersagbar ist."

Also: Lieber eine Reise planen, die man sich schon lange gewünscht hat, anstatt dem Ex seine Taten heimzuzahlen, den Fokus nach einer angemessenen Zeit des Trauerns wieder auf die schönen Dinge richten, die die Zukunft bereit halten kann.

Im folgenden Video sehen Sie, wie die erwähnte Frau ihre Wut am Porsche ihres Ex-Partners auslässt.

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