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Qualvoller Hitzetod im Auto: So gefährlich ist die Unachtsamkeit!

Hitzetod von Kindern im Auto
Hitzetod von Kindern im Auto Unterschätzte Gefahr 00:02:24
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Hitzetod: Im Auto steigt die Temperatur auf 46 Grad

Wie sich das Innere eines parkenden Autos in ein Backrohr verwandelt, hat eine US-Kinderhilfsorganisation recht eindrucksvoll getestet. Sie lud auf einem Supermarkt-Parkplatz zur Challenge: 100 Dollar für den, der es 10 Minuten in einem geschlossenen Pkw aushält. Wenig überraschend: Niemand durfte das Preisgeld einstecken. Keiner der Erwachsenen (die ja freiwillig und mit einer gewissen monetären Motivation im heißen Auto saßen) hielt es länger als ein paar Minuten auf der Rückbank aus.

Kind wird im Auto vergessen
Qualvoller Hitzetod wenn das Kind im Auto vergessen wird

Von Ursula Willimsky

Sie hatten die Chance, einen Panik-Button zu drücken – Kinder im Kindersitz haben diese Chance nicht.

"Sind ja nur ein paar Minuten.“ Klar, der Gedanke drängt sich auf, wenn man bei 36 Grad nur mal schnell in den Supermarkt huschen will, um rasch noch Wassermelone zu kaufen. Rentiert es sich da wirklich, das friedlich schlafende Kind aus dem Kindersitz zu schälen, in den Einkaufswagen zu verfrachten und mit in den Supermarkt zu nehmen? Sind ja nur ein paar Minuten … ein paar Minuten allerdings, die zur tödlichen Hitzefalle für Kinder werden können.

Allein in den USA sterben jeden Sommer 40 Kinder in überhitzten Autos. In Deutschland häufen sich in den heißen Monaten die Meldungen über Feuerwehreinsätze, bei denen Kinder aus dem Glutofen befreit wurden – nicht immer rechtzeitig. Die Gefahr ist bekannt. Dennoch wird sie nicht immer ernst genommen.

Dabei genügen schon relativ moderate Temperaturen, um das Warten im geschlossenen Auto unerträglich werden zu lassen – und nach ein paar Minuten zur tödlichen Gefahr zu steigern. Die 'Ärztezeitung‘ nennt dramatische Werte: Schon bei einer Außentemperatur von 30 Grad klettern die Temperaturen im Wageninneren innerhalb einer halben Stunde (!) auf 46 Grad. Der rote Bereich: Lebensgefahr. Bei 38 Grad genügen schon 5 Minuten, um das Wageninnere auf gefährliche 42 Grad zu erhitzen. Nach Expertenmeinung ändert daran auch ein Fenster nichts, das einen kleinen Spalt heruntergekurbelt wurde. Bereits nach 15 Minuten im heißen Auto können Babys und Kleinkinder sterben.

Zumal sie weniger schwitzen als Erwachsene und schneller überhitzen und dehydrieren. Eingeschlossen im Auto, ohne jede Belüftung, nimmt ihr Körper dreimal so viel Hitze auf als draußen an der frischen Luft. Und: Sie können sich oft nicht selbst aus ihrem glühend heißen Gefängnis befreien, zum Beispiel, weil sie zu klein und im Kindersitz angeschnallt sind.

Passanten sollen eingreifen, um Hitzetod im Auto zu verhindern

Aber auch leere Kindersitze können zur Hitzefalle werden. Japanische Wissenschaftler überprüften, bis auf welche Temperaturen sich die Kunststoff-Sitze erhitzen: Im Schnitt auf über 50 Grad, als Spitzenwert wurden sogar 66 Grad gemessen. Der Ratschlag der Medizinexperten: Im Sommer verhindern, dass nackte Kinderhaut direkt mit den Sitzmaterialien in Kontakt kommt, um Brandwunden zu vermeiden. Besser den Sitzbereich mit Stoff abdecken, damit Arme und Beine nicht direkt mit heißem Plastik in Kontakt kommen.

Wenn Kinder im Sommer im parkenden Wagen leiden, steckt dahinter nahezu immer die Gedankenlosigkeit von Erwachsenen. Mal ist es ein "Wird schon gut gehen, ich bin ja gleich wieder da“, mal wird das Kind schlichtweg vergessen. So wie im Falle einer siebenfachen Mutter, die auf diese Weise ihr Zweijähriges verlor: Sie wollte mit ihren Kindern in den Park – ihr kleines Mädchen übersah sie über all der Auspack-Hektik. Erst nach dem Ausflug entdeckte sie das Kind, die Ärzte konnte es nicht mehr retten.

Immer wieder liest man von Elternteilen, die im Hochsommer zur Arbeit fuhren und vergaßen, das Kind vorher in der Krippe abzuliefern. Nach Stunden fanden sie dann einen leblosen Körper auf der Rückbank. 'LookBack' nennt sich die Initiative, die gegen diese Art des tödlichen Vergessens angehen will. Ein kurzer Kontrollblick genügt, bevor man das Auto endgültig abschließt. Selbst im stressigsten Alltag muss das drin sein.

Einmal kurz innehalten. Überprüfen, ob nichts vergessen wurde. Sich vorzustellen versuchen, wie es wäre, wenn man selbst ein paar Minuten ohne Klima-Anlage in dieser Blechkiste ausharren müsste … ein paar Gedanken, ein paar Sekunden nur sind es, die Kinderleben retten können.

Eingreifen, bevor das Schlimmste eintritt, können aber auch Passanten, die ein Baby oder Kind in einem parkenden Auto entdecken: Der AvD rät dazu, sofort Hilfe zu organisieren und die Rettungsleitstelle zu alarmieren. Mit ihr können direkt die nächsten Schritte abgesprochen werden.

Im äußersten Notfall - falls kein Handy zur Hand ist und/oder das Kind auf Klopfen oder Rufen nicht mehr reagiert – könne man die Scheibe einschlagen. Dies allerdings mache der Retter zunächst auf eigene Verantwortung – wenn das Kind in Sicherheit ist, muss geklärt werden, ob tatsächlich Gefahr für Leib und Leben vorlag oder ob es zu einer Sachbeschädigung kam. Wenn wir die Richter wären, wir wüssten, wie wir urteilen würden … und auch ohne juristisches Staatsexamen wüssten wir, wofür wir uns im entscheiden würden.

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