Public Viewing: Darum macht es soviel Spaß

Was macht Public Viewing eigentlich so aufregend? Wie kommt es, dass Hunderttausende im Kostüm auf Straßen und Plätzen feiern, egal wie das Wetter ist? Denn viele von denen, die da in voller Fan-Ausstattung feiern, sind noch nicht einmal Fußball-Fans.

Die Psychologin Susanne Veit kann das genau erklären. Es gibt zwei Hintergründe für die Feierbegeisterung der Massen.

1. Es ist das Verschwinden des Individuums in der großen Masse. Der Einzelne mit seinen Problemen und dem immer gleichen Alltag wird zu einem Teil der Mannschaft und zu einem Teil der Feierwilligen. Alles andere tritt zurück. Es gibt nur noch kollektive Begeisterung oder - falls die Sache nicht so gut ausgeht - den kollektiven Schmerz. Und wie weiß der Volksmund schon lange? Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude!

Public Viewing: Wieder Kind sein

2. Was passiert beim Public Viewing? Da wird gespielt, getanzt, geschrieen, geweint und auch geprollt: Alles Dinge, die sich die Erwachsenen normalerweise nicht gönnen, die sonst den Kindern vorbehalten sind. Sonst kommt es im Alltag darauf an, die Fassung, die Haltung zu wahren. Public Viewing erlaubt das Gegenteil! Fast ist das, was sonst verboten ist, sogar schon Pflicht.

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