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Psychotherapie und Co.: Was hilft bei Depression?

Psychotherapie und Co.: Was hilft bei Depression?
Eine Psychotherapie kann bei einer Depression helfen © alexsokolov - Fotolia

Psychotherapie: Man muss sich der Depression stellen

Zum Psychiater oder Psychotherapeuten zu gehen, ist für viele Menschen auch heute noch ein Tabu. Sie stellen sich die bange Frage, wie Angehörige, Freunde oder gar Arbeitskollegen reagieren werden, wenn sie von der Depression erfahren. Viele Betroffene schrecken außerdem davor zurück, einen Blick in die verborgenen und dunklen Bereiche der eigenen Seele zu werfen. Und dann kommt noch der schwere Schritt hinzu, dem Therapeuten, einem quasi fremden Menschen, sein Innerstes zu offenbaren.

Trotz solcher Ängste lohnt es sich, den Schritt in eine Therapie zu wagen. Psychiater Peter Bommersbach: "Durch eine konsequente medizinische und psychotherapeutische Behandlung ist eine depressive Erkrankung heilbar." Dennoch besteht ein ernst zu nehmendes Rückfallrisiko, dem vor allem Langzeittherapien entgegenwirken. Welche der unten genannten Behandlungen sinnvoll sind, kann nur im Einzelfall und zusammen mit dem Arzt oder Therapeuten geklärt werden.

Häufig wird die Verhaltenstherapie als Psychotherapie eingesetzt

Bei der Psychotherapie steht das Gespräch zwischen Therapeut und Patient im Mittelpunkt. Es gibt eine Vielzahl von Verfahren. Häufig wird die so genannte kognitive Verhaltenstherapie eingesetzt, bei der ein Therapeut den Patienten unterstützt, neue Lösungen für seine aktuellen Probleme zu finden.

Das tiefenpsychologische Verfahren

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Reden Sie sich frei © emiliau - Fotolia, EmiliaU

Tiefenpsychologische Verfahren beruhen auf der Psychoanalyse, deren bekanntester Befürworter Sigmund Freud ist. Auch hier gibt es eine Vielzahl von Behandlungsmethoden. Bei der klassischen Psychoanalyse sitzt der Patient außerhalb des Blickfelds des Therapeuten und spricht frei über seine Empfindungen, Fantasien und Gedanken. Der Therapeut verhält sich passiv, damit sich der Patient an verdrängte und längst vergessene Gefühle erinnert. Diese wieder entdeckten Erinnerungen sollen zu einer Veränderung und langfristigen Verbesserung der Situation des Patienten führen.

Dieses Verfahren ist bei schweren Depressionen jedoch nicht sinnvoll, da es eine gewisse seelische Stabilität des Patienten voraussetzt. Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie setzt bei aktuellen Konflikten und Problemen an. Die Lebensgeschichte des Patienten wird dabei berücksichtigt, steht aber nicht allein im Vordergrund.

Die Verhaltenstherapie

Auch die Verhaltenstherapie umfasst ein ganzes Spektrum an Behandlungsmethoden. Sie haben alle gemeinsam, dass sie dem Patienten Hilfe zur Selbsthilfe geben sollen. Der Patient soll die Entstehungsgeschichte seiner Probleme verstehen lernen und ihm werden Verhaltensweisen an die Hand gegeben, wie er künftig besser zurecht kommen kann. Die Wirksamkeit von Verhaltenstherapien ist in einer Vielzahl wissenschaftlicher Studien belegt.

Therapie mit Medikamenten

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Medikamente sollten nur im Notfall genommen werden © Alexander Raths - Fotolia, Alexander Raths

In schwereren Fällen von Depression ist eine Therapie mit Antidepressiva erforderlich. Es gibt eine Vielzahl von Präparaten mit unterschiedlichen Wirkmechanismen. Wie diese Medikamente wirken, ist nur zum Teil geklärt. Fest steht, dass sie die Signalübertragung der Nervenzellen im Gehirn verändern. Die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin können bei der Reizleitung in den Nervenzellen besser wirken.

Antidepressiva benötigen in der Regel zwei bis drei Wochen, bevor sie ihre volle Wirkung entfalten. Sie sind sehr gut verträglich, sollten über einen längeren Zeitraum eingenommen (etwa sechs Monate) und danach langsam abgesetzt werden. Die Gefahr einer Abhängigkeit besteht nicht. Bei leichteren Stimmungstiefs können auch pflanzliche Präparate helfen, in denen zum Beispiel Johanniskraut enthalten ist.

Die Elektrokrampftherapie

Die Elektrokrampftherapie oder Elektroschocktherapie wurde in den 50er Jahren entwickelt. Der Patient wird dabei narkotisiert und mit einer Stromgabe am Schädel wird ein epileptischer Anfall ausgelöst. Diese Behandlung wird in der Regel nur bei Menschen mit sehr schweren Depressionen angewendet, bei denen keine andere Behandlungsform geholfen hat.

Die Wachtherapie

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Nicht immer ist Schlaf heilsam © apops - Fotolia, Photographer: Andrey Popov

Depressive Menschen leiden häufig an Schlafstörungen, jedoch kann der gezielte Schlafentzug bei Depressionen helfen. Diese Methode beruht darauf, dass bei der Durchbrechung des Schlafrhythmusses, Serotonin freigesetzt wird.

Sport als Therapie

Verschiedene Studien belegen, dass sportlich aktive Menschen ein geringeres Risiko haben, an Depressionen zu erkranken, als unsportliche. Sport hilft auch dann, wenn die Erkrankung bereits eingetreten ist. Zum einen werden stimmungshebende Botenstoffe, so genannte Endorphine, ausgeschüttet, zum anderen werden soziale Kontakte gefördert und das Selbstbewusstsein gestärkt.

Die Lichttherapie

Licht hat eine positive Auswirkung auf die Stimmung. Manchmal helfen - besonders bei der Winterdepression - schon regelmäßige Spaziergänge. Außerdem kann eine spezielle UV-Therapie Besserung bringen. Aber Vorsicht: Solarien haben für diese Therapie nicht die richtige Strahlungszusammensetzung.

Die Lebensweise

Medikamente und Suchtmittel können ebenfalls Auslöser oder Verstärker von Depressionen sein. Meiden Sie deshalb übermäßigen Nikotin-, Alkohol-, oder Kaffeegenuss. Der vorsichtige Umgang mit Medikamenten und das konsequente Weglassen von Drogen verstehen sich von selbst. Ausreichend Schlaf, Ruhe- und Ausgleichsphasen wirken außerdem Depressionen entgegen.

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