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Psychotherapie: Ablauf, Kosten, Suche nach Psychotherapeuten

Was ist eigentlich eine Psychotherapie?

Depression, Essstörungen, Burnout und Co.: In den letzten Jahren hat sich die Zahl von Erkrankungen, die mit der Psyche zu tun haben, stark erhöht. Immer häufiger werden Diagnosen wie diese gestellt, aber auch andere seelische Probleme sehen wir plötzlich mit anderen Augen: Warum habe ich bestimmte Ängste, weshalb scheitern meine Beziehungen, warum leide ich unter Zwängen? Irgendwann wollen wir Antworten auf solche Fragen, weil sie uns belasten - und suchen professionelle Hilfe: Wir entscheiden uns für eine Psychotherapie.

Psychotherapie: Ablauf, Kosten, Suche nach Psychotherapeuten
Brauchen Sie eine Psychotherapie? © alexsokolov - Fotolia

Aber wie verläuft eine Psychotherapie eigentlich? Muss man dafür Medikamente nehmen oder mit einem Psychotherapeuten nur reden, was man mit Freunden ohnehin schon tut? Wie finde ich den passenden Psychologen? Ein Aspekt ist der Kostenfaktor: Eine Psychotherapie wird nicht automatisch von der Kasse bezahlt – so wie der Gang zum Hausarzt. Wie man sieht, ist das Thema so vielfältig, dass wir Ihnen jetzt alles rund um das Thema Psychotherapie erklären.

Wie verläuft eine Psychotherapie?

Psychotherapie ist der Oberbegriff für verschiedene Behandlungsmethoden, die ein Psychotherapeut anwendet, um Ihre seelische Gesundheit herzustellen - sowohl ein ärztlicher als auch psychologischer Psychotherapeut. Die Bundesärztekammer definiert die Psychotherapie noch etwas genauer als "die Erkennung, psychotherapeutische Behandlung, Prävention und Rehabilitation von Erkrankungen, an deren Verursachung psychosoziale Faktoren einen wesentlichen Anteil haben, sowie von Belastungsreaktionen in Folge körperlicher Erkrankungen."

Dabei hat jeder Therapeut seine eigene Arbeitsmethode – und welche die richtige für einen selbst ist, das findet man in einem Erstgespräch heraus. In den meist 50 Minuten langen Unterhaltungen beschnuppern sich der Psychotherapeut und der Patient gegenseitig. Man redet über das eigentliche Problem und findet so schnell heraus, ob eine Therapie Sinn macht oder nicht – oder welche Form die passende ist. Dabei spielen auch scheinbar nebensächliche Aspekte eine Rolle, wie die Sympathie: Finde ich den Therapeuten unsympathisch, werde ich Probleme haben, mich ihm zu öffnen. Finde ich ihn aber als Mann oder Frau wiederum zu attraktiv, könnte ich ebenfalls Schwierigkeiten damit haben. Da ich ihm oder ihr gefallen möchte, kann ich nicht alles von mir preisgeben. Und all das verzögert oder verhindert die Genesung.

Um das bestmögliche Ergebnis am Ende einer Therapie zu erzielen, sollten im ersten Schritt also alle Eventualitäten in Erstgesprächen ausgeschlossen werden. Erst dann beginnt die eigentliche Therapie. Und welche Art der Therapie für den Patienten die richtige ist, teilt der Therapeut mit. In Deutschland sind üblicherweise drei Arten zugelassen, davon können einige auch in Form von Gruppensitzungen abgehalten werden:

1. Verhaltenstherapie

2. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

3. Analytische Psychotherapie

Wer übernimmt die Kosten der Psychotherapie?

Zunächst muss zwischen Psychotherapeuten mit Kassenzulassung und ohne Kassenzulassung unterschieden werden. Erkundigen Sie sich deshalb bei der Terminvereinbarung beim Psychotherapeuten, wie er arbeitet. Denn nur, wenn Sie nachweisen können, dass eine Behandlung bei einem zugelassenen Arzt zeitnah nicht möglich war, übernimmt die gesetzliche Kasse die Kosten im Rahmen einer Kostenerstattung. Die Gründe, die für eine Kostenübernahme meist reichen, sind: Der Wohnort ist zu weit vom nächsten zugelassenen Arzt entfernt oder aber die Wartezeit auf einen Therapieplatz ist viel zu lang. Eine Wartezeit von drei Monaten gilt schon als nicht mehr zumutbar, kommt aber häufiger vor als man denkt.

Natürlich kann man auch ohne die Involvierung der Kasse eine Therapie machen und die Anzahl der Sitzungen individuell festlegen. Die muss man dann privat bezahlen: Die meisten Psychotherapeuten verlangen zwischen 60 und 150 Euro pro 50-Minuten-Termin.

Wie finde ich einen Psychotherapeuten?

Sie können sich natürlich an Ihren Hausarzt wenden. Gerade, wenn für Sie nur ein nicht kassenzugelassener Psychotherapeut in Frage kommt, ist der Gang zum Hausarzt unumgänglich: Die Kassen verlangen nämlich meist eine schriftliche Bestätigung, zum Bespiel des Hausarztes, dass er eine Behandlung empfiehlt. Der Arzt wird Ihnen dann auch bei der Suche helfen.

Sie können sich aber auch direkt selbst auf die Suche begeben. Im Internet auf der Seite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (www.kbv.de) finden Sie die Adressen und Telefonnummern der regionalen Arztauskunft-Dienste. Wenn Sie dort anrufen, erhalten Sie bis zu fünf Adressen von Psychotherapeuten in Ihrer Nähe. Dort können Sie dann einen Termin vereinbaren.

Dauer der Therapie:

Wie lange eine Therapie dauert, hängt von Ihrer Art ab und vom Schweregrad der Erkrankung. Eine Kurzzeit-Therapie umfasst 25 Sitzungen, die längste 200. Wenn der Psychotherapeut nach Ablauf der Sitzung der Ansicht ist, dass eine längere Behandlung nötig ist, wird er dies der Kasse anhand eines Berichts darlegen – und die lässt dies durch ihre Gutachter prüfen. Meist haben Patienten aber sehr gute Chancen auf eine Weiterbehandlung.

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