Psychosoziale Krankheiten: Wann ist ein Kind krank?

Sprachstörungen bei Kindern
Sprachstörungen bei Kindern Symptome und Therapie 00:02:07
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Nur Modekrankheiten?

Wie schön einfach die Welt früher war. Bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bekamen Kinder Masern, Windpocken oder Röteln, Kinderkrankheiten eben. Die Eltern blieben cool, legten die Kinder nach dem Arztbesuch zwei Wochen ins Bett. Und war das Kind gesund, und die Welt wieder in Ordnung. Wenn sie nicht krank waren, rannten die Kinder nach der Schule den ganzen Tag draußen herum. Und waren abends schön müde. Mit dem Fortschritt der Medizin und der globalisierten Information ist die Welt jedoch immer komplizierter geworden. Es gibt immer mehr Krankheiten, die angeblich unbedingt behandelt werden müssen - und die Eltern kirre machen.

Aus Angst reagieren Eltern bei Kinderkrankheiten oft über

Von Christiane Mitatselis

Aus Angst, Fehler zu begehen, schleppen Eltern ihr Kind, wenn es ein bisschen Fieber hat, heute gern sofort in die Notaufnahme. Und wenn das Kind nicht gern ruhig sitzt oder ein bisschen hibbelt, wird schnell Zappelphilipp-Syndrom oder ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Störung ohne Hyperaktivität) vermutet - absolute Modekrankheiten. Kritiker bemängeln, dass Ärzte solche Diagnosen manchmal schon nach einem zehnminütigen Gespräch mit dem kleinen Patienten stellen - und Psychopharmaka verschreiben, die wegen ihrer Nebenwirkungen umstritten sind.

Psychosoziale Krankheiten: Was hilft?

Natürlich kann es sein, dass das Kind tatsächlich unter einer psychischen Erkrankung leidet - und behandelt werden muss. Dazu sind aber umfangreiche neurologische Untersuchungen notwendig. Besser sollten die Eltern erst einmal versuchen, ihr mutmaßlich hyperaktives und/oder unaufmerksames Kind besser auszulasten. Und es beispielsweise weg von der Playstation auf den Sportplatz zu schicken. Zwei Stunden Fußball, Turnen oder Laufen können Wunder wirken.

Auch Ernährungsumstellung kann helfen. Weg mit den Chips, der Schokolade, den süßen Softdrinks, den Konservierungsstoffen, dem ganzen Trash! Natürliche Kost, wenig Zucker, Fleisch und Weißmehl sind gesünder. Die alte Weisheit der Römer "mens sana in corpore sano" (gesunder Geist im gesunden Körper) ist auch noch im 21. Jahrhundert war. Natürlich - all dies ist mehr Arbeit als das Kind einfach mit Pillen zu sedieren. Andererseits kann man es den Eltern nicht verdenken, dass sie überreagieren. Es gibt ständig neue Studien, die neue Kinder-Krankheiten und Defizite in der psychosozialen Entwicklung suggerieren.

Sprachproblem als psychosoziale Krankheit

So hat die Untersuchung einer Barmer-Krankenkasse ergeben, dass die armen Kleinen heutzutage angeblich nicht mehr richtig sprechen können! Laut der Studie haben im sechsten Lebensjahr 38 Prozent der Jungen eine Sprechstörung und 30 Prozent der Mädchen. Die Kasse selbst schließt jedoch nicht aus, dass es sich bei den neuen Diagnosen um Modekrankheiten handeln könnte. Verstärkte Aufmerksamkeit von Eltern, Pädagogen und Ärzten könnten mit den "auffällig hohen Diagnosen" zu tun haben.

Auch hier gilt also: Ruhig bleiben! Bevor man sein Kind, das ein bisschen lispelt oder den Dativ mit dem Akkusativ verwechselt, zur logopädischen Therapie schickt, könnte man es damit versuchen: Das Kind, immer wenn es falsch spricht, korrigieren, es Wörter nachsprechen lassen. Ihm viel vorlesen, es lieber mit Hörspielen als mit Videos unterhalten. Wenn all dies nicht hilft, gibt es immer noch Logopäden, die weiterhelfen.

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