Prostitution: Mädchen bieten Sex gegen Mode

Mann und Frau küssen sich
Mädchen aus armen Familien bekommen gegen Sex die Mode, die sie sich sonst nicht leisten können. © picture alliance / dpa, Felix Hörhager

"Galerianki" bieten Sex für Jeans und Kleider

Was wären Sie bereit für eine neue Jeans zu tun, die Sie sich nicht leisten können? In Polen gibt es immer mehr Mädchen, die für eine schicke neue Hose oder ein angesagtes Top ihren Körper verkaufen. Die so genannten "Galerianki" bieten Sex für Ware an und ihr Strich ist das Einkaufszentrum.  So sieht in Polen die Prostitution der goldenen kapitalistischen Zukunft aus.

Von Caroline Berger

Der Strich - in der Vorstellung vieler entweder eine schlecht beleuchtete, abgelegene Straße mit verfallenen Häuserfassaden oder eine Amüsiermeile mit grell blinkenden Leuchtreklamen auf der nur zwielichtigen Gestalten unterwegs sind. Ein hell erleuchtetes, blitzend sauberes Einkaufszentrum, in Polen "Galeria" genannt, ist kein Ort, an dem man Prostitution vermuten würde, doch genau hier - wo täglich tausende polnische Zloty den Besitzer wechseln - boomt auch das Geschäft für junge käufliche Mädchen.

Statussymbole locken Mädchen zur Prostitution

Aufreizend gekleidet flanieren sie durch das Einkaufsparadies, halten Ausschau nach möglichen Interessenten und werfen vielversprechenden Kandidaten vielsagende Blicke zu. Oft haben sie zu diesem Zeitpunkt das Objekt ihrer Begierde - natürlich nicht den Mann, sondern Kosmetika, Kleidungs- oder Schmuckstücke - schon auserkoren. Springt ein meist älterer Mann auf eine "Galerianka" an, zeigt sie ihm die Handelsware ihrer Wahl, er kauft sie und die beiden verschwinden auf die Toilette oder an einen anderen ruhigen Ort. 

Wie schnell es passiert, dass ein Mädchen zur "Kaufhaus-Nutte" wird, zeigt der 2009 erschienene polnische Film "Galerianki" (Deutscher Titel: Shopping Girls). Ein 14-jähriges Mädchen wird darin von ihren Freundinnen in den "Tauschhandel" eingewiesen. Die junge Regisseurin Katarzyna Roslaniec hatte für ihr Spielfilmdebüt echte "Galerianki" interviewt und versucht, ein authentisches Bild der Jugendlichen zu zeichnen.

Die Mädchen in dem Film denken nicht daran, zur Schule zu gehen und ihren Abschluss zu machen. Alles was sie wollen ist im Trend sein, cool sein - und dafür brauchen sie Statussymbole. Der Film beginnt mit einer Szene, in der Milena von der vergangenen Nacht mit einem älteren Mann erzählt. Der Höhepunkt dieses Erlebnisses war für Milena der Moment, in dem alle Passanten sehen konnten, wie sie aus dem schicken BMW wieder aussteigt. Ihre Zuhörerinnen lauschen beeindruckt, und blicken zu der "erfolgreichen" Milena auf. Schließlich haben sie keine anderen Vorbilder, als ihre Freundinnen.

Die Mädchen denken dabei nicht an Prostitution

Alle Mädchen kommen aus schwierigen Verhältnissen. Von ihren Eltern bekommen sie weder Liebe noch Unterstützung. Indem sie Statussymbole anhäufen, grenzen sich die Teenagerinnen von ihren Eltern ab und haben so den Eindruck ein anderes, besseres Leben zu führen. Natürlich immer mit der Überzeugung, dass das, was sie da tun, keine Prostitution ist, sondern ein einfaches Tauschgeschäft.

Spätestens seit dem Film wissen auch die Betreiber der Einkaufszentren über die inoffiziellen Geschäfte in ihren Räumen Bescheid. Jedoch könnten sie nichts anderes tun, als gegebenenfalls die Polizei zu rufen. Das Problem müsse aber an der Wurzel gepackt werden, sagen auch Soziologen und Pädagogen: Den Jugendlichen fehle es an liebevoller Betreuung und Kontrolle. Auch die neue kapitalitische Konsumorientierung, die es im kommunistischen Polen früher nicht gab, habe die Gesellschaft verändert. Experten schätzen, dass von 15 polnischen Mädchen etwa drei als "Galerianki" arbeiten. Wenn sich in Polen aber nichts ändert, könnten es schon bald deutlich mehr sein. Und dann müssten sich die Kaufhäuser demnächst in Laufhäuser umbenennen.

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