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Prophylaktische Brustamputation: Wie weit würden Sie aus Krebsangst gehen?

15.05.13 09:19
Prophylaktische Brustamputation: Wie weit würden Sie aus Krebsangst gehen?
Bildquelle: dpa bildfunk
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Ist eine prophylaktische Brustamputation sinnvoll?

Mein erster Gedanke war: Wie kann sie nur so etwas tun? Weshalb lässt sich eine gesunde Frau ihre gesunden Brüste amputieren? Wie viel Angst muss da wohl in ihr sein? Die letzte Frage hat Angelina Jolie selbst beantwortet: "Das Leben ist voller Herausforderungen. Diejenigen, denen wir die Stirn bieten und die wir unter Kontrolle bringen können, dürfen uns keine Angst machen." Deshalb hat sich die Mutter von sechs Kindern zu einer vorsorglichen Brustamputation entschieden. Denn sie hat nach eigener Aussage ein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.

Von Ursula Willimsky


Es liege bei 87 Prozent, die Gefahr, an Eierstockkrebs zu erkranken bei 50 Prozent. Die 37-Jährige ist diesem Risiko „proaktiv“ begegnet. Nun, nach der OP, liegt ihr Brustkrebsrisiko nur noch bei 5 Prozent – und sie kann ihren Kindern sagen, „dass sie nicht fürchten müssen, dass sie mich durch Brustkrebs verlieren.“

Sie wollte ihnen das Schicksal ersparen, das sie selbst hatte: Mit ansehen zu müssen, wie die Mutter an Krebs stirbt. Jolies Mutter hatte ein Jahrzehnt vergebens gegen die Erkrankung angekämpft. Und Jolie hat von ihr, so scheint es, ein Hochrisikogen geerbt. Normalerweise erkrankt etwa eine von zehn Frauen an Brustkrebs – bei Trägerinnen des Gens sind es etwa sieben von zehn. Zudem haben sie ein erhöhtes Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken. Jolie wollte ihren Eingriff eigentlich privat halten. Doch dann entschied sie, ihn öffentlich zu machen – auch, um andere Frauen in einer ähnlichen Situation zu ermutigen.

Wer Angst vor einem Lungenkarzinom hat, kann und sollte aufhören zu rauchen. Doch was macht jemand, der Angst vor Brustkrebs haben muss? Wie Jolie die Vorbereitungen und den Eingriff schildert, liest sich fast abgeklärt und sachlich. Ihr Artikel in der „New York Times“ trägt den Titel „Meine medizinische Entscheidung“. Seit sie wisse, dass sie das Risikogen in sich trage, habe sie sich entschieden, das Risiko so weit als möglich zu minimieren.

Was in der ganz privaten Angelina Jolie vor sich ging, wie oft sie ihren Körper nach ersten Anzeichen für die gefürchtete Krankheit untersucht hatte, welche Ängste sie plagten, so enden zu müssen wie ihre Mutter – oder wie oft sie in ihrem Kopf die Vor- und Nachteile hin- und herwältzte, ob sie sich operieren lassen soll oder weiter ihr Leben führen soll mit einem Körper, der eben nur wahrscheinlich schwer erkranken wird, kann niemand wissen.

Bezahlt die Kasse die prophylaktische Brustamputation?

Fakt ist, dass viele Betroffene sich für diesen radikalen Schritt entscheiden – etwa 40 Prozent aller Frauen, die das Hochrisikogen in sich tragen, lassen sich laut einer US-Studie vorsorglich die Brüste amputieren, etwa 45 Prozent entscheiden sich für eine Eierstock-OP. Diesen letzten Schritten gehen viele Untersuchungen und Beratungen voraus.

In Deutschland können sich Frauen, in deren Familien eine oder beide der Krebsarten gehäuft vorkommen, zum Beispiel an eines von 15 Zentren für „Familiären Brust- und Eierstockkrebs“ wenden. Dort arbeiten Experten, die die Risiken abklären und gegebenenfalls eine Gendiagnostik durchführen. Lasse ich den Test überhaupt machen? Diese Frage muss jede Betroffene für sich entscheiden – aber nicht allein. Die Zentren bieten auch eine soziale Beratung an, denn die die Frau sollte sich darüber im Klaren sein, welche Auswirkungen das Ergebnis auf ihr Leben haben könnte. Und sie braucht Unterstützung, wenn die Diagnose steht.

In diesen Zentren – zum Beispiel in Köln unter Leitung von Prof. Dr. Rita K. Schmutzler – werden die Frauen über mögliche Früherkennungsmaßnahmen und Prävention beraten. Sie können sich für ein „intensiviertes Früherkennungsprogramm“ entscheiden, das regelmäßige Selbstuntersuchungen und ärztliche Kontrollen beinhaltet.

Oder für die Mastektomie: „Als Präventionsmaßnahmen kommen auch die prophylaktische Entfernung des Brustdrüsengewebes oder der Eierstöcke in Betracht. Einer solchen Entscheidung geht eine intensive Beratung voraus, die die Ratsuchende in die Lage versetzt, die für sie richtige Entscheidung zu treffen“, heißt es auf der Seite des Zentrums. Sollte sich eine Frau für den Eingriff entscheiden, übernehmen laut GKV-Spitzenverband die gesetzlichen Kassen die Kosten, unter der Bedingung, dass tatsächlich ein diagnostizierter Gendefekt vorliegt.

Jolie hat sich für die letzte Möglichkeit entschieden. Ihr Partner Brad Pitt unterstütze sie während der drei Monate liebevoll, in denen sie sich immer wieder operieren und neue Brüste aufbauen ließ. Nun fühle sie sich „nicht weniger weiblich“ als vor der Operation.


Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums beantwortet Ihre Fragen zum Thema unter dieser Telefonnummer: 0800 - 420 30 40


Halten Sie prophylaktische Brustamputation für sinnvoll oder eher überflüssig? Diskutieren Sie hier oder im Forum!

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