'Pro Quote': Journalistinnen fordern die Frauenquote

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'Pro Quote': Journalistinnen fordern die Frauenquote

Sie decken auf, sie prangern an, sie wollen etwas verändern. Journalisten und Redakteure sind immer am Puls der Zeit - fast immer. Nur wenn es um das Thema Gleichberechtigung geht, weht ein Hauch von Steinzeit durch die Chefetagen von Zeitungen, Radio und Fernsehsendern. Schluss damit! - das sagen jetzt knapp 900 Journalistinnen, wie z.B. Anne Will, Frauke Ludowig, Antonia Rados oder Sandra Maischberger. Sie fordern eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent und machen deshalb mit bei der Kampagne 'Pro Quote'.

Von Dagmar Baumgarten

„Frauen sind nicht das Problem, Frauen sind die Lösung!“, und deshalb geht es nicht ohne Frauenquote - das sagt ausgerechnet ein Mann. Über Gleichberechtigung reden können viele Männer. Aber Chefredakteur Gabor Steingart vom ‚Handelsblatt‘ will handeln. Für seine Zeitung kündigte er als Erster für Führungspositionen eine Frauenquote an. Gerade mal zwei Prozent aller Chefredakteure der rund 360 Tages- und Wochenzeitungen sind weiblich.

Das ist im Fernsehen nicht anders. Bei RTL arbeiten mehr Frauen als Männer - in den Führungsetagen sieht man davon allerdings wenig. An der Spitze des Unternehmens steht mit Anke Schäferkordt eine Frau. Doch danach wird es wieder ziemlich männlich bei den Chef- Jobs. Die RTL-Moderatorin Frauke Ludowig ist in Redaktionsleitersitzungen die einzige Frau. Sie findet es schade, aber offensichtlich unumgänglich, dass man die eigentliche Selbstverständlichkeit, Posten nach Qualifikation zu besetzen statt nach Geschlecht, mit einer Quote durchsetzen muss. Denn die Realität sieht heute immer noch so aus: „Frauen werden zuerst nach ihrer Frisur und Figur beurteilt“, sagt sie.

Darum gibt es 'Pro Quote'

In der Tat wird bei einer Frau in einer Führungsposition immer noch weniger darüber geredet, was sie sagt, als vielmehr, wie sie dabei aussieht. Und damit sich daran etwas ändert, müsse man erst mal die Rahmenbedingungen ändern.

Sie hat auch eine Vorstellung davon, wie lange es eine Frauenquote geben sollte: „Wenn beide Geschlechter die Vorzüge des jeweiligen Führungsstils zu einer gewinnbringenden Allianz zusammenführen, haben wir irgendwann auch keine Quoten in den Top Etagen mehr nötig.“

Maria Gresz, die Moderatorin von Spiegel TV, sieht es genauso: „Ich habe lange gedacht, dass es ohne Quote geht, bis ich gemerkt habe, dass Männer nicht so denken.“ Da stimmt auch Auslandskorrespondentin Antonia Rados zu. Leidenschaftlich prangert sie - oft unter Gefahr ihres eigenen Lebens - in Kriegs- und Krisengebieten Missstände an. Heute beschäftigt sie ausnahmsweise mal ein deutsches Thema, nämlich das Krisengebiet Chefetage. Als sie ihren Job anfing, war sie einer dieser Quotenfrauen beim ORF. Das hat ihr den Einstieg in den Beruf erleichtert. „Frauen haben es in diesem Beruf immer noch ungemein schwerer als Männer“, sagt sie, „denn wir müssen nicht nur durch Leistung überzeugen, sondern uns immer wieder gegen Vorurteile durchsetzen.“ Für sie hat die Frauenquote auch noch einen weiteren Sinn. „Frauen haben viel weniger Netzwerke als Männer. Dadurch, dass es noch viel zu wenige Frauen in Top-Positionen gibt, findet natürlich auch kein weibliches Networking statt. Das ist bei Männern ganz anders. Schon alleine deshalb brauchen wir eine Quote“, fordert sie.

Natürlich wäre es schöner, wenn man diese eigentliche Selbstverständlichkeit nicht mit Gesetzen oder Verordnungen regeln müsste. Weil sich das aber immer noch viel zu wenige Männer vorstellen können, bewegt sich von selber nichts. Das Frauenwahlrecht musste auch per Gesetz gegen starken Widerstand eingeführt werden. Gott sei Dank hat man das gemacht. Heute redet keiner mehr darüber. Vielleicht ist die Initiative 'Pro Quote' der nötige Anstoß, damit Frauen in Führungspositionen bald ebenso selbstverständlich sind.

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