BERUF BERUF

Private Internetnutzung am Arbeitsplatz: Kann eine Kündigung drohen?

Gericht bestätigt: Der Chef darf nachprüfen
Gericht bestätigt: Der Chef darf nachprüfen Kündigung: Privat im Internet während der Arbeit gesurft 00:01:36
00:00 | 00:01:36

Ist Surfen am Arbeitsplatz erlaubt?

Die Versuchung ist wirklich verlockend: An beinahe jedem Arbeitsplatz steht ein PC mit Internetverbindung. Doch ist es auch erlaubt, am Arbeitsplatz privat zu surfen? Hier kommt es natürlich auf Branche und Betrieb an, aber das Landesarbeitgericht Berlin-Brandenburg hat entschieden, dass Arbeitgeber die Internetaktivitäten ihrer Mitarbeiter auch ohne deren Zustimmung kontrollieren dürfen.

Es bestätigte die Kündigung eines Mannes - der trotz eines Verbots privat im Internet gesurft hatte - an fünf Tagen eines Monats. Sein Arbeitgeber überführte ihn, indem er den Browserverlauf des Dienstrechners überprüfte.

Der Zugriff auf die Browserdaten ist erlaubt - auch ohne Einwilligung des Arbeitnehmers. Wenn der Arbeitgeber keine Möglichkeit hat, mit anderen Mitteln die unerlaubte Internetnutzung nachzuweisen.

Ohnehin sollten sich Arbeitnehmer vor dem privaten Click schlau machen. "Sie sollten gucken, was steht im Arbeitsvertrag, was ist die Betriebsvereinbarung. Und wenn da drin steht, man darf nicht surfen, wäre ich äußerst vorsichtig", rät Rechtsanwalt Andreas Kolb.

Zudem sei die Vermischung privater und dienstlicher Zeit nicht nur beim Surfen im Netz ein Problem: "Der Arbeitnehmer wird bezahlt, dass er arbeitet während der Arbeitszeit. Wenn er jetzt Privatsachen macht, dazu zählt surfen, telefonieren ... Handy alles Mögliche. Das geht nicht."

In bestimmten Branchen ist das private Surfen allerdings sogar ausdrücklich erwünscht. Der Chef einer Kommunikations-Agentur fordert von seinen Mitarbeitern die Recherche in sozialen Netzwerken, um stets zu wissen, welche Themen gerade für Zündstoff sorgen.

In vielen Firmen wird es jedoch nicht gerne gesehen, wenn die Mitarbeiter privat online shoppen oder mit ihren Freunden chatten. Vorsicht ist für alle Mitarbeiter geboten, wo in der Betriebsvereinbarung ausdrücklich steht, dass privates Surfen, Mailen oder Telefonieren verboten ist. Dann sollte man die Mittagspause für private Gespräche nutzen und auch nur vom privaten Smartphone aus, sonst droht eine Abmahnung oder Kündigung.

Anzeige