Pretty Woman: Was macht den Film zur schönsten Liebeskomödie?

Julia Roberts und Richard Gere
Pretty Woman feiert 25-jähriges Jubiläum © picture-alliance / Mary Evans Pi

'Pretty Woman' sollte ganz anderes Ende haben

Ganz zart berühren sich ihre Lippe - hach es ist fast wie früher, als Julia Roberts und Richard Gere sich beim Wiedersehen in die Arme fallen. Sie feiern das Jubiläum vom Kultfilm 'Pretty Woman'. Unfassbar, dass dieser Film schon ein Vierteljahrhundert alt ist! Und trotzdem bis heute Millionen Zuschauer fasziniert. Aber warum zieht uns dieser besondere Streifen eigentlich so in den Bann?

Von Dagmar Baumgarten

'Pretty Woman‘ hat bei einem Budget von 14 Millionen Dollar mittlerweile fast 1 Milliarde!! Dollar eingespielt. Außerdem zahlreiche und wichtige Preise eingeheimst. Nicht nur wir kitschverliebte Romantikerinnen lieben diesen Film - auch die Kritiker sind voll des Lobes!

Kaum zu glauben, aber fast wäre die Komödie als Kellerkind gescheitert. Doch manchmal bekommt eine kleine Entscheidung zur richtigen Zeit historische Wirkung.

Bei 'Pretty Woman' war das die Eingebung des Produzenten, das Ende des Films, das ganz anders geplant war, komplett zu ändern. Wäre 'Pretty Woman' wirklich so gezeigt worden, wie er geplant war, würde er heute wahrscheinlich auf irgendwelchen Spartensendern als besseres Testbild versendet.

Ursprünglich hatte man nämlich gar nicht im Sinn ein modernes Märchen zu erschaffen. Geplant war eigentlich ein sozialkritisches Werk. Schon der Titel lautete anfangs ganz nüchtern ‘3.000‘ In Anspielung auf die 3.000 Dollar, die die Prostituierte Vivian (Julia Roberts) für die Woche bei Edward Lewis (Richard Gere) als Gage für die besondere Dienste erhalten hat. Am Schluss sollte Vivian dann auch schnöde in ihr tristes Leben zurückgeschickt werden.

Message: Wenn Du ganz unten bist, wirst Du selbst im allergrößten Glücksfall genau da wieder landen. Das ist natürlich nicht der Stoff aus dem die Träume sind. Aber genau das wollen wir manchmal. Einfach mal abschalten, und die Seele zwischen Illusion und Hoffnung baumeln lassen.

Und Disney spürte, dass 'Pretty Woman' Potential für mehr hat, und welche, zugegebenermaßen kitschige, Kraft in dem Film steckt. Und änderte das tragische Schluss-Szenario in ein Happy End. Statt einer verkaterten Vivian, die sich mit abgeblättertem Nagellack dem nächsten Freier zuwendet, schmachten wir mit ihr einem Richard Gere entgegen, der sich trotz Höhenangst eine Feuerleiter hochzittert, und so die Prostituierte zu einer Prinzessin macht.

Klingt banal - aber es gibt keine Erfolgs-Story ohne Heldenreise. Das war schon bei Aschenputtel so, und hat sich auch bei Titanic, Herr der Ringe oder Avatar nicht verändert, um sich mal so bei den größten Blockbustern umzugucken. Wir fiebern mit Menschen, die sich bewähren müssen, und die härtesten Prüfungen überstehen im Kampf für das Gute und/oder für die Liebe.

Kombination von Kultfilm und Kassenschlager

Aber das ist nicht alles. Klar ist 'Pretty Woman' eine moderne Form von, wie Vivianas Freundin und Kollegin Kit de Luca es nennt, "Cinder-fucking-rella". Dass alleine reicht aber nicht für den Unterschied zwischen ‚na ja irgend so 'ne Liebes-Schmonzette halt‘ und modernes Märchen mit Millionen-Erfolg!

Dieser Film ist durchdacht bis in die kleinsten Details. Jede Musikauswahl, jeder Bildausschnitt hat eine Bedeutung. Auch wenn man glaubt, dass man das als Laie doch alles gar nicht erkennt oder kapiert - unbewusst nehmen wir viel mehr wahr, als wir bewusst ahnen.

Und ganz wichtig sind natürlich die Schauspieler. Mit den falschen Leuten wäre das Kultpotential womöglich in einer klebrig kitschigen Soße steckengeblieben. Eigentlich waren weder Richard Gere noch Julia Roberts die erste Wahl bei der Rollenbesetzung. Trotzdem clever nachbesetzt. Denn mit ihrer Ausstrahlung, und genau dem richtigen Augenzwinkern sorgen die Beiden dafür, dass der ganze Film einen Wahnsinns-Charme hat und gute Laune auslöst.

Nach so einer Kombination von Kultfilm und Kassenschlager lechzt natürlich die ganze Welt. Und natürlich versuchen alle diesen Erfolg zu wiederholen. Zum Beispiel mit 'Pretty Woman 2'. Gerade zum Jubiläum baggern dafür alle möglichen Produzenten an Richard Gere und Julia Roberts rum. Aber beide lehnen das ab. Die Chancen auf ein Remake seien, so Roberts, "so groß wie die Wahrscheinlichkeit, dass ich hier und jetzt ein Kind gebäre". Sie könne es sich einfach nicht mehr vorstellen, "noch einmal in diesen Nuttenstiefel durch die Gegend zu laufen".

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