Powerfrauen: Gut genug ist auch perfekt!

Gut, besser, perfekt
Frauen wollen immer alles geben © dpa, Jan Woitas

63 Prozent der Frauen fühlen sich stark gestresst

Gut, besser, perfekt: Was uns Promi-Frauen wie Michelle Hunziker oder Heidi Klum vormachen, scheinen wir auch für unser Leben ganz selbstverständlich und richtig zu halten – nämlich immer auf perfekt zu sein, als Frau, Mutter, im Job oder auch im Bett. Aber mal ehrlich – muss das sein?

Von: Merle Wuttke

Heidi Klum stand gerade mal drei Monate nach fast jeder Geburt ihrer Kinder und wieder topfit, supersexy und diszipliniert auf dem Laufsteg – von Schwabbelbauch und Stillbrüsten nichts zu sehen. Die perfekte Jungmutter eben. Michelle Hunziker, frisch verheiratete Moderatorin, arbeitet nicht nur am Tag vor und nach der Trauung, sondern auch noch währenddessen – ganz pflichtbewusste Powerlady. Und als stinknormale Durchschnittsfrau steht man mit offenem Mund bewundernd davor und denkt: „Wow, coole Frau!“

Fragt sich allerdings, ob das tatsächlich Ideale sind, denen man so völlig unkritisch nacheifern sollte. Denn schon heute stehen Frauen in Deutschland täglich unter Druck. In einer Forsa-Umfrage gaben 63 Prozent der Frauen an, dass sie sich stark gestresst fühlen. Und 48 Prozent meinten, das läge vor allem an den hohen Ansprüchen, die sie an sich selbst stellen würden. Da muss dann nämlich noch trotz Vollzeitjob und Kinderbetreuung abends das selbst gekochte Essen auf dem Tisch stehen oder die Wohnung aufgeräumt sein.

Frauen müssen auch mal 'Nein' sagen

Und trotz durchwachter Nächte, weil das Kind schlecht geschlafen hat oder man selbst Gedanken gewälzt hat, zwingt man sich am nächsten Tag gut gelaunt und blendend aussehend ins Büro zu fahren. „Ich schaff’ das nicht“ oder gar „Ich will das nicht“ – diese Sätze würden die meisten von uns nur im Notfall äußern. Kein Mann dagegen würde jemals darüber nachdenken, ob es schlimm ist, wenn das Hemd zu eng sitzt, der Wäschekorb eine Woche im Wohnzimmer steht oder ob er dem Kind, das das Schulbrot vergessen hat, das Essen hinterherbringen soll. Wir Frauen aber, wir müssen immer alles richtig machen. Das macht uns gereizt, schlecht gelaunt und – krank.

Essstörungen haben dramatisch zugenommen und es sterben mehr Frauen an einem Herzinfarkt als Männer. Bleibt am Ende also die Frage: Warum? Warum tun wir uns das an? Warum meinen wir uns aufopfern zu müssen? Oder alles besser zu können?! Denn auch das steckt hinter unserem Perfektionswahn – unser Drang, die Kontrolle zu behalten. Nicht los lassen zu können. Vielleicht, weil wir Angst haben zu zeigen, dass auch wir Schwächen haben, dass wir eben nicht immer Lust haben freundlich und zugewandt zu sein, sondern auch einfach mal in Ruhe gelassen werden möchten.

So haben wir es ja schließlich schon als Mädchen gelernt: Sei höflich, nett und aufmerksam, dann bist du ein guter Mensch. Schluss damit. Um zufriedener und gelassener durchs Leben gehen zu können, müssen wir ab jetzt lernen „Nein“ zu sagen. Auch zu uns selbst. Denn gut genug ist auch perfekt.

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