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Postpartale Depression bei Männern: Etwa fünf Prozent der jungen Väter haben Babyblues

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Babyblues bei jungen Vätern: Etwa fünf Prozent leiden an einer postpartalen Depression
Nicht nur Frauen leiden unter der Wochenbettdepression: Etwa fünf Prozent der jungen Väter weisen ähnliche Symptome auf.

Wochenbettdepression: Das Baby ist da, aber nicht unbedingt das Glück

Selbst wenn es das absolute Wunschkind ist, das da plötzlich die Paarbeziehung durcheinanderwirbelt – nicht immer zieht mit dem Baby das große Glück in die Familie ein. Etwa 10 bis 15 Prozent der Mütter (die Zahlen schwanken je nach Quelle) werden über einen längeren Zeitraum traurig, gereizt, unruhig. Sie entwickeln Ängste bis hin zu Panikattacken, sind permanent erschöpft, verlieren ihren Lebenswillen und sehen ihr Kind mit ambivalenten Gefühlen. Aus dem relativ kurzen Babyblues kann eine postpartale Krise werden. Und die kann auch die Väter treffen. Nur sprechen über deren seelische Probleme wenige.

Von Ursula Willimsky

Unrealistische Glückserwartungen setzen Mamas oft unter Druck

Von jungen Müttern weiß man, dass unrealistische Glückserwartungen sie unter Druck setzen können, sagt Iris Jacob, Sozialpädagogin an der staatlich anerkannten Schwangerenberatung am Landratsamt in Bamberg. „Dabei ist es wichtig, auch negative Gefühle gegenüber dem Kind zuzulassen – ab und zu braucht man einfach seine Ruhe. Das ist völlig okay“. Sie rät Frauen, die in eine Krise rutschen, sich offen und zeitnah Hilfe zu holen. „Erste Ansprechpartnerinnen sind die Hebammen, aber auch Ärzte, die für postpartale Krisen ein offenes Ohr haben und nichts bagatellisieren sollten, sowie sozialpsychiatrische Dienste und eben Schwangerenberatungsstellen.“

An diese können sich junge Mamas wenden, wenn sie an sich erste Symptome einer möglichen Depression bemerken: Häufiges Weinen zum Beispiel, Unruhe und Schlaflosigkeit (trotz erhöhtem Schlafbedarfs), zwanghafte Gedanken, verändertes Essverhalten, Kopfschmerzen, Schwindel, Herzbeschwerden, Erschöpfung, Energielosigkeit bis hin zum Verlust des Lebenswillens. 

Postnatale Depression bei Vätern: Wenn alles zu viel wird
Postnatale Depression bei Vätern: Wenn alles zu viel wird Erschöpfung, Konzentrationsschwäche und Müdigkeit 00:01:33
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Fünf Prozent der Väter entwickeln postportale Syndrome

All diese Symptome können auch junge Väter treffen. Einer britischen Umfrage zufolge sorgen sich zwei von fünf frisch gebackenen Vätern um ihre mentale Gesundheit, eine deutsche Studie spricht von fünf Prozent der Väter, die postpartale Symptome entwickeln. Meist treten bei ihnen die Symptome drei bis sechs Monate nach der Geburt auf – in manchen Fällen in dem Moment, in dem es ihrer Partnerin wieder besser geht. Generell können postpartale Depressionen wenige Wochen bis zu 18 Monate nach der Geburt auftreten.

Weshalb frischgebackene Väter eine Depression entwickeln, ist noch nicht völlig erforscht. Nach Angaben des britischen Elternverbandes 'Parenting charity NCT' gibt es zwei Faktoren, die das Risiko einer postpartalen Depression bei Vätern besonders stark erhöhen: ein angespanntes Verhältnis zur Partnerin während der Schwangerschaft und eine Depression der Partnerin.

Experten nehmen an, dass der aufwühlende Eindruck der Geburt oder auch die besonderen psychischen und physischen Herausforderungen der neuen Situation eine Rolle spielen. Darauf weist eine Pressemeldung der 'Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)' auf www.psychiater-im-netz.de, hin.

Gestiegene Verantwortung - kann das der Grund für die postportale Depression bei Männern sein?

„Ein gestiegenes Verantwortungsgefühl, hohe Erwartungen an sich selbst, Eifersuchtsgefühle, aber auch ein Schlafdefizit und körperliche Erschöpfung können Stressoren sein, die eine Erkrankung auslösen. Wie ein Verlustereignis oder ernste finanzielle Probleme kann auch eine eigentlich erwünschte Veränderung des Lebens seelisch sehr erschüttern und eine depressive Episode auslösen“, wird Professor Anette Kersting zitiert. Sie ist Direktorin an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig.

In einer Lebensphase, in der der partnerschaftliche Austausch oft ins Hintertreffen gerät, neigen manche Männer dazu, ihre Depressionen zu verstecken: Sie arbeiten besonders viel oder flüchten sich in Hobbys, haben Experten beobachtet. Nur wenige suchen sich Hilfe, indem sie sich zum Beispiel an ihren Hausarzt wenden. Oder indem sie mit ihrer Partnerin offen darüber reden, was sie beschäftigt und sich so gegenseitig ein Stück weit darin unterstützen, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. „Halten die depressiven Verstimmungen jedoch an, sollten sich betroffene Väter nicht scheuen, zeitnah psychiatrisch-psychotherapeutische Unterstützung zu suchen“, rät Kersting, denn „eine frühzeitige Behandlung verbessert nicht nur die Therapieaussichten sondern verringert gleichzeitig das Risiko für Beeinträchtigungen der kindlichen Entwicklung.“

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