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Postnatale Depression: "Fühlt euch niemals schuldig!"

Postnatale Depressionen
Postnatale Depressionen nach der Geburt: Jede zehnte Mutter leidet. © iStockphoto

Allzeit glückliche Mama – ein falsches Idealbild

Zwei Monate nach der Geburt ihres Sohnes beschloss Florence zu sterben. In einem Post wendet sich ihr Witwer Kim an all die Mütter da draußen, die vielleicht ebenfalls unter Wochenbett-Depressionen leiden: "Bitte sucht euch Hilfe. Sprecht über eure Gefühle - denn ihr seid nicht allein. Und: Ihr seid keine schlechten Mütter. Fühlt euch niemals schlecht oder schuldig."

Postnatale Depressionen kommen schleichend

Von Ursula Willimsky

Jede zehnte Mutter leidet unter Wochenbett-Depressionen. Manche Quellen sprechen sogar von jeder fünften. Die Symptome kommen schleichend, meist sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt. Während der Babyblues fast jede zweite junge Mama in den ersten Tagen nach der Niederkunft heimsucht, durchleben Frauen mit postnataler Depression lange Phasen von Traurigkeit und Niedergeschlagenheit bis hin zur Verzweiflung. Im Extremfall entwickeln sie eine Psychose. Sie leiden unter innerer Unruhe und Antriebslosigkeit oder werden von Schuldgefühlen geplagt. Manchen fällt es schwer, ihr Baby zu lieben.

Diese Mütter fühlen sich anders und sie fühlen etwas Anderes als das, was das Idealbild einer jungen Mutter "vorschreibt". Angeblich liebt jede Mama ihr Baby. In jedem Augenblick, von der ersten Minute an. Angeblich beginnt gleich hinter der Kreißsaal-Tür eine vollends wunderbare Zeit: jede Sekunde ein Rausch der Glückshormone. Und angeblich kann man eine nahezu perfekte Mutter sein.

Das echte Leben sieht meistens anders aus. "Ich fühlte mich wie ein Zombie und hatte keinen Zugang mehr zu meinem Herzen und meinen Gefühlen". So schildert zum Beispiel Schauspielerin Gwyneth Paltrow die erste Zeit mit ihrem zweiten Kind. Ihr Weg heraus aus postnataler Depression begann damit, dass sie mit ihrem Ehemann über ihren Gemütszustand sprach. Ihm erzählte sie, dass sie Angst hatte, "eine fürchterliche Mutter zu sein. Und ein ganz schrecklicher Mensch".

Postnatale Depression
Postnatale Depression Ursachen und Symptome 00:02:04
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Scham und Schuldgefühle einer Mutter

Die erste Wochen und Monate nach der Geburt können junge Mütter an die Grenze ihrer Belastungsfähigkeit bringen. Und das ist nichts, wofür sie sich zu schämen bräuchten. Dennoch leiden und schweigen viele Mamas, denen das Baby nicht das erhoffte Glück sondern dunkle Stunden brachte. Nur jede dritte Frau mit postnatalen Depressionen sucht sich professionelle Hilfe, hat eine Studie der Universität of Toronto festgestellt. Ein möglicher Grund für ihr Schweigen: Scham und Schuldgefühle.

Experten haben beobachtet, dass die Kindbett-Depression häufig Frauen trifft, die alles richtig machen wollen. Kim, der Witwer von Florence, ist zum Beispiel davon überzeugt, dass seine Frau daran zerbrach, ihr Baby nicht - so wie es angeblich "richtig" ist - stillen zu können. Betroffen können aber auch Frauen sein, die sehr ängstlich sind. Möglicherweise spielen auch belastende Momente aus der eigenen Biographie eine Rolle oder andere Faktoren wie die Umstände der Geburt und das familiäre Umfeld. Oder die Depression schleicht sich unerwartet ein. Doch gleichgültig, ob man die Ursache benennen kann oder nicht: Es gibt keinen Grund, sich nicht helfen zu lassen. 

Eine Frau, die an Depressionen leidet, hat es einmal so formuliert: "Wer sich das Bein bricht, lässt sich ins Krankenhaus bringen. Wenn bei mir die Depression wieder schlimm wird, gehe ich zum Arzt. Ist Dasselbe, nur anders." In Deutschland gibt es viele Möglichkeiten und Institutionen, die junge Mütter in der seelischen Krise unterstützen können.

Partner und Familie können zuhören und entlasten - oder selbst aktiv werden, wenn sie bemerken, dass die junge Mutter depressive Züge entwickelt. Sie selbst kann sich an ihre Ärztin wenden, und mit ihr klären, ob zum Beispiel eine Psychotherapie oder sogar eine stationäre Behandlung sinnvoll wäre. Hilfe bieten auch Familienberatungsstellen oder Schwangerenberatungsstellen, viele von ihnen sind nicht nur für die Zeit während der Schwangerschaft zuständig sondern auch für die ersten drei Lebensjahre des Kindes.

Im Netz sehr aktiv ist der Verein 'Schatten und Licht', auf dessen Seite man Telefonnummern von Experten und Selbsthilfegruppen findet. Dort findet sich auch eine Version des Edinburgh-Postnatal-Depression-Scale, eines Fragebogens, den britische Ärzte jungen Müttern standardmäßig aushändigen. So hoffen sie, psychische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Vielleicht könnte das der erste Schritt sein?

Allen, die fühlen, dass ihr großer schwarzer Hund immer mächtiger wird, möchten wir Kims Aufruf ins Gedächtnis rufen: "Bitte sucht euch Hilfe. Sprecht über eure Gefühle - denn ihr seid nicht allein. Und: Ihr seid keine schlechten Mütter. Fühlt euch niemals schlecht oder schuldig."

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