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Postnatale Depression bei Männern: Ein Vater erzählt von seinen Gefühlen

Postnatale Depression bei Vätern: Wenn alles zu viel wird
Postnatale Depression bei Vätern: Wenn alles zu viel wird Erschöpfung, Konzentrationsschwäche und Müdigkeit 00:01:33
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Nicht nur Frauen können an postnataler Depression erkranken

Die Geburt ist gut verlaufen, das Baby ist endlich da, alle sind gesund – und doch ist es nicht so wie erwartet. Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwäche. Dazu die Vorwürfe an sich selbst, dass man keine ausreichenden Gefühle für sein Kind entwickeln kann. Rund 15 Prozent der Frauen, die ein Kind zur Welt gebracht haben, erleiden eine postnatale Depression (auch postpartale Depression genannt). Doch nicht nur Mütter sind betroffen, auch Väter können depressiv werden – so wie Wilfred Zee.

Überforderung, Müdigkeit und Konzentrationschwäche

Schon nachdem seine Frau ihren ersten Sohn Nathan zur Welt gebracht hatte, fühlte sich Wilfred Zee erschöpft und müde. Doch nach dem zweiten Kind wurden diese Gefühle unerträglich. Im Büro konnte sich der 31-jährige Australier kaum noch konzentrieren, ständig sorgte er sich um seine Frau, die zuhause mit den Kindern alleine war.

"Ich habe ständig alles vergessen, konnte nachts nur noch drei oder vier Stunden schlafen", so der junge Vater zur australischen 'Dail Mail'. "Ich begann mit einer Sache, zum Beispiel damit, die Waschmaschine einzuladen, dann ging ich weg und hatte vergessen, was ich eigentlich machen wollte."

Väter leiden oft unter dem neuen Erwartungsdruck

Wilfred Zee fühlte sich überfordert und müde, wusste, dass etwas nicht stimmte. Konkret benennen konnte er es jedoch nicht. Bis er in einer seiner vielen schlaflosen Nächte auf eine Internetseite stieß, die genau seine Symptome beschrieb. Nach einem Besuch beim Arzt war alles klar: Wilfred Zee litt an postnataler Depression – und das als Mann. Doch das Phänomen ist längst nicht mehr unbekannt. Studien zeigen, dass das Risiko einer Erkrankung drei bis sechs Monate nach der Geburt am größten ist.

Eine eindeutige Begründung für die Entstehung einer postnatalen Depression gibt es sowohl bei Frauen als auch bei Männern nicht. Während Mütter oft unter den starken hormonellen Veränderungen nach der Geburt leiden, macht Vätern meist der neue Erwartungsdruck zu schaffen. Sie möchten bestmöglich für ihre kleine Familie da sein, tragen als vorübergehender Alleinverdiener aber gleichzeitig eine hohe finanzielle Verantwortung. Hinzu kommt die Erschöpfung durch mangelnden Schlaf und die neue Sicht auf die eigene Partnerin. Auch mit der anfangs sehr engen Mutter-Kind-Bindung kommen viele Väter nicht direkt klar und fühlen sich ausgeschlossen.

Was hilft bei postnataler Depression?

Der erste Schritt ist eine Aussprache mit der Partnerin, Familie oder Freunden. Oft hilft bereits das Reden über die Problematik. Vergehen die negativen Gefühle nicht von selbst, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Wilfred Zee suchte einen Therapeuten auf – und es hat sich gelohnt. Bereits sechs Monate später ging es ihm deutlich besser. "Ich habe verstanden, dass ich nicht für meine Familie sorgen kann, wenn ich mich nicht um mich kümmere."

Mit seinen offenen Worten möchte der junge Vater nun anderen Betroffene Mut machen: "Lehnen Sie ihre Gefühle nicht ab. Sprechen Sie mit ihrer Familie und Freunden oder durchsuchen Sie das Internet. Männer sollten keine Angst haben, über Depressionen zu sprechen."

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