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Postkoitale Dysphorie: Nach dem Orgasmus kommt die Sex-Depression

Postkoitale Dysphorie: Eine Frau sitzt weinend auf dem Bett
Frauen, die postkoitale Dysphorie erleben, wissen oft nicht, was der Auslöser für die Traurigkeit ist

Nach dem Sex kommen Tränen - Postkoitale Dysphorie

Man sagt, dass Sex die schönste Nebensache der Welt sei. Sex halte jung, Sex verbinde, Sex wirkte stressreduzierend. Aber manche Menschen empfinden nach dem Sex kein Hochgefühl, sondern eine tiefe Traurigkeit: Sie leiden an Postkoitaler Dysphorie.

Postkoitale Dysphorie heißt frei übersetzt 'Verstimmung nach dem Sex‘. Doch meist trifft sie Betroffene mit einer Wucht, die dem Wort Verstimmung nicht gerecht wird. Das Phänomen ist bisher spärlich erforscht, aber eine neue Studie von Forschern aus der Schweiz und Australien hat jetzt versucht, der Sex-Depression weiter auf den Grund zu gehen.

Sie befragten 195 Studentinnen im Durchschnittsalter von 26 Jahren, die regelmäßig Sex einem Partner anderen Geschlechts haben. Die Frauen sollten ihre Gefühle nach dem Sex erläutern.

Mit 46 Prozent hat knapp die Hälfte der Frauen schon mindestens einmal in ihrem Leben eine postkoitale Dysphorie erlebt. Sie schilderten eine tiefe Traurigkeit nach dem Akt mit einem Geschlechtspartner. Manche gaben an, sogar geweint zu haben und dass die Verstimmung noch Stunden nach dem Orgasmus angehalten habe. Keine der Frauen konnte sich die negativen Gefühle erklären, sie seien einfach plötzlich da gewesen.

Fünf Prozent der befragten Frauen gaben zudem an, sie hätten sich innerhalb der letzten vier Wochen nach dem Sex traurig gefühlt und zwei Prozent fühlen sich dauerhaft nach dem Sex depressiv.

Die Gründe oder Auslöser für eine Postkoitale Dysphorie sind auch den Forschern noch ein Rätsel. Innerhalb der Studie gab es keine klare Tendenz für die Gründe, warum Frauen emotionale Tiefen nach dem Koitus erleben. Auch die Angabe vereinzelter Frauen, Fälle von Missbrauch erlebt zu haben, ist keine aussagekräftige Erklärung für das Phänomen, da auch Frauen ohne Missbrauchs-Erfahrung von der Sex-Depression berichteten.

Was kann man tun?

Wissenschaftler gehen davon aus, dass Erlebnisse von Missbrauch und andere schockierende Erlebnisse eine Rolle spielen. Besonders Frauen, die sich psychisch stark an den Partner binden, falle es schwer, nach dem Sex loszulassen. Diese Frauen empfinden dann so etwas wie Trennungsschmerz, der sich in Traurigkeit und Ängsten äußert. Schließlich kommt man einem Menschen niemals so nahe wie beim Sex.

Die Tatsache, dass sich zwei Körper beim Geschlechtsverkehr miteinander verbinden, und in diesem Moment verschmelzen, kann auch eine Rolle für die Traurigkeit danach spielen. Wenn sich die Körper wieder trennen, man vielleicht ins Badezimmer geht oder sich schnell voneinander löst, kann der Trennungseffekt verstärkt eintreten. Doch wie soll man sich in solchen Situationen als Partner verhalten?

Betroffene Frauen berichten darüber, dass vor allem die Fürsorge des Sexpartners Einfluss auf die Intensität und Dauer der postkoitalen Dysphorie haben kann. Verständnis ist sehr wichtig, auch wenn es sehr schwer fällt. Die Frauen wissen in den wenigsten Fällen, was gerade der Auslöser für die extreme Emotionalität ist, darüber sprechen ist also nur bedingt möglich. Viel wichtiger ist weiterhin Nähe zu erzeugen, nach dem Sex noch ein paar Minuten miteinander und ineinander zu verweilen und natürlich viel Zärtlichkeit und Trost.

Der Partner sollte sich auch keine Vorwürfe machen, er könne an der Trauer schuld sein. Sollte die starke Traurigkeit jedoch häufiger auftreten und sogar auf den Alltag übergreifen, sollten sich Betroffene Hilfe von einem Arzt holen. Es gibt viele Wege aus der Depression.

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