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Post Bridal Blues: Nach der Hochzeit kommt die Depression

Gibt es kein gemeinsames Projekt mehr, kann der Alltag für manche Paare zur Zerreißprobe werden.
Gibt es kein gemeinsames Projekt mehr, kann der Alltag für manche Paare zur Zerreißprobe werden. © Fotolia

Jede 10. Braut hat den 'Post Bridal Blues'

Angelina Jolie und Brad Pitt sind ganz arme Schweine. Klar, noch lächeln und strahlen sie, dass man dahinschmelzen könnte. Aber tief in ihrem Innersten schlummert eine Riesen-Krise. Gehören Sie auch zu denen, die jetzt denken: "Was? Aber die heiraten doch endlich! Das wird doch die absolute Märchenhochzeit". Stimmt, und genau in diesem Glück lauert das Grauen, sagen Psychologen. Denn je traumhafter die Trauung, umso tiefer ist das Loch, in das man danach stürzt. Warum ist das so - und kann man den 'Post Bridal Blues' verhindern?

Von Dagmar Baumgarten

Endlich gibt es mal wieder eine neue Depression. Für alle Paare, die nicht bis nach der Geburt auf die Postnatale Depression warten wollen, gibt es jetzt schon den Post Bridal Blues. Der hat aber nichts mit Hormonen zu tun, sondern mit dem Streben nach Perfektion.

Mittlerweile soll schon jede zehnte Braut heftig darunter leiden. Als Gast hat man es echt gut. Wir können die schönen perfekten Hochzeiten in vollen Zügen genießen. Mit dem heulenden Elend danach haben wir ja nichts zu tun.

Je glücklicher das Paar ist, umso dringender muss man ihnen den Rat geben: "Bitte versorgt euch ausreichend mit Taschentüchern. Nicht wegen der Rührung. Rotz und Wasser werden danach fließen. Und zwar vor Enttäuschung. Je schöner man sich alles ausgemalt hatte, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Realität die Erwartungen nicht erfüllt hat.

Was tun gegen den Post Bridal Blues?

Wer sich alleine sechs Monate am Stück nur drei Stunden Schlaf die Nacht gönnt, weil die restliche Zeit gebraucht wird, um sich die Anordnung der Blumen- Bouquets zu überlegen, schafft sich seelische Sollbruchstellen. Denn plötzlich ist Tante Hilde ausgerechnet gegen die Primeln allergisch, die man aus Übersee einfliegen ließ. In Kühlboxen, in denen sonst nur Spenderherzen transportiert werden. Die nächste Katastrophe lauert am Nebentisch. Da haben sich doch tatsächlich einfach zwei Gäste umgesetzt. Sind die wahnsinnig? Die Sitzordnung hatte sich das perfekte Brautpaar doch schon jahrelang vorher überlegt! Und nochmal von neun unterschiedlichen Unternehmens-Krisen und Knigge-Beratern gegenchecken lassen. Wenn jetzt noch Schwipp Schwager Heinz die vom Regierungssprecher mitgeplante Tagesordnung sprengt, indem er spontan Sektgeschwängerte Reden auf das Brautpaar halten will mit Schwerpunkt auf deren peinlichsten Patzer, ist die Planung des perfekten Tages dahin. Und je höher die Erwartungen und der Aufwand vorher waren, umso enttäuschter ist das Aufwachen danach.

Dann lauert die nächste Gefahr. Wenn nach dem Projekt Märchenhochzeit das Projekt Traummann in Angriff genommen wird. Wer sich allerdings den perfekten Prinzen basteln will, der sich nach der Hochzeit nur noch um Arbeit, Hochzeit und Kinder kümmern soll, obwohl man ihn vorher alle Freiheiten ließ stolpert mit Garantie vom Post Hochzeitsblues direkt in eine heftige Ehe-Krise.

Also was tun gegen den Post Bridal Blues? Werden Sie zum Alptraum aller überdrehten Wedding Planner! Verlieren Sie sich nicht in Details, sondern überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Partner, was Ihnen wirklich wichtig ist. Verteilen Sie die Vorbereitungen auf mehreren Schultern. Wer alles alleine plant, organisiert und dirigiert, kann nicht gleichzeitig glücklich genießen. Aber vor allem: Planen Sie dringend die Unperfektion mit ein! Sie müssen sich nicht um alles kümmern, damit es für die Gäste ein möglichst perfekter Tag wird. Gönnen Sie sich etwas Gelassenheit, dann durchflutet Sie das Glück von selbst! Auch noch am Tag danach!

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