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Positiver Neid: Wie man vom Neidischsein profitiert

Frau guckt neidisch zur Seite
Warum ist das, was andere haben, viel interessanter für uns?

Neidisch auf andere - Deshalb sollten wir glücklich sein mit dem, was wir haben

Die verheiratete Mutter beneidet die Singlemutter, die wiederum findet das Eheleben der anderen viel toller als ihr Alleinsein mit Kind. Für die britische 'Daily Mail' schreiben zwei Mütter darüber, warum sie die jeweils andere beneiden. Sie haben sogar ein Buch zu dem Thema verfasst, das 'You’re so mummy' heißt und im Februar erscheint. Man fragt sich: Warum eigentlich wollen so viele Menschen immer unbedingt das, was sie nicht haben?

Von Christiane Mitatselis

Dass eine Single-Mutter nicht zufrieden ist, leuchtet weitgehend ein – sie muss schließlich alles allein meistern und hastet von Termin zu Termin. Liest man jedoch die Ausführungen von Alex, der verheirateten Mutter zweier kleiner Kinder, so fasst man sich an den Kopf. Beneidenswert am Leben der Single-Mutter findet sie es unter anderem, dass sie ihre Kinder an manchen Tagen beim Vater abliefern kann und somit Abende ganz für sich allein hat. Komisches Gejammer.

Freie Abende für die Mutter dürften sich wohl auch in einer Ehe arrangieren lassen, wenn sie so wichtig sind. Warum sagt sie nicht: Ich habe einen Mann und zwei Kinder, weil ich es so gewollt habe und bin glücklich damit. Oder steckt etwas anderes dahinter? Ist der Gatte etwa ein Tyrann? Will sie vielleicht in Wahrheit nicht länger mit ihm zusammenleben, traut sich aber nicht, das auszusprechen? Dann hätte sie einen Grund, die Single-Mutter zu beneiden. Denn sie hat die Trennung oder Scheidung schon hinter sich.

Man muss Positives aus dem Neid ziehen

Meiner Ansicht gibt es schlechten und guten Neid. Negativ ist er, wenn Menschen die Fähigkeit fehlt, zufrieden zu sein. Das Leben und der Besitz der anderen erscheinen ihnen grundsätzlich besser: Das Auto des Nachbarn, das schneller ist als meins; die Wohnung der Freundin, die größer ist als meine. Genauso wie ihr Gehalt, ihr Mann, der besser aussieht als meiner – und so weiter… Wer so lebt und nie in sich geht, hetzt von einer Unzufriedenheit zur nächsten, bis er irgendwann reif für die Psychologen-Couch ist.

Positiver Neid hingegen ist konstruktiv, da er als Ansporn dient – zum Beispiel so: Eine Freundin spricht eine Fremdsprache wahnsinnig gut. Ich beneide sie und beginne, Grammatik und Vokabeln zu lernen, um genauso gut zu werden. Oder: Eine andere Freundin besitzt die Fähigkeit, ruhig zu bleiben, auch wenn sich die Menschen angiften – und so Streitigkeiten zu schlichten.

Das will ich auch können! Ich erkundige mich bei ihr, wie sie das schafft. Oder, zurück zum Fall der Single-Mutter: Eine Freundin war unglücklich mit ihrem Mann. Sie hat sich getraut, ihn zu verlassen und lebt nun glücklicher als vorher. Das will ich auch schaffen!

Ich finde: Zufriedenheit sollte nicht zu Stillstand führen. Wer zufrieden ist, mit dem was er hat, kann sein Leben trotzdem verbessern wollen – und aus Neid auf andere positive Energie ziehen.

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