Polygamie-Sekte: Gemeinde misshandelt Frauen und Kinder

In der Polygamie-Sekte verfügen Männer über mehrere Frauen

Es gibt eine Gemeinde mitten in Amerika, in der eine fundamentalistische Sekte hermetisch abgeriegelt von der Umwelt ihren eigenen grausamen Gesetzen folgt. Falsche Religion erlaubt es ihnen, zahllose Frauen wie Sklaven zu halten. Erwachsene Männer heiraten 14-jährige Mädchen, nur um sie zu missbrauchen und zu misshandeln. Die wenigen Aufnahmen Geflüchteter klingen wie ein Bericht aus der Hölle.

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Polygamie-Sekte misshandelt Frauen und Kinder
Bewohner der Stadt Short Creek sind in der Gewalt der Sekte.

Joe Broadbent war selbst in der fundamentalistischen Sekte gefangen. Bei seiner Flucht im frühen Teenageralter musste er seine Geschwister und seine Mutter zurücklassen. Er ist in Short Creek aufgewachsen - einem Ort an der Grenze zwischen Utah und Arizona, an dem sich die sogenannte FLDS-Sekte angesiedelt hat.

Die Sektenmitglieder glauben an das kommende Ende der Welt und daran, dass sie als einzig auserwähltes Volk überdauern werden. Isoliert vom Rest der Welt leben die Einwohner von eigener Landwirtschaft - alle Einnahmen geben sie an die Kirche ab. Geleitet werden sie vom Hassprediger Warren Jeffs, einem Fundamentalisten, der mittlerweile wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis ist. Jeffs selbst heiratete 60 Frauen und ist außerdem als überzeugter Rassist bekannt, da er Afro-Amerikaner als Werkzeug des Teufels ansieht.

Einer der wenigen Aussteiger berichtet uns, was hinter den Kulissen in Short Creek abläuft: "Die Männer glauben, es sei von Gott bestimmt, wen sie heiraten sollen. Und wenn sie Gott gehorchen, bekommen sie noch eine zweite Frau. Wenn ein Anderer nicht mehr gehorcht, muss er fort. Dessen Frauen werden dann an einen Dritten weitergereicht. Dieser Dritte heiratet dann oft nicht nur die Frauen, sondern auch ihre Töchter."

So eine Zwangsehe drohte auch der Schwester des geflüchteten Joe. "Ich bekam damals einen Anruf von meiner Schwester Hilary. Sie sagte: 'Hol mich hier raus! Papa will mich verheiraten.' Das hat mich verrückt gemacht! Sie war 14", erinnert sich der junge Amerikaner. Joe war damals in ein Heim für Aussteiger geflüchtet.

Zwei andere Jungen, Sam und Bruce, waren damals mit Joe geflohen. Auch sie erinnern sich, was es für sie bedeutete, die Freiheit zu gewinnen, aber die Familie zu verlieren: "Wenn du fortgehst, vernichten sie alle Fotos von Dir und vergessen, dass du da warst. Wir hatten ein großes Familienbild an der Wand. Immer wenn jemand ging, haben sie einfach ein neues gemacht, auf dem du nicht mehr zu sehen bist." Sam erinnert sich an seine Flucht: Er wurde von seinem Vater eingeholt, dieser wollte ein letztes Mal zusammen mit ihm beten.

Polygamie-Gemeinde: Polizei macht mit

Er betete jedoch nicht um eine sichere Reise oder etwa, dass sein Sohn seine Entscheidung überdenkt. Er bat Gott, dass sein eigener Sohn neben ihm auf der Stelle stirbt. "Ich würde ihn trotzdem so gern fragen: Wie geht es dir? Ich bin dein Sohn, ich liebe dich. Du bist doch mein Vater! Aber er fängt immer gleich von Religion an", sagt Sam.

Bruce hat seinen Vater, drei Mütter und 22 Geschwister zurückgelassen. Joe verließ zwei Mütter und dreizehn Brüder und Schwestern. Und das ließ ihm keine Ruhe, er versuchte damals das Unglaubliche: Sie vor dem grausamen Vater zu retten. Zunächst sollte das tatsächlich gelingen - Joes Mutter und seine Geschwister laufen davon, fliehen zu Joe. Doch ab da regiert die Angst. Die Angst der Familie ist schließlich so groß, dass alle Außer Joe zur Sekte zurückkehren.

Im Kampf gegen die Sekte ist Joe nicht alleine: Sam Brower, Privatdetektiv, ermittelt gegen Kindesmissbrauch im Sektenort Short Creek. Während die US-Regierung wegschaut versucht er, jungen Mädchen zur Flucht zu verhelfen. Denn er weiß, wie bedroht sie sind. "Mädchen und Frauen sind hier wie Währung", erklärt der Detektiv. "Viele Töchter zu bekommen ist hier mehr wert als ein Laster voller Gold. Es geht hier überhaupt nicht um Religion, sondern um organisierte Kriminalität. Um einen Pädophilen-Ring, der kleine Mädchen vergewaltigt. Die Gemeinde tut alles, um die Kriminalität zu unterstützen. Und selbst die örtliche Polizei gehört zur FLDS-Sekte. Wenn jemand um Hilfe schreit niemand würde das hören wollen", berichtet der Detektiv.

Joe gibt seine Familie allerdings nicht auf. Er unternimmt noch einen zweiten Versuch, um seine Mutter und Geschwister aus der Sekte zu befreien. In einer Nacht- und Nebelaktion fliehen schließlich Joes Geschwister und Mutter vor der Sekte - der zweite Fluchtversuch gelingt.

Nur ein letzter unerfüllter Traum begleitet sie alle: Dass auch die Väter sich eines Tages endlich von der schrecklichen Sekte abwenden.