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Plus Size bei Größe 40: Mango sorgt für Diskussionsstoff

Plus Size bei Größe 40
Mango vermittelt ein falsches Bild von Plus Size © Picture-Factory - Fotolia, Michaela Rofeld

Was läuft denn da falsch?

Verdammt, ich brauch eine neue Brille! Da hab ich doch glatt gelesen, dass es bei Mango jetzt Übergrößen gibt. Und zwar ab Kleidergröße 40! Nee, auch nach mehrfachem Augenreiben ändert sich die Zahl nicht. Es gibt eine neue Kollektion - extra für 'Plus Size'- Frauen. Und die tragen laut Mango Größe 40. Ist das ein Fall von 'gut gemeint ist schlecht gemacht', oder dreht das Unternehmen jetzt völlig durch?

Von Dagmar Baumgarten

Das spanische Unternehmen möchte neue Märkte eröffnen. Und anscheinend ist alles, was sich außerhalb ihrer bisherigen Size Zero-Größe bewegt, für die Manager ein klarer Fall von Übergewicht. Wie kann es denn zu so einem fatalen Fehlurteil kommen?

Ob sich da in den Entscheider-Etagen nur dürre Heringe und Mager-Models die Klinke in die Hand drücken, dass die so ein verzerrtes Weltbild haben? Und haben denn die PR-Berater nicht nur ihre Hüftpolster, sondern auch noch die entscheidenden Hirnzellen weggehungert, dass sie nicht mehr in der Lage waren, so eine dämliche Kampagne zu verhindern?

Das Schlimme ist ja, dass sie mit einer solchen Aktion nicht nur sich selbst schaden, weil sich ganz viele Kunden aus ihren Läden verdünnisieren. Sondern sie richten damit einen Schaden an, der bei einigen Jugendlichen eventuell das ganze Leben beeinflusst.

Plus Size-Kollektion von Mango kann sich negativ auf jüngere Frauen auswirken

Was bedeutet denn Größe 40? Das ist nicht mal Durchschnittsgröße! Die liegt nämlich bei 42/44. Alleine bei einer Spontan-Umfrage in meinem Umfeld heute Morgen begegneten mir viele schlanke Frauen, die 40 tragen. Ich selber bin gerade mal 1,60 m groß und trage deshalb 36. Müsste mich also, um in Mango-Augen halbwegs normal auszusehen, auf (in meinen Augen Untergröße) 32 runterhungern.

Wenn die Strafe für Mangos verzerrtes Schlankheitsbild wäre, dass die Kunden sich einfach nur aus ihren Läden verdünnisieren würden, wäre das ja noch egal. Leider haben Etiketten mit dem Aufdruck 'Plus Size' aber eine stigmatisierende Wirkung auf viele, insbesondere sehr junge Frauen. Und genau davor warnen Experten. Wie Professor Philipp Hammelstein, leitender Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Klinik in Münster. Er findet die Kampagne von Mango ebenfalls problematisch. "Kleidergröße 40 wird von normalgewichtigen Frauen getragen", sagt er, "Wenn Mango diesen Frauen bereits Kleidung aus einer Übergrößenkollektion anbietet, vermittelt die Firma ihnen das Gefühl, sie seien zu dick", sagt Hammelstein. Denn viele junge Frauen orientieren sich leider an einem von der Mode und Werbung verkörperten Ideal.

In Spanien gab es deshalb schon Unterschriftenaktionen und Online-Petitionen gegen Mango, das den Übergrößen-Quatsch dort schon Anfang des Jahres eingeführt hat. Zigtausende Frauen haben mitgemacht. Und was hat das Unternehmen daraus gelernt? Erschreckenderweise gar nichts! Wollen sie einfach nur durch Provokation Aufmerksamkeit erregen?

Die Stellungnahme zum Vorwurf, eine Durchschnittsgröße zur Übergröße zu deklarieren, ist jedenfalls unverschämt lapidar. Gegenüber 'Blick' sagten Unternehmenssprecher, die Größenpolitik "habe keine negativen Auswirkungen auf die Körperwahrnehmung der Kunden."

Wir hoffen, dass die Größenpolitik doch negative Auswirkungen hat - auf die Bilanz des Unternehmens. Denn die mächtigste Waffe gegen so ein verzerrtes Bild ist immer noch die Reaktion der Kundinnen. Die ihren hart verdienten Lohn einfach nicht mehr diesem Unternehmen zukommen lassen, und künftig woanders einkaufen.

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