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Platonische Liebe: Können Männer und Frauen nicht befreundet sein?

Platonische Liebe
Platonische Liebe © Fotolia Deutschland, Benicce

Platonische Liebe: Warum "Einfach nur Freunde sein" so schwer ist…

Ganz ohne Hintergedanken geht wenig zwischen Männer und Frauen. In irgendeinem Hinterkopf lauert häufig ein Hauch Erotik und wartet auf seine Chance. Das zumindest fand ein Forscherteam der University Wisconsin heraus. 88 gemischtgeschlechtliche Freundespaare wurden – getrennt voneinander – befragt, ob sie sich mit ihrem Freund/ihrer Freundin auch ein klassisches Rendezvous vorstellen könnten. Ergebnis: Vor allem die Männer fühlten sich von ihren „Freundinnen“ durchaus auch angezogen. Und – Fehler! - sie glaubten, dass es den Freundinnen genauso erging. Tat es aber nicht.

Von Ursula Willimsky

Ja, ja, kann man jetzt sagen: Typisch Mann. Neigt eben zur Selbstüberschätzung und glaubt, dass er jede kriegen kann und jede ihn will. Das Forscherteam um die Wissenschaftlerin April Bleske-Rechek begründet das übrigens mit der guten alten Biologie und dem damit verbundenen Drang des Mannes, seine Gene zu streuen: Er guckt halt immer, dass er so viele Nachkommen wie möglich in die Welt setzt, was naturgemäß am einfachsten mit so vielen Frauen wie möglich geschieht. Die Damen - die eh nur ein Kind gleichzeitig bekommen können (abgesehen von Mehrlingsgeburten) - können da wählerischer sein. Viele Partner würden ihnen in Sachen Fortpflanzungsfreudigkeit ohnehin nichts bringen.

Aber machen wir uns nichts vor: Ganz frei vom Makel der Berechnung sind auch die Frauen nicht. Denn auch sie schnitten bei der Studie moralisch nicht völlig einwandfrei ab. Die meisten Frauen hatten zwar keine Probleme damit, eine Freundschaft mit einem Mann ohne sexuelle Hintergedanken zu pflegen. Aber sobald es in ihrer eigenen Beziehung kriselte, konnten sie sich plötzlich doch vorstellen, dass der "nur gute Freund" vielleicht auch noch andere Qualitäten hat als die, dass man mit ihm gute Gespräche führen kann.

Die vielzitierte "platonische Liebe" ist wohl doch nicht so einfach. Wobei der griechische Philosoph erotische Hintergedanken gar nicht kategorisch ausgeschlossen hatte. Er ließ sie - ganz vereinfacht gesagt, philosophisch Gebildete mögen das verzeihen - durchaus gelten als eine der vielen Stufen auf der Suche nach Höherem, nach Vollkommenheit, nach der fehlenden Hälfte (Platon glaubte, dass der Mensch früher einmal eine Kugel war, mit zwei Gesichtern, vier Armen und vier Beinen. Irgendwann fiel die Kugel auseinander und teilte sich in zwei Menschen. Und die suchen sich jetzt, um sich wieder zu vereinen).

Platonische Liebe zeigt andere Sichtweisen auf

Früher, als die Welt noch klarer in Frauen- und Männerbereiche aufgeteilt war, war die Frage, ob eine Freundschaft zwischen Mann und Frau möglich ist, wahrscheinlich nicht ganz so wichtig. Aber in modernen Zeiten, wo man Hobbys, den Beruf oder das Seminar teilt, gibt es auch häufiger Freundschaften zwischen den Geschlechtern. Mit allen möglichen Konsequenzen. Angefangen vom Missverständnis, was man füreinander bedeutet bis hin zu der Enttäuschung, wenn man merkt, dass man vielleicht allein mit seinem Gefühl dasteht. Für die Männer machte es übrigens kaum einen Unterschied, ob die Freundin Single war oder in einer festen Beziehung. Sie fanden sie häufig attraktiv. Frauen tendierten, wenn überhaupt, eher zum ungebundenen Freund.

Aber eines - und das ist doch schön - sagten viele der Befragten: Die Freundschaft zwischen Mann und Frau hat auch ihre wirklich guten, wichtigen Seiten: So würde man auch "die andere" Sichtweise kennenlernen und wertvolle Tipps für den Umgang mit dem anderen Geschlecht bekommen.

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