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"Pimp Your Kid": Der neue Erziehungsratgeber von Yvonne de Bark

"Pimp Your Kid": Der neue Erziehungsratgeber von Yvonne de Bark
"Pimp Your Kid": Der neue Erziehungsratgeber von Yvonne de Bark © www.fotomotor.de, Moritz Thau

Interview mit der Autorin Yvonne de Bark

Die Schauspielerin Yvonne de Bark, bekannt aus der Serie "Unter uns", hat jetzt einen Erziehungsratgeber geschrieben. "Pimp Your Kid" ist das zweite Buch der zweifachen Mutter.

Der Untertitel " Frage nicht, was du für dein Kind tun kannst. Frage, was dein Kind für dich tun kann!" verrät bereits, was Frau de Bark mit ihrem Ratgeber erreichen möchte. Sie möchte auf lustige Weise, Eltern dabei helfen "das perfekte Kind" zu erziehen.

Wir haben die Yvonne de Bark zum Interview getroffen, und sie zu ihrem neuen Buch und ihren eigenen Kindern befragt.

So "motzen" Sie Ihr Kind auf

Ihr Buch heißt "Pimp your Kid" - was verstehen Sie darunter?

Yvonne de Bark: Ein gepimptes Auto ist eines, das funktioniert, aber darüber hinaus ein bisschen aufgemotzt wird. So ist auch der Buchtitel in Bezug auf Kinder gemeint. Kinder sind toll, aber gepimpte Kinder sind der Hammer! Sie lernen die wesentlichen Dinge im Leben, die den Eltern das Leben leichter machen. Das System "Familie" sollte funktionieren, ohne dass die Kinder in den Himmel gehoben werden oder verhätschelt werden.

Eltern sind doch keine Sklaven ihrer Kinder. Man erfüllt jeden fast noch unausgesprochenen Wunsch "Mama, wo ist...?", "Mama, machst du mal...?", "Mama, fährst du mich...?", um dann ein Kind vor sich zu haben, das mit 18 Jahren völlig unselbstständig nicht mal in der Lage ist, sich eine Instantgemüsebrühe aufzuwärmen, nie gelernt hat, sich zu entschuldigen oder selbstverständlich davon ausgeht, dass Mama und Papa eine eingebrockte Suppe wieder auslöffeln werden. Wenn dieser Fall eintritt, dann haben wir etwas falsch gemacht. Was ist wirklich wichtig für Kinder? Die Pflicht: Alles, was ihre weitere Existenz gewährleistet (sich Nahrung beschaffen, Gefahren kennen, motorisch fit werden und die Handynummer der Eltern wissen). Die Kür: den Eltern Frühstück ans Bett bringen, die Spülmaschine ausräumen, Umgang mit Rasenmäher und Werkzeug, Auto waschen, Steuererklärung machen und Füße massieren.

Überflussmethode, Smiley Prinzip - Woher nehmen Sie ihre Erziehungsmethoden?

Yvonne de Bark: Meine "Erziehungsmethoden" sammle ich bei anderen Müttern oder habe sie mal aufgeschnappt, als ich noch Ratgeber gelesen habe. Ich unterziehe sie einer harten Prüfung und entscheide dann, ob und wie sie für unsere Familie in abgewandelter Form funktionieren. Das Smileysystem haben wir so für uns perfektioniert, dass sich ein Gefühl für Leistung und damit verbundene Entlohnung entwickelt hat. Es ist pädagogisch völlig verwerflich, die Kinder zu Leistung basierend auf extrinsischer Motivation anzuhalten, aber intrinsische Motivation bringt mich nicht weiter, wenn ich an der Kinokasse sage: "Zwei Karten bitte. Nein, ich habe kein Geld, ich bin intrinsisch motiviert."

Die Tom Sawyer-Methode, bei der man so tut, als sei eine unliebsame Tätigkeit das Tollste der Welt, um sie für kleine Zuschauer schmackhaft zu machen, ist nicht neu, aber sie kann einem so viel weiter helfen. Vor allem, wenn man dabei authentisch bleibt, sich nicht verbiegt und den Spaß dabei behält. Mein Sohn (9) bügelt jetzt gerne.

"Mentale Verstopfung": Mein Sohn fragte mich einmal, warum der Mann die Supermarktkassiererin so böse angemault hatte, obwohl sie offensichtlich gar nichts getan hatte. Ich antwortete, dass er wahrscheinlich gerade Verstopfung hatte und seine Laune an ihr ausgelassen hat. Manchmal reagiert man grummelig, obwohl man das gar nicht will. Das liegt dann an einem schlechten Nachricht am Morgen, einer schlechten Note oder sonst etwas, dass nicht unmittelbar mit der Situation zusammenhängt. Eben eine "Verstopfung". Und wenn ich meine Kinder anschreie, dann fragen sie mich inzwischen sehr einfühlsam: "Mama, sag ehrlich: WAS ist deine Verstopfung?"

"Eltern haben die Spontaneität erfunden!"

"Pimp Your Kid": Der neue Erziehungsratgeber von Yvonne de Bark
"Pimp Your Kid": Der neue Erziehungsratgeber von Yvonne de Bark © www.fotomotor.de, Moritz Thau

Fallen Ihnen diese Sachen spontan ein, oder entwickelten sie sich?

Yvonne de Bark: Eltern haben die Spontaneität erfunden! Jede Situation muss rasend schnell beurteilt werden, und man muss alle Absprachen im Kopf haben, was man vor drei Tagen dazu gesagt hat, und wie man die Sache in Zukunft behandeln will.

Liebevolles Aufzeigen natürlicher oder logischer Konsequenzen ist dabei das A und O. Es muss immer einen direkten Zusammenhang zwischen dem Vergehen und der Konsequenz geben. Wenn ein Kind zu spät kommt, dann muss es eben den nächsten Tag zu Hause bleiben. Wenn es den Teller nicht abräumt, bekommt es den gleichen wieder. Und es gibt bei mir eine Hauptregel: Alles, was wir machen und verabreden, sprechen wir vorher ab und wird angekündigt. Das ist nur fair, und das Kind kann sich so darauf einstellen. Ich möchte ja auch, dass sie mich darauf hinweisen, dass sie mich gleich mit einem reißfesten Seil an den Baum im Garten binden werden. Absprachen sind fair.

Haben all Ihre Tipps bei Ihren Kindern funktioniert?

Yvonne de Bark: Nein. Natürlich nicht. Ich wollte Dorian (damals 8) vom Schmatzen abbringen. Da ich gegen Strafen bin, verabredete ich mit ihm, dass ich ein "Honeydo" für jedes Mal schmatzen bekomme. Das funktionierte gut. Ich konnte Honeydos für alles mögliche einlösen. Kaffee bringen, Müll raus, zum Briefkasten gehen. Leider drang nach ein paar Wochen wieder dieses unsägliche Schmatzgeräusch an mein Ohr. Und jetzt haben wir vereinbart, dass ich ihm jedes Mal (er ist inzwischen 9) einen Kuss auf die Wange gebe, wenn er schmatzt. Inzwischen ist er so genervt, dass er lieber den Mund zu lässt...

"Eltern brauchen Zuspruch"

Sie schreiben vom „perfekten Vorzeigekind“ und von Spülmaschinen, die auf Kinderhöhe montiert sind – stoßen Sie damit nicht auch auf Kritik?

Yvonne de Bark: Nein, wieso denn? Geht uns nicht allen runter wie Öl, wenn jemand über unser Kind sagt: "Na, das ist aber mal gut erzogen, was für ein braves Kind und so höflich und aufmerksam. Schau mal, es gibt dem Leon sein Auge zurück, das er ihm in einer nonverbalen Auseinandersetzung gerade ausgerissen hatte."? Wollen wir nicht alle ein bisschen stolz sein, dass es nicht UNSER Kind ist, das im Restaurant sagt: "Boah, der Furz stinkt voll!"

Manchmal reicht es einfach nicht, wenn das Kind an der Hand des freundlichen Polizisten vor der Tür steht: "Aber er hat auf die Aufforderung des Filialleiters den iPod gleich wieder rausgegeben." Manchmal wollen wir mehr. Und eine Fußmassage von kleinen Kinderhänden kann da nur der Anfang sein.

Sie haben das Buch aus der Muttersicht geschrieben, ist das Buch dennoch für Väter geeignet?

Yvonne de Bark: Es ist für Väter ebenso geeignet. Aber da ich nun mal zwei X-Chromosome habe, habe ich mich so wohler gefühlt.

Es gibt so viele Erziehungsratgeber – warum sollten Eltern Ihren lesen?

Yvonne de Bark: Eltern brauchen Zuspruch. Vor allem den ihrer Kinder. Sie brauchen in den harten Zeiten der Erziehungsarbeit die volle Unterstützung der Kleinen. Wie sie das erreichen, kann man recht unterhaltsam in "Pimp Your Kid" nachlesen.

Ach übrigens: Ich liebe meine Kinder! :-)

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