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"Pille danach": Notfallverhütung wird genutzt

«Pille danach»
Das Präparat "PiDaNa" der Firma HRA Pharma, hält ein Apotheker am 29.04.2015 in Hamburg. Foto: Daniel Reinhardt © DPA

Mit der Rezeptfreiheit der "Pille danach" ist die Nachfrage zwar deutlich gestiegen, hat sich aber rasch auf diesem Niveau eingependelt. Seit Sommer letzten Jahres liegt der Absatz laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ziemlich konstant bei etwa 60.000 Packungen im Monat.

Seit März 2015 können Frauen Präparate für die Verhütung nach Geschlechtsverkehr direkt in der Apotheke bekommen. Der Arzt muss sie nicht mehr extra verschreiben. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), der sich lange gegen die Rezeptfreiheit gesperrt hatte und schließlich von EU-Vorgaben zu dem Schritt veranlasst wurde, setzt nun auf Beratung der häufig jungen Frauen und Mädchen durch die Apotheker.

Erhältlich sind die Präparate Ellaone, PiDaNa, Unofem Hexal, Pastinor und Levonoraristo. Ellaone war als erstes Präparat im März am Start und konnt seine Umsätze entsprechend steigern. Da es aber das mit Abstand teuerste Präparat ist, konnten die Anderen am rezeptfreien Markt zulegen.

Ohne Rezept müssen die Frauen selbst zahlen. Anspruch auf Kostenübernahme durch die Krankenkassen besteht nur nach Verschreibung und für Frauen und Mädchen unter 20 Jahren. Dennoch verzichten die allermeisten Frauen auf ärztliche Beratung und Rezept.

Mit der Entlassung der Notfall-Pille aus der Rezeptpflicht verschob sich die Verteilung der unterschiedlichen Abgabe- beziehungsweise Rezeptformen. Reichten davor 20 Prozent der Frauen ein Rezept der Gesetzlichen (GKV) und 80 Prozent ein Rezept der Privaten Krankenversicherung (PKV) ein, waren es nach der Freigabe nur noch 13 Prozent PKV- und 6 Prozent GKV-Rezepte. 81 Prozent der Frauen kamen ohne Rezept. Im letzten Quartal 2015 lag die Verteilung sogar bei 85 Prozent Selbstmedikation sowie 10 Prozent PKV- und 4 Prozent GKV-Rezepte.

Der Präsident der Bundesapothekerkammer, Andreas Kiefer, erläuterte, der Anstieg der Nachfrage "war die logische Konsequenz aus der Absicht des Gesetzgebers, Frauen den Zugang zu erleichtern und damit ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden". Dennoch werde bei 15 bis 20 Prozent der Abgaben in der Apotheke immer noch eine ärztliche Verordnung vorgelegt. Und: "Die Apotheker beraten intensiv. Und wir haben bisher keinerlei Sicherheitsprobleme feststellen können."


dpa
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