'Pille danach': Britinnen bekommen Pille kostenlos zu Weihnachten

"Pille danach": Kostenlose Pille zu Weihnachten
"Pille danach": Kostenlose Pille zu Weihnachten © Fotolia Deutschland

Ungewöhnliche Aktion mit der 'Pille danach'

Weihnachtspartys und Betriebsfeiern in Großbritannien stehen ja in dem Ruf, nicht ganz so beschaulich zu sein wie hierzulande. Eine der Folgen der alkoholseligen Feiern um Weihnachten und Silvester: Die Zahl der ungewollten Schwangerschaften steigt zum Jahreswechsel deutlich an, wie die britische Schwangeren-Beratungstelle BPAS festgestellt hat. Mit einer umstrittenen Kampagne will diese Organisation nun Frauen in einer solchen Situation helfen: Sie verteilt in den kommenden Wochen die 'Pille danach' - und zwar gratis und als Vorratspack.

Von Ursula Willimsky

Immerhin: Das Vorsorge-Paket für danach bekommt nur, wer eine 15-minütige Telefon-Beratung absolviert. Und es liegt auch ein Päckchen Kondome bei (die, das sei zur Sicherheit hier noch einmal betont, ja nicht nur Schwangerschaften verhüten sondern im Gegensatz zur 'Pille danach' auch vor Infektionen schützen).

Und so regt sich in Großbritannien denn auch Unbehagen über die Kampagne: Sie würde nicht an das Verantwortungsbewusstsein der Beteiligten appellieren, sondern im Gegenteil dazu führen, dass Frauen sich vermehrt Risiken aussetzen. Auch Gesundheitsminister Andrew Lansley hätte sich laut der 'Süddeutschen Zeitung' eher gewünscht, dass das Präparat erst nach einer direkten persönlichen Beratung ausgegeben wird.

Fördert 'Pille danach' ungeschützten Sex?

Ähnlich denken wohl auch andere Kritiker, die laut 'SZ' zu bedenken geben, dass gerade sehr junge Frauen oder Mädchen das ganze wie einen "Pizza-Service" sehen und sich vielleicht sogar ohne Wissen der Eltern das Präparat beschaffen könnten. Auch in Großbritannien müssen Mädchen unter 16 Jahren zunächst zu einem Arzt, bevor sie die 'Pille danach' kaufen dürfen. Für ältere Mädchen und Frauen gibt es das Präparat dort aber im Gegensatz zu Deutschland ohne Rezept. In Deutschland ist die 'Pille danach' verschreibungspflichtig. Frauen, die sie brauchen, müssen zuerst zum Arzt oder am Wochenende oder Abends in eine Klinik und danach in die Apotheke.

Aber gerade während der 'holidays', so BPAS, kommt man auch in Großbritannien nicht ohne weiteres an die Pille, weil viele Apotheken geschlossen seien. Und der hohe Preis (bis zu 30 Euro) könne gerade für jüngere Frauen ein zusätzliches Problem darstellen. Und allzu lange zögern darf man nicht, wenn man sich entschließt, die 'Pille danach' zunehmen - sie kann nur bis zu 72 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr genommen werden. Pro familia empfiehlt die Einnahme innerhalb von 12 bis 24 Stunden, danach könne das Präparat in etwa neun von zehn Fällen eine ungewollte Schwangerschaft verhindern.

Auch wenn die 'Pille danach' vielen Frauen helfen kann - die BPAS-Kampagne ist umstritten. Auch, weil sie wenig subtil für die Aktion wirbt: Da wurde zum Beispiel aus Weihnachtslichterketten das Wort 'Sex' gebildet. Und auch die Internet-Adresse, an die man sich wenden soll, wenn man sich eine Vorrats-Ration sichern will, ist eher ho!ho!ho!: santacomes.org.

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