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Physik gegen Migräne: Signal soll Migräne-Lawine im Kopf stoppen

Physik gegen Migräne: Signal soll Migräne-Lawine im Kopf stoppen
© picture-alliance/ ZB, Jan-Peter Kasper

Laut Forschern ist die Migräne Physik im Kopf

Ein neuer Forschungsansatz im Kampf gegen Kopfschmerz und Migräne ist beim Workshop ‚Physik der Migräne’ im Rahmen der Tagung über Computer-Neurowissenschaften in Berlin vorgestellt worden. Ein Berliner Physiker hat die Vorboten der Kopfschmerzattacken untersucht und behauptet: Migräne sei Physik im Kopf, die sich mit Physik bekämpfen ließe.

Das Phänomen der Attacke fesselt Physiker und Neurologen gleichermaßen. Eine Kopfschmerzattacke kündigt sich bei jedem Fünften mit charakteristischen Vorboten an: Es treten Lichtblitze im Sehfeld auf, die dann verschwommenen Flecken weichen. Auch Sprachstörungen lassen die kommende Pein erahnen.

Die Erregungshemmung zu stoppen bedeutet, die Migräne zu stoppen

Diese Migräneaura wird von einer sich ausbreitenden Erregungshemmung im Kopf hervorgerufen, wie seit einigen Jahren bekannt ist. Die elektrische Spannung in den Nervenzellen sackt ab. Das ist notwendig, damit die schlechten (schmerzhaften) Informationen übertragen werden können. Wenn das länger anhält, erfasst das dann gleich einem Dominoeffekt die benachbarten Nervenzellen und löst eine sich ausbreitende Erregungshemmung aus. Sie pflanzt sich wie eine Welle mit drei bis fünf Millimetern pro Minute im Gehirn fort.

Der Physiker Markus Dahlem simulierte jetzt das Phänomen im Computer und fand heraus, dass sich die Symptome nur dann erklären lassen, wenn die Erregungshemmung ein kleines Areal des Gehirns durchläuft.

In Dahlems Computersimulationen verhielt sich die ausbreitende Erregungshemmung ausgesprochen anfällig für Störsignale, etwa ein schlichtes Rauschen. "Wir haben für das Problem eine Lösung", freut sich Dahlem. Durch ein gezieltes äußeres Signal kann man die fatale Lawine im Kopf stoppen, glaubt er. Am PC ist er tatsächlich Herr der Migräneaura. Er tastet die physikalischen Charakteristika der Welle ab und speist dann eine künstlich erzeugte Gegenwelle in sein Modell ein. Schon kommt die Lawine zum Stillstand. Die Migräne ist gestoppt, theoretisch zumindest.

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