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Phimose: Salben statt operieren bei Vorhautverengung

Phimose: Salben statt operieren bei Vorhautverengung
Vertrauen Sie auf das Urteil Ihres Arztes. Nicht jede Phimose muss operiert werden. © picture-alliance/ ZB, Patrick Pleul

Oft wird zu schnell beschnitten

Eltern wollen für ihre Kinder natürlich nur das Beste - so viel ist klar. Doch manchmal schießen sie mit diesem frommen Wunsch über das Ziel hinaus. So wird nach Ansicht vieler Experten bei einer Phimose zu schnell zum Messer gegriffen.

Eine Phimose ist eine Vorhautverengung. Das Zurückziehen der Haut hinter die Eichel ist dann nicht mehr möglich. Beobachten Sie dieses Phänomen bei Ihrem Sohn, müssen Sie nicht gleich an eine Operation denken.

Denn: Bei Kleinkindern ist die Eichel noch mit der Vorhaut verklebt. Das heißt, es ist normal, dass man die Haut nicht weit zurückschieben kann. Diese Verklebung löst sich etwa, wenn das Kind drei Jahre alt ist, spätestens aber mit fünf, sechs Jahren.

Ist das Kind schon älter und die Verengung bleibt bestehen, dann helfen Salben. In den vergangenen Jahren sind diese steroidhaltigen Salben weiterentwickelt worden und zeigen gute Erfolge.

Bei einer Phimose kann es zu Infektionen der Vorhaut/Eichel kommen, auch zum Harnstau. Schmerzen bei der Blasenentleerung sind genauso möglich wie die Schädigung der Blase und der Nieren. Eine verengte Vorhaut kann auch zu Erektionsstörungen führen, die auch mit Schmerzen einhergehen kann. Hier sind auch psychische Folgen möglich.

OP erst nach gescheiterter konservativer Behandlung

Generell muss bei einer Phimose unterschieden werden zwischen einer physiologischen und einer pathologischen. Eine narbenfreie Vorhaut ist physiologisch und muss daher nicht operiert werden. Problematisch sind eine verdickte Vorhaut, Rötungen und Schmerzen beim Urinieren.

Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Kinderarzt und vertrauen Sie auf sein Urteil: Wenn Ihr Kinderarzt auch auf Ihren Hinweis hin bei den Routineuntersuchungen nichts zu beanstanden hat, müssen Sie sich erst einmal keine Sorgen machen.

Erst wenn konservative Behandlungsmethoden keinen Erfolg brachten, sollte die Beschneidung (oder lateinisch Zirkumzision) durchgeführt werden.

Das Gute ist: Die OP ist ein Routineeingriff in Krankenhäusern und wird meist ambulant durchgeführt. Und: Eine Operation beseitigt die Schäden und es tritt eine vollständige Heilung ohne Folgeschäden ein.

Bei einer Paraphimose hingegen muss operiert werden. Die ist dann gegeben, wenn die Vorhaut nach dem Zurückschieben nicht mehr über die Eichel nach vorne zu schieben ist. Dies ist ein urologischer Notfall. Der Zustand ist sehr schmerzhaft und verhindert den Rückfluss des Blutes. Das kann bis zum Absterben der Eichel führen. Daher ist eine OP hier unumgänglich. Da die Schmerzen aber sehr stark sind, wird Ihnen Ihr Kind eine Paraphimose kaum verheimlichen.

Und noch ein Wort zu kulturellen Beschneidungen: Meist werden Kinder in Gegenden beschnitten, in denen Wasserarmut und mangelnde Hygiene vorherrschen. Dieser Brauch baut tatsächlich Entzündungen vor. In unseren Breiten ist dies allerdings nicht notwendig.

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