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Pflanzliche Arzneien sind gar nicht harmlos

Pflanzliche Arzneien: Achtung vor diesen Wechselwirkungen!
Pflanzliche Arzneien sind nicht unbedingt harmlos © picture-alliance / ZB, Hans Wiedl

Pflanzliche Arzneien: Achtung vor diesen Wechselwirkungen!

Auch eigentlich harmlose pflanzliche Arzneien können gefährliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Darum ist es ganz wichtig, dass Patienten auch die Einnahme eines pflanzlichen Mittels immer mit ihrem Arzt besprechen. Das gilt vor allem, wenn eine Medikation umgestellt wird oder eine Operation ansteht. Denn es besteht die Gefahr, dass das Mittel die Blutgerinnung, den Blutdruck oder die Narkose beeinflusst.

Johanniskraut kann die Wirksamkeit einer niedrig dosierten Pille beeinflussen. Tipp: Wenn Ihre Anti-Baby-Pille dazu gehört, werden Sie einen Hinweis auf dem Beipackzettel finden.

Ebenso kann die Wirkung bestimmter Antidepressiva, von Cholesterinsenkern (Simvastatin) und Schmerzmitteln (Triptanen) sowie verschreibungspflichtiger Schlaf- und Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) beeinträchtigt werden.

„Johanniskraut ganz vermeiden sollten Menschen, die Proteaseinhibitoren oder Zytostatika einnehmen“, sagt Prof. Karin Kraft vom Berufsverband Deutscher Internisten.

Auch Werner Knöss vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rät in einigen Fällen von der Einnahme von Johanniskraut ab: „In einem Fall hatte das Johanniskraut zur Abstoßung einer Spenderniere geführt, in einem anderen Fall zur Eskalation einer Aidsinfektion.

Ginkgo, Ginseng, Knoblauch, Papaya, Teufelskralle oder chinesische Heilkräuter wie Danshin oder Dong Quai kann in Kombination mit gerinnungshemmenden Medikamenten zu plötzlichen Blutungskomplikationen führen. Eine Wirkungsabschwächung kann bei wassertreibenden Medikamenten, Schmerzmitteln und Anästhetika auftauchen.

Auch bei anderen pflanzlichen Arzneien könnte eine Wechselwirkung mit Medikamenten auftreten. Derzeit stehen Pfefferminze, Eukalyptus, Artischocke, Mariendistel, Süßholz, Brennnessel, Gelbwurz, Kamille und Herbstzeitlose auf der Verdachtsliste.

Pflanzliche Arzneien nicht länger als nötig einnehmen

● Auch pflanzliche Arzneimittel nie ohne triftigen Grund einnehmen.

● Nicht länger einnehmen als nötig (zum Beispiel Baldrian absetzen, wenn das Einschlafen wieder klappt).

● Bei Unsicherheit über den weiteren Bedarf lieber das Präparat versuchsweise absetzen.

● Empfohlene Dosis nicht überschreiten.

● Nie mehr als zwei verschiedene Medikamente ohne ärztliche Verordnung einnehmen (Gefahr von unerwünschten Wechselwirkungen!).

● Bei bestehenden Organproblemen keine Medikamente ohne Befragen des Arztes einnehmen.

● Dem Arzt oder Apotheker alle Mittel nennen, die Sie bereits einnehmen, auch alle pflanzlichen Medikamente.

● Beipackzettel beachten, besonders hinsichtlich Wechselwirkungen und Gegenanzeigen.

● Wenn irgendwelche Unsicherheiten bestehen: Auf jeden Fall den Arzt befragen.

Wie aber lassen sich diese Wechselbeziehungen erklären?

Ein erst kürzlich entdeckter Ausscheidungsmechanismus ist das P-Glykoprotein-System. Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das Medikamente aktiv aus den Zellen abtransportiert. Die Menge des zur Verfügung stehenden P-Glykoproteins kann durch Medikamente beeinflusst werden. Vermutet wird, dass pflanzliche Arzneimittel die Funktion des P-Glykoproteins steigern oder hemmen können, so dass andere gleichzeitig gegebene Medikamente eine abgeschwächte oder aber verstärkte Wirkung zeigen.

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