Pferdefleisch und falsche Bio-Eier: Was können wir eigentlich noch essen?

Betrug mit Millionen Freiland- und Bio-Eiern
Neuer Lebensmittelskandal: Betrug mit Bio-Eiern © granata68 - Fotolia

Nach dem Pferdefleisch jetzt falsche Bio-Eier

Pferdefleisch als Rindfleischersatz, Millionen von falsch deklarierten Bio-Eiern – das neue Jahr ist erst zwei Monate alt und schon folgt ein Lebensmittelskandal dem nächsten. Und als Verbraucher steht man – mal wieder – fassungslos vor dem Kühlschrank und fragt sich: Was darf man eigentlich noch bedenkenlos essen?

Von M. Wuttke

Jetzt sind also mal wieder die Eier an der Reihe. An die 200 Landwirtschaftsbetriebe sollen in den jüngsten Skandal um die falsch deklarierten Eier verwickelt sein. An die 200! Das ist doch kein "Versehen" mehr, das hat doch was von Mafia.

Und wer sind die Dummen? Die gutgläubigen Verbraucher. Kaufen Bio-Eier, weil ihnen die letzte große Eier-Lüge noch in den Knochen steckt – gerade mal ein Jahr ist es her, dass man Dioxin in Eiern fand – und nun werden sie wieder von vorne bis hinten belogen! Statt Freilandhühner handelt es sich um Massentierhaltung. Entschuldigung, aber das muss so drastisch gesagt werden: Da kann man doch nur noch kotzen!

Verbrauchertäuschung als Lieblingsspiel

Eins steht fest: Gezielte Verbrauchertäuschung scheint das Lieblingsspiel der Lebensmittelindustrie zu sein. Nach dem Motto: Mal sehen, wie viel Schweinkram die sich noch gefallen lassen. Nichts ist mehr sicher. In der Salami stecken vergammelte Schweinsköpfe, die Pizza aus dem Tiefkühlfach wird mit "Analogkäse" bestückt und selbst, wenn "bio" drauf steht heißt das nicht, dass auch "bio" drin steckt. Igitt!

Fast ekelhafter als der Lug und Trug mit den Lebensmitteln ist aber, dass alle mitmachen: die großen Lebensmittelkonzerne, die Fleischzulieferer, die ihre "Ware" aus ganz Europa zusammen karren lassen und wir – die Konsumenten. Warum glauben wir denn nach Jahren nicht enden wollender Skandale (Gammelfleisch, Mäusekot im Mozzarella, Dioxin im Schweinefleisch), dass es beim Essen alle gut mit uns meinen? Dass Bio-Lebensmittel vom Discounter genauso nachhaltig und verlässlich sind wie die vom Demeter-Hof? Glauben wir wirklich, dass ein Brathähnchen, das für vier Euro zu haben ist, ein glückliches Leben ohne Antibiotika hatte? Unsinn!

Lebensmittelskandale: Müssen wir demnächst wieder selbst anbauen?

Es ist Zeit uns an die Nase zu fassen. Denn die Industrie hat ihr perverses System von Täuschung und Fälschung nur perfektionieren können, weil ihr sich dafür ein Markt bietet. Aber Angebot und Nachfrage sind nicht in Stein gemeißelt, genau darin liegt die Macht des Verbrauchers, hier können wir alle ganz konkret etwas ändern! Das bedeutet aber auch tatsächlich etwas zu ändern. Sprich, sich wirklich Gedanken darüber zu machen, was und wie wir essen wollen. Es reicht nicht, sich gern Kochsendungen im Fernsehen anzuschauen und sich dann doch lieber die Fertig-Lasagne rein zu ziehen. Man kann nicht jeden Tag Fleisch und Wurst essen wollen, ohne darüber nachzudenken, woher diese Massen zu diesem Preis herkommen sollen. Vielleicht ist es an der Zeit für ein Comeback des guten alten Sonntagsbraten – dann gibt es einmal in der Woche Fleisch vom Schlachter Ihres Vertrauens (nicht aus dem Supermarkt!), reicht doch. Denn wer weniger Fleisch isst, kann sich bessere Qualität leisten. Und ja, sicher ist es lobenswert, dass auch Discounter Bio-Produkte anbieten, aber auch hier muss dem Konsumenten klar sein: Wer in einer solchen Menge bundesweit Milch und Eier anbietet, der kann strenge Bio-Standards á la Demeter nicht halten.

Dann lieber die Eier auf dem Wochenmarkt kaufen, von dem Bauern, den man kennt und vertraut. Genau das ist doch Essen: eine Sache des Vertrauens. Deshalb sollte man genau abwägen, was man wo kauft. So ohnmächtig man sich der Nahrungsmittelindustrie gegenüber oft fühlt, man ist ihr nicht völlig ausgeliefert. Man kann immer noch selbst entscheiden, was einem die eigene Gesundheit, die Umwelt und gutes Essen wert sind.

Wir lassen uns seit Jahren eine Bio-Kiste von einem Hof am Stadtrand liefern. Zweimal im Jahr fahren wir hin und sehen, wie die Hühner frei herum laufen, deren Eier wir essen. Wir sehen, wie sich die Schweine glücklich im Matsch suhlen, deren Fleisch wir bestellen. Wir müssen aufgrund der saisonalen Auswahl im Winter zwar öfter Kohl und Steckrüben essen, aber Steckrüben-Carbonara kann ziemlich lecker sein. Das alles ist nur ein wenig teurer, dafür verzichten wir auf anderes. Und es ist immer noch besser als zum Müllschlucker der Lebensmittelindustrie zu werden.

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