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Peniskrebs durch HPV: Darum sollten sich Jungen impfen lassen!

Peniskrebs verhindern: Eine HPV-Impfung hilft allen
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HP-Viren auch für Männer gefährlich!

Schon lange ist klar, dass sogenannte Papillomaviren (HPV) bei Mädchen Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Doch auch bei Männern wächst die Gefahr von Tumoren kontinuierlich. Zwischen 2000 und 2013 sei die Zahl der Fälle in Deutschland um fast 70 Prozent gestiegen, berichtet die Zeitung 'Die Welt'. 

Wissenschaftler fordern HPV-Impfung auch für Jungen

HPV-Impfung auch für Jungen?
Der Impfstoff gegen Humane Papillomaviren (HPV) könnte nach Ansicht von Wissenschaftlern auch Jungen vor gefährlichen Krankheiten schützen. © picture-alliance/ dpa, DKFZ

In Deutschland war die Impfung bisher nur für Mädchen empfohlen, laut Ständiger Impfkommission (Stiko) schon im Alter zwischen 9 bis14 Jahren. Aber der Impfstoff gegen Humane Papillomaviren (HPV) könnte nach Ansicht von Wissenschaftlern auch Jungen vor gefährlichen Krankheiten schützen.

Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen (81) vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg setzt sich schon länger für die Impfung von Jungen ein. "Wenn wir wirklich die Viren in einem vorhersehbaren Zeitraum drastisch reduzieren oder ausrotten wollen, können wir das nur, wenn beide Geschlechter geimpft werden", sagte zur Hausen. Der Wissenschaftler hatte 2008 für seine Entdeckung, dass Papillomaviren Gebärmutterhalskrebs verursachen können, den Nobelpreis bekommen.

Die Viren hätten oft wesentlichen Anteil an der Entstehung bösartiger Tumore an Penis und Kehlkopf, schreibt Pathologin Margaret Stanley von der britischen Universität Cambridge im Fachjournal 'Nature'.​ Doch auch viele andere Gründe sprechen dafür, dass Jungen sich ebenfalls impfen lassen sollten. Im Video erfahren Sie mehr!

HPV-Impfung senkt Risiko für Krebs - bei Frauen UND Männern

Zum Themendienst-Bericht "Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs: Wann lohnt ein HPV-Test?" von Arnd Petry vom 26. März 2014: Humane Papillomviren können die Zellen in der Gebärmutterschleimhaut so verändern, dass im Gebärmutterhals ein Tumor entsteh
Männer können die Viren beim Sex auf Frauen übertragen, die wiederum zu Gebärmutterhalskrebs führen können. © picture-alliance/ dpa-Grafik, dpa-infografik

Die Zahl der an Peniskrebs  erkrankten Männer stieg in den letzten Jahren deutlich an. Dafür könnten nach Meinung von Experten HP-Viren verantwortlich sein. Eine Impfung bei Jungen würde demnach dazu beitragen, das Krebsrisiko erheblich zu senken.

Außerdem weist zur Hausen auf eine weitere mögliche Folge der Viren hin: "Genitalwarzen, vor denen zumindest einer der Impfstoffe schützt, sind eine äußerst unangenehme und unerfreuliche Infektion." Mit einer Impfung können die sogenannten Feigwarzen verhindert werden. Bislang befürworteten jedoch nur die USA, Kanada, Australien und Österreich die Impfung von Jungen. In diesen Ländern werden die Kosten sogar von den Kassen übernommen.

HPV-Impfung: Reicht der Herdeffekt aus?

Vom Herdeffekt (Herdimmunität) sprechen Experten, wenn Impfungen einzelner Personen die weitere Verbreitung einer Krankheit stoppen oder bremsen - und so auch nicht geimpfte Menschen geschützt werden. Es gebe die Annahme, der sogenannte Herdeffekt reiche aus, meinte zur Hausen. Das sei aber "etwas naiv", wegen der zu geringen Impfraten bei Mädchen. In Deutschland sind 40 bis 50 Prozent der Mädchen geimpft.

Empfohlen wird in jungen Jahren zu impfen. Die beste Wirkung habe die Impfung vor dem ersten Sexualverkehr. Daher sollte sie zwischen dem 9. und 18. Lebensjahr statt finden.

Stanley hält in ihrem Beitrag ein wahres Plädoyer für die Impfung der Jungen: "Alle Männer, unabhängig von der sexuellen Orientierung, begegnen einem erheblichen und steigendem Risiko HPV-assoziierter Krankheiten." Es sei nicht ethisch, fair oder sozial verantwortungsvoll, Männer dazu zu zwingen, sich auf eine Herdimmunität zu verlassen, die für Jahrzehnte nicht erreicht werde.

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