Patenschaft: Eine ehrenvolle und mächtige Aufgabe

Patenschaft: Eine ehrenvolle und mächtige Aufgabe
Patenschaft: Eine ehrenvolle und mächtige Aufgabe

Eine Patenschaft ist nicht 'pillepalle'

Es gibt ein Buch, das ich in meiner Studienzeit regelrecht verschlungen habe. Von Alice Miller: Das Drama des begabten Kindes. "Begabt", das heißt in diesem Buch nicht hochbegabt, sondern einfach sensibel, zart, speziell. Schutzbedürftig. So wie Kinder sind.

Das Thema des Buchs ist ein wirklich großes Thema. Wie Kinder als Kinder glücklich sind und zu glücklichen Erwachsenen heranreifen. Miller spricht in diesem Zusammenhang von "helfenden Zeugen". Über ihre elementare Bedeutung für Kinder. Als Begleiter der Eltern.

Helfende Zeugen, das sind Menschen, die das Kind und die Eltern unterstützen in guten und in schlechten Zeiten. Die helfen, die auch manchmal entschieden Partei ergreifen, die also "bezeugen" und artikulieren, wenn dem Kind Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit widerfährt. Die sich in diesem Fall nicht scheuen, einzugreifen. Es gibt ein Amt, das für diese Aufgaben wie geschaffen ist: Das Amt des Paten. Es ist ein wahres Ehrenamt. Es steckt sehr viel in diesem Amt. Es ist eine mächtige Aufgabe, kein Pillepalle.

Schon während der Schwangerschaft zerbrechen sich die Menschen den Kopf, wem sie das Patenamt anvertrauen wollen. Und die Taufe selbst wird wie ein Staatsakt begangen. Mit Recht, denn wir haben einen neuen Gast auf der Welt, der hundert Mal wichtiger ist als irgendein eitler Politiker, der hofiert wird. Das Kind kommt unschuldig zur Welt, es wird freudig begrüßt, die Eltern lieben es, auch die Paten sollen ihr Bestes geben. So stellen sich die Eltern das vor. Oft scheitert das Projekt "Patenschaft" schon am Kern des Patenamtes.

Oft wird die Patenschaft nicht richtig verstanden

Das ist die religiöse Erziehung. Hier wird es problematisch, wo es strenggenommen gar nicht problematisch werden sollte, denn die meisten Eltern, die ihr Kind taufen lassen, sind nicht sonderlich religiös. Ist der Pate in dieser Hinsicht engagiert und erzählt schöne Geschichten über Gott, liest aus der Bibel vor, dann sind die Eltern genervt. Sie meutern: "Wie bitte, Onkel Hans hat Dir erzählt, dass es den lieben Gott wirklich gibt? Das ist doch nur ein Märchen!"

Dabei ist das natürlich eine wesentliche Aufgabe des Paten: An der religiösen Erziehung des Kindes mitzuwirken. Manche Paten verstehen ihre Aufgabe ganz anders, sehr schlicht, sie glauben, sie müssten das Kind beschenken zu den Festtagen, an den Geburtstagen. Und an der Konfirmation ist alles vorbei. Die Schenkerei. Nichts dagegen, dass Paten schenken, aber das ist nur ein Aspekt, ein kleiner.

Andere Paten verschwinden schon kurz nach der Taufe in der Versenkung. Das finde ich sehr traurig. Ich rate an dieser Stelle allen, denen ein Patenamt angetragen wird: Überlegt es Euch gründlich, ob Ihr das wollt! Ich habe mich einmal breitschlagen lassen, war dann eine schlechte Patentante, in keiner Weise präsent. Das ist Jahre her, noch heute plagt mich das schlechte Gewissen. Beherzigt meinen Fall in Euren Herzen.

Um es hier einmal auf den Punkt zu bringen: Das Patenamt hat auf jeden Fall mit Religion zu tun. Wer nicht glaubt und trotzdem sein Kind taufen lassen will, der möge, wenn schon nicht den christlichen Glauben, dann immerhin die Liebe in sein Leben lassen, in das Leben des Kindes. Im weitesten Sinne ist Gott schließlich Liebe.

So soll Patenschaft verstanden werden: Als Liebesdienst am Kind. Im Sinne des "helfenden Zeugen". Ein Pate sollte mit Herz und Verstand und mit Zeit (!) bei dem Kind sein, sich mit ihm auseinandersetzen, mit ihm spielen, ihm zuhören, sein Wohlergehen im Auge behalten.

Ich habe das große Glück, für meine Kinder solche Paten zu haben. Das ist eine Bereicherung für unser aller Leben, ein wunderbares Geschenk. Man muss es nur verstehen, annehmen und eben leben.

Alles Liebe, Eure Birgit

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