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Patchwork: Neue Familie nach einer Trennung

Patchwork: Neue Familie nach einer Trennung
Patchwork - neue Familie nach einer Trennung © picture-alliance / dpa/dpaweb, Peter Kneffel

Patchwork: Familie ohne Zukunft?

Meine, deine, unsere Kinder. Ist die Patchwork-Familie wirklich das Modell der Zukunft? Zwar geht jede dritte, in Großstädten sogar jede zweite Partnerschaft, in die Brüche, aber ist deshalb die zusammen gewürfelte Familie das Non-plus-ultra?

Von Susanne Wächter

Birgit Eichler (38) lebt mit ihren zwei Töchtern (11) und (14) und ihrem vierjährigen Sohn sowie mit ihrem Partner in der Nähe von Köln. Einmal im Monat wächst die fünfköpfige Familie um weitere zwei Kinder an. Eine moderne Großfamilie eben. Für die 38-jährige Mutter ist dies die zweite Konstellation dieser Art. Die Beziehung mit dem Vater ihres Sohnes scheiterte daran. Er wollte den Vater der Mädchen ersetzen. Dabei kümmert sich dieser rührend um die Mädchen. Ständig habe sich ihr Partner in die Angelegenheiten der Mädchen eingemischt.

Patchworkfamilien sind schwierig

Die Partner trennen sich bei aufkommenden Schwierigkeiten schneller als in einer traditionellen Familie, weiß die Psychologin Katharina Grünewald. Diese Erfahrung machte auch Sabine Meyer aus Bochum. Vor sieben Jahren lernte sie ihren Partner im Internet kennen. Es war Liebe auf den zweiten Klick. Nach einem Jahr zogen sie zusammen. Sie brachte eine damals vierjährige Tochter mit in die Beziehung, er zwei Töchter im Alter von vier und acht Jahren. Weit über sechs Jahre funktionierte diese Konstellation wunderbar, dann kam das verflixte siebte Jahr.

Die Schwierigkeiten häuften sich. "Umso älter die Kinder wurden, umso mehr kristallisiertes sich dabei heraus, dass wir nicht eine klassische, sondern eine zusammen gewürfelte Familie sind." Schließlich waren Tischmanieren oder die unordentlichen Zimmer klassische Streitpunkte. "Wir haben uns plötzlich über Nichtigkeiten gestritten."

Bild der heilen Familie steht oft im Weg

Viele Paare hängen an dem Bild der heilen Familie, sagt die Psychologin Grünewald. Niemand darf dieses Bild zerstören. Vor allem Mütter seien sehr empfindlich und reagieren oft über, wenn die Stiefkinder nicht in ihr Bild passen. Grünewald wünscht sich deshalb mehr Akzeptanz aller Familiemitglieder. Eine Patchwork-Familie bedeutet Arbeit. "Die Partner lernen sich als Paar kennen und enden von heute auf morgen als Familie", so Grünewald. Sie nehmen sich vor, nun alles besser zu machen als in ihrer ersten Partnerschaft und sind sehr harmoniebedürftig.

Der Berliner Autor Joachim Bessing, der selber das Modell der Patchwork-Familie lebt, veröffentlichte vor vier Jahren seine Provokation der schrecklich netten Patchwork-Familie. Anhand persönlicher Erfahrungen räumte er mit dem modernen Mythos der heilen Patchwork-Familie auf. Wie konnte es überhaupt zu dieser unseligen Konstellation kommen? Und wie kann es gelingen, traditionelle Werte auch in einer nicht-traditionellen Familie zu leben?

Patchworkfamilie: So kann's klappen

Eine Patchwork-Familie ist nicht zum Scheitern verurteilt. Allerdings müssen alle Familienmitglieder an ihrem Gelingen arbeiten.

Jeder sollte sich Gedanken darüber machen, was er von der Familie erwartet.

Jede neue Konstellation sollte als Neuanfang betrachtet werden und darf keine Fortsetzung der vorangegangenen Familie sein.

Die Basis jeder Patchwork-Familie ist eine Trennung. Diesen Umstand müssen sich alle Familienmitglieder bewusst machen.

Alle Beteiligten müssen offen miteinander umgehen. Jeder darf sagen, was ihm nicht gefällt, Lösungsvorschläge sollten gemeinsam erarbeitet werden.

Die Eltern müssen sich als Paar auch weiterhin Freiräume schaffen.

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