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Partner-Outing: "Schatz, ich bin schwul!"

Partner-Outing: "Schatz, ich bin schwul!"

Kann man nach dem Outing noch gemeinsam eine Beziehung führen?

"Schatz, ich muss dir etwas sagen: Ich bin schwul!“ Aber was passiert, wenn der Partner sich nach jahrelanger Ehe als homosexuell outet? War die ganze Beziehung dann von Anfang an eine Lüge? Wie geht der Partner damit um und was, wenn man zusammen vielleicht sogar Kinder hat? Nach so einem Geständnis gerät das bisherige Leben ins Wanken – für alle Beteiligten. Meist zerbricht sogar die Familie daran. Denn ein Fortbestehen der Ehe erscheint den Beteiligten als sinnlos. Das muss aber nicht sein! Wir haben Menschen mit zwei ganz unterschiedlichen Outing-Geschichten getroffen.

Als Profi-Fußballer Thomas Hitzlsperger sich als schwul bekannte, sorgte diese Schlagzeile für jede Menge Diskussionen: “Zu Beginn meiner Laufbahn war ich mit einer Frau zusammen, acht Jahre. Erst danach, als ich allein gelebt hab, dämmerte mir, ich hab Gefühle für Männer, ich will auch mit einem Mann zusammen leben“, sagte der Fußballprofi in einem Interview.

So ähnlich ging es auch Bert. Allerdings merkt er erst viel später, nach 20 Ehejahren, dass mit ihm etwas ‘anders‘ ist. Da ist er bereits verheiratet und Vater von zwei Kindern. Natürlich war es eine erschreckende Erkenntnis für ihn, aber nun versteht der 52-Jährige wenigsten, warum er nie “Ich liebe dich“ zu seiner Frau sagen konnte.Natürlich hat er ein schlechtes Gewissen gegenüber seiner Frau, aber er kann ja nichts dafür. Wen man liebt, kann ein Mensch nun mal nicht frei entscheiden.

Familie, Freunde, Nachbarn - bei Bert haben zum Glück die meisten positiv auf das Outing reagiert. Seine schwerste Aufgabe: den Kindern zu sagen, dass ihr Papa schwul ist. Heute, fünf Jahre nach dem Outing, leben die zwei noch immer zusammen, obwohl beide neue Partner haben. Für viele Menschen mag das seltsam klingen, aber sie tun es vor allem für die Kinder. Sie haben sich dafür entschieden, ihr neues Leben erst dann richtig zu justieren, wenn die Kinder in einigen Jahren aus dem Haus sind. Heute leben sie als Freunde zusammen.

"Ich darf meine Kinder nicht mehr sehen"

Ein anderer Fall: Maria ist 36 Jahre alt und Mutter von drei Kindern. Durch das Coming out, sagt sie, wird sie permanent bedroht.Und nicht nur das: Es laufen noch Gerichtsverfahren von den Vätern der Kinder. Diese verbieten ihr sogar, die eigenen Kinder zu sehen. Die Kinder fehlen ihr sehr, Weihnachten feiert sie schon lange nicht mehr - es tut einfach zu sehr weh.

Maria kann sich inzwischen ihre Gefühle für Frauen eingestehen. Aber das hat lange Zeit gedauert. Maria hat versucht, mit Mann und Kindern eine heile Welt abzubilden. Schließlich passt eine lesbische Mutter so gar nicht in ihr eigenes Weltbild.

Als Maria entscheidet, sich zu outen, ist sie bereits alleinerziehend. Die Angst vor negativen Reaktionen ist groß. Die Kinder gewöhnen sich zum Glück schnell daran, dass Mama eine Frau liebt. Während Maria in ihrer Beziehung zu einer Frau glücklich ist, beginnt ein gnadenloser Kampf um die Kinder. Maria sucht den Kontakt zu den Vätern und schreibt Briefe an die Kinder. Doch die werden scheinbar nicht weitergeleitet. Und so darf sie ihre Kinder letztlich nicht sehen, obwohl ihr das Recht sogar gesetzlich zusteht. Ein psychologisches Gutachten bescheinigt ihr, dass die Kinder die Nähe der Mutter wünschen und brauchen. Dennoch gibt es so gut wie keinen Kontakt mehr.

Zwei Outings, die Gegensätzlicher nicht verlaufen konnten. Und auch wenn Marias Schicksal nachdenklich macht: Für sie war es richtig, ihren eigenen Lebensweg zu gehen. Denn wichtig ist die Akzeptanz des Umfeldes. Und wie man bei Bert sehen kann: Reagieren Freund und Familie gelassen auf ein Outing des Partners, ist alles möglich.

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