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Partner ist nachtragend: Was soll ich tun?

Streit in einer Beziehung: Paar sitzt beleidigt Rücken an Rücken
Beziehungsstreit: Alte Streitthemen vorwerfen ist ungesund für die Beziehung

Streitereien in der Beziehung: Wer alte Streitthemen nicht verzeiht, wird unglücklich

Es ist nicht so, dass es in wirklich glücklichen Beziehungen keinen Streit gibt, im Gegenteil: Die meisten erfolgreich liebenden Frauen und Männer pflegen eine sogenannte Streitkultur, sie hören dem anderen zu, sie bleiben sachlich, sie halten sich mit verallgemeinernden Bewertungen zurück wie „Nie gehst Du auf mich ein!“.

Aber auch in jenen Beziehungen, wo beide beim Streiten darauf bedacht sind, dass dieses in liebevoller Achtsamkeit geschieht, kommt es immer wieder dazu, dass der eine Partner dazu neigt, seinem Gegenüber längst Vergangenes vorzuwerfen. Dieses Nachtragen ist eine unselige Angewohnheit, sie kann aus einem relativ harmlosen Konflikt eine emotionale Katastrophe werden lassen, die manchmal sogar eine Trennung nach sich zieht. Ich werde deshalb häufig gefragt: Wie überwinde es das, wie schaffe ich es, nicht nachtragend zu sein?

Wenn man einmal hinter die psychologischen Kulissen schaut, dann handelt es sich bei solchen „Streit-Dauerbrennern“ oft um alte Kränkungen, die nie wirklich verziehen wurden. Insofern rate ich Paaren stets, ein Problem immer an der Wurzel zu packen – und zwar sofort.

Beispiel: Eine Freundin von mir wurde ab und zu von ihrem Freund mit dem Vornamen ihrer Vorgängerin angesprochen, aus Versehen, so beteuerte der Partner. Leider hatte er aber irgendwann auch fallen lassen, dass er diesen Namen der Ex sehr schön fände, schöner als den Namen meiner Freundin. Damit war eine Bombe gelegt, die regelmäßig hochging, natürlich auch bei Auseinandersetzungen, in denen es nicht um Eifersucht oder dergleichen ging. Meine Freundin hatte gar keinen Grund zur Eifersucht, der Mann liebte sie heiß und innig, er war einfach unbeholfen und hatte aus dieser Schwäche heraus, die dumme Sache mit dem Namen gesagt.

Das hatte Folgen. Selbst wenn die beiden eine richtig gute Zeit hatten und sich vielleicht aus Spaß darum stritten, wer die Gurke für den Salat schnipselt, wenn sie sich also neckten, kam meine Freundin früher oder später mit dieser Namens-Geschichte an, und es wurde heftig gezankt. Die Fronten verhärteten sich mehr und mehr. Heute sind die beiden getrennt – trotz Liebe.

Die Vorwürfe verbrennen

Es ist wichtig, sich hier zweierlei bewusst zu machen: Eine Kränkung heilt nie, solange sie nicht total vergeben ist. Meine Freundin hätte also exakt an dem Tag, an dem der Mann sie verletzt hat, sagen müssen, wie sehr sie das getroffen hat. Sie hat es aber eher überspielt. Sie hätte sich selbst die Chance geben müssen, dem Mann vergeben zu können, das wäre nur gelungen, wenn er gewusst hätte, wie tief der Stachel sitzt.

Zweitens muss man stets darauf aus sein, bei einem Streit nicht auf das „Gewinnen“ zu schielen. Das ist jedoch die Maßgabe, wenn man den Hang hat, alte Kamellen auszugraben. Obacht: Alte Kamellen sind Waffen!

Da muss man mit sich selbst hart ins Gericht gehen, ob man vielleicht bewusst oder unbewusst die Tendenz hat, mit Streit-Dauerbrennern strategisch umzugehen, sie als Waffe gegen den Partner einzusetzen. Gerade, wenn der arme Partner unter einem schlechten Gewissen leidet, weil er mal Mist gebaut hat, ist das eine subtile und fiese Weise, ihn auszutricksen!

Ich nenne Euch eine effektive Möglichkeit, sich von Dingen aus der Vergangenheit zu verabschieden: Man schreibe sie in einer ruhigen Stunde auf ein Blatt Papier und spreche feierlich aus, dass man sich von diesen Altlasten für alle Zeiten verabschiedet. Anschließend verbrennt man den Zettel. Das klingt ein bisschen spuky, aber manchmal braucht der Mensch genau das. Man befreit mit diesem Ritual nicht nur die Beziehung von Ballast, sondern auch sich selbst; das ist Liebe leicht gemacht in doppelter Ausführung!

Gutes Gelingen beim „Schluss machen“! Eure Birgit

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