Papst Franziskus ein Papst der Frauen?

Habemus Papam - das ist der neue Papst
Das ist Papst Franziskus. © dpa, Michael Kappeler

Was haben Frauen von Papst Franziskus?

Er hat sich einen Namen gegeben, von dem wohl viele hoffen, dass er auch Programm ist: Franziskus. Der neue Papst hat sich als Namenspatron also einen Heiligen ausgesucht, der sein Leben einerseits der Armut, aber eben auch dem Dienst an den Armen verschrieben hat. Noch nie in der langen Kirchengeschichte hat sich ein Papst nach diesem Mann benannt. Noch nie kam ein Papst aus Südamerika, noch nie war er Jesuit. Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio hat also allein schon durch seine Wahl neue Akzente gesetzt im Vatikan. Aber ist der Papst der Armen auch ein Papst der Frauen?

Der Mann gilt als bescheiden und volksnah (verzichtete zum Beispiel bei seinem ersten Auftritt als Papst auf den traditionellen Pelzumhang). In seiner Heimat Argentinien galt er als „Kardinal der Armen“: „Die ungleiche Verteilung der Güter schafft eine Situation sozialer Sünde, die zum Himmel schreit - und so vielen Brüdern und Schwestern die Möglichkeit eines erfüllteren Lebens vorenthält", betonte er 2007. Er fuhr mit Bus und Bahn zur Arbeit, kaufte eigenhändig im Supermarkt ein und predigte immer wieder, dass sich die Kirche für Entwicklungsländer einsetzen müsse. Einerseits.

Aber andererseits kann das neue Kirchenoberhaupt auch sehr hart sein. Als Jesuit vertritt er in Fragen der Sexualmoral die Linie des Vatikans. Kein Sex vor der Ehe, Abtreibung lehnt er strikt ab. Das gleiche gilt auch für Verhütung und die Homo-Ehe. Exakt deswegen hat er sich einst mit Cristina Fernandez de Kirchner angelegt, der amtierenden Präsidentin Argentiniens. Bei einem Treffen bezeichnete der damalige Erzbischof von Buenos Aires die Adoption von Kindern durch Homosexuelle als „Diskriminierung der Kinder“. Die Präsidentin kommentierte dies anschließend, seine Worte erinnerten an „mittelalterliche Zeiten und die Inquisition“. Zuletzt wollte die Politikerin auch nicht mehr in seine Kathedrale kommen.

Mit seiner konservativen Überzeugung ist er also auf den ersten Blick definitiv kein Papst, der die Werte und Wünsche moderner Frauen vertritt. Doch genau das hätten wir uns gewünscht. Auch zur Amtszeit von Franziskus kann man vermutlich nicht davon ausgehen, dass aus der heimlichen Geliebten des Pfarrers plötzlich seine Ehefrau wird, dass aus einer Anna Schmidt eine Priesterin wird - und dass eine Frau, die ungewollt schwanger wird, nicht mit der Erlaubnis der Kirche das Kind abtreiben darf. Dabei rechnen die Vereinten Nationen damit, dass im Jahr 2015 rund 233 Millionen Frauen leben werden, die keinen Zugriff auf Verhütungsmittel haben. Der Pontifex der Armen ist leider kein Pontifex der Frauen. Doch Stopp, es gibt da etwas, was möglicherweise ja doch in diese Richtung gehen könnte, wenn auch nur eine einzige Sache.

Obwohl er als konservativ gilt, hat Franziskus sich dafür eingesetzt, dass auch uneheliche Kinder getauft werden dürfen. „Heuchlerische Neoklerikale“ nannte er Pfarrer, die dies ablehnen. Für Frauen in Ländern, in denen eine uneheliche Frucht als die Schande schlechthin gilt, war das durchaus eine moralische Stütze. Alles andere würde laut Franziskus diese Kinder diskriminieren. Und er setzt sich für HIV-Kranke ein. Vermutlich wissend, dass das Virus in erster Linie durch ungeschützten Sexualverkehr – also solchen, den die Kirche vorschreibt – übertragen wird.

Was wird Papst Franziskus ändern?

Bei seiner Antrittsrede sprach Franziskus davon, den Weg der Brüderlichkeit und des Vertrauens beschreiten zu wollen: „Diesen Weg werden wir gemeinsam gehen – Bischof und Volk“. Ob er damit das ganze Volk gemeint hat? Und das große – oft ehrenamtliche – Engagement von Frauen in der Kirche aufgewertet wird? Ihnen vielleicht sogar künftig Ämter offenstehen, die ihnen bisher einfach aufgrund ihres Geschlechts unerreichbar waren? Sie vielleicht stärker in anderen Funktionen als Mutter und Gefährtin wahrgenommen werden?

Wie wird er den Dialog über den Zölibat führen? Welchen Umgang mit Geschiedenen, die wieder heiraten wollen, wird er predigen? Wie die Katholische Kirche im Umgang mit anderen Konfessionen positionieren? Wie wird er die Aufarbeitung der Skandale der letzten Wochen, Monate und Jahre vorantreiben?

Als seine Wahl bekannt wurde, hat die ganze Welt gejubelt, aber Cristina Fernandez de Kirchner offenbar nicht. Sie twitterte zwar den ganzen Abend über alles Mögliche, nur nicht über Franziskus. Erst später am Abend veröffentlichte die argentinische Regierung ein offizielles Schreiben, in dem sie ihm förmlich gratulierte.

Auf den neuen Papst warten viele Aufgaben. Er muss das Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholikinnen und Katholiken sein, die in sehr unterschiedlichen Ländern, unter sehr unterschiedlichen Bedingungen und mit sehr unterschiedlichen Glaubensauffassungen leben. Sein Wort hat Gewicht. In der Welt. Und im Leben vieler, vieler Menschen. Der 76-Jährige kann Kraft seines Amtes vieles beim Alten belassen. Oder bewegen. So wie der Heilige Franziskus, der als großer Reformer der Kirche gilt.

Jüngst sagte er: „Wenn wir rausgehen auf die Straße, dann können Unfälle passieren. Aber wenn sich die Kirche nicht öffnet, nicht rausgeht, und sich nur um sich selbst schert, wird sie alt. Wenn ich die Wahl habe zwischen einer Kirche, die sich beim Rausgehen auf die Straße Verletzungen zuzieht und einer Kirche, die erkrankt, weil sie sich nur mit sich selbst beschäftigt, dann habe ich keine Zweifel: Ich würde die erste Option wählen."

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