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Papakinder: Warum ist Mama doof und Papa der Beste?

Papakinder: Warum ist Mama doof und Papa der Beste?
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Mama ist doof - veraltete Rollenverteilung?

Die Väter von heute wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, sich stärker in der Familie einbringen und nicht nur als Geldverdiener angesehen werden. Aber sind Familienarbeit und Erziehungsleistung tatsächlich gerecht verteilt? Die vierfache Mutter und Ex von Schauspieler Til Schweiger, Dana Schweiger, brachte es in einem Interview mal auf den Punkt: "In jeder Familie ist irgendwie immer die Mutter die Blöde." Recht hat sie.

Von Merle Wuttke

Mit den Papas ist es für die Kinder dagegen so, "als wären gerade Ferien. Ich glaube, das nennt man Disneyland-Dad", so die Unternehmerin in einem Gespräch mit der Zeitschrift "Emotion". Die Frau erzieht vier Kinder, lebt von dem Vater getrennt und weiß, wovon sie redet.

Aber auch in Familie, in denen beide Elternteile getrennt sind aber noch zusammen wohnen, ist "zusammen leben" nicht gleichbedeutend mit "zusammen erziehen". Da gibt es feine Unterschiede. Sogar in den vermeintlich gleichberechtigten Beziehungen, in denen beide Eltern einer geregelten Arbeit nachgehen. Das fängt ja schon mit der Frage an, wer zu Hause bleibt, wenn das Kind krank wird. Ohne groß darüber zu sprechen, ist es in der Regel die Mutter, die ihrem Chef sagen muss, dass sie leider nicht zu der wichtigen Konferenz kommen kann, weil ihr Kind Fieber hat. Der Vater geht derweil fröhlich ins Büro.

Weiter geht es mit der Organisation des alltäglichen Wahnsinns: Kaum aus dem Büro, hetzt Mama vor dem Weg in die Kita schnell noch zum Einkaufen, überlegt sich das Abendessen und sorgt dafür, dass der bocklose Nachwuchs rechtzeitig zum Sport- oder Musikunterricht kommen. Das hat nichts mit Vergnügen zu tun, sondern endet meist in nutzlosen, nervigen Diskussionen mit Siebenjährigen und dem Satz "Ich bin deine Mutter, tue was ich sage". Als Dankeschön bekommt man dann ein "Ich mag Papa sowieso viel lieber als Dich!" zu hören.

Ja, ja, der liebe Herr Papa sitzt ja auch schön weit weg in seinem Büro und muss nicht den Zuchtmeister markieren.

Papa ist der Beste - Vaterrolle in der Erziehung

Nägel schneiden, Zähne putzen, Zimmer aufräumen, Hausaufgaben (ordentlich!) machen - ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten: Bei uns zu Hause bin ich in 99 Prozent der Fälle diejenige, die kontrolliert, ermahnt oder zurechtweist. Keine Ahnung, ob Männer in Sachen Familienarbeit über eine ähnlich selektive Wahrnehmung verfügen wie die, die sie in anderen Dingen an Tag legen, etwa was den Verschmutzungsgrad der Wohnung angeht. Aber mein Mann kam noch nie, in sieben Jahren und bei drei Kindern wirklich noch kein einziges Mal von allein auf die Idee, dass man den Kindern mal die Nägel schneiden oder die Ohren sauber machen muss. Ich habe auch noch nie mitbekommen, dass sie irgendwann einmal dafür gerügt wurden, nie ihre Schlafanzüge wegzuräumen - vermutlich, weil ihr Vater das ebenfalls bis heute nicht schafft.

Und jetzt? Bin ich die Mecker-Mama. Die, mit der schlechten Laune. Weil Familie eben nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen ist. Weil sich aber sonst eben keiner darum kümmern möchte. Und ich bin die Dumme. Verschwende meine Zeit und Nerven, obwohl ich mir mit dem Vater die Arbeit doch teilen könnte. Woran liegt es, dass man als Mutter offenbar so schwer aus seiner Haut kann? Warum lasse ich nicht alle einmal auflaufen, kümmere mich weder um Schule noch ums Abendessen? Wieso mache ich nicht mal einen auf "Vergnügungspark-Mama"?

Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Es liegt jedenfalls bestimmt nicht daran, dass ich Angst habe, Verantwortung abzugeben. Im Gegenteil. Es liegt auch nicht am altmodischen Rollenverständnis. Falls Sie also einen Rat haben, her damit! Ich will endlich auch mal die Gute sein!

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