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Papa-Kolumne: Warum ich es liebe, zwischendurch wieder Kind zu sein

Vater und Tochter spielen
Herumblödeln in der Räuberhöhle? Als Vater ist das absolut kein Problem. © iStockphoto

Eine Scheibe Fleischwurst für die Kleine, eine für den Papa

Ok, hier kann ich es ja zugeben: Ich esse gerne Fleischwurst. Am liebsten direkt im Supermarkt, so wie früher. Die Verkäuferin hinter der Wurst- und Käse-Theke weiß schon Bescheid, wenn meine Tochter (fast drei) und ich mit unserem Einkaufszettel vor ihr stehen - eine zusammengerollte Scheibe für die Kleine, eine für den Papa. Und wie sagt man dann? "Dankeeee!" Herrlich. Töchterchen lernt gute Manieren und Papa darf kurz Kind sein. 

Von Sebastian Priggemeier

Sobald ich nach Hause komme, werde ich zum größten Spielzeug meiner Tochter

Wahrscheinlich ist das sogar Teil der Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin, eventuell auch prüfungsrelevant: Kindern bis fünf Jahre ist eine Gratis-Scheibe Fleischwurst auszuhändigen. Stichwort frühkindliche Prägung. Naja, ich begrüße das jedenfalls und rate allen Erwachsenen, mal wieder eine Scheibe zu probieren. Schmeckt nach Kindheit. Bei uns zuhause hieß diese Form von Wurst sogar "Kinderwurst", wenn ich mich richtig erinnere. Klingt irgendwie merkwürdig, ich weiß. Auf den Begriff "Fleischwurst" muss man allerdings auch erstmal kommen. Noch unappetitlicher: Gesichtswurst. Das ist die mit dem Clownsgesicht. Von "Leberwurst" will ich hier jetzt gar nicht erst anfangen...

Zwischendurch einfach mal wieder Kind sein - als Papa ist das kein Problem. Es ist aber auch nicht so, dass ich eine Wahl hätte. Sobald ich von der Arbeit nach Hause komme und die Wohnungstür hinter mir ins Schloss fällt, werde ich zum größten Spielzeug meiner Dreijährigen. "Ich will mit dir spiiielen!" Lieblings-Puppe Papa. Danach menschliche Hüpfburg. Später Nagellack-Design-Dummy, Puzzle-Assistent, Räuberhöhlen-Architekt.

Klingt alles eher passiv, aber: Ich bin immer auch das Chef-Kind. ICH mache die Regeln. Das ist oft ein Spagat zwischen Verantwortung und Verzweiflung. Kinder leben, als gäbe es kein Morgen. Dagegen kann man als Erwachsener ankämpfen oder sich einfach inspirieren lassen. Jeden Tag ein Eis essen? Warum nicht? Erst hatte ich auch Bedenken wegen des vielen Zuckers. Aber beim Toben verbrennen wir Kalorien wie die Ackergäule. Und wir putzen hinterher gründlich unsere Zähne! Klar, sonst gibt es Probleme mit Karius und Baktus. Oder mit Mutti - und das will wirklich keiner.

Spielen mit Kindern: Wenn Vati plötzlich wieder vier ist

Ich bin zwar das Chef-Kind, aber nur eine Art Abteilungsleiter im Kinderzimmer - meine Frau ist die Geschäftsführerin unseres Mini-Familienbetriebs. Das weiß auch schon Klein Lene. Manchmal versucht sie uns gegeneinander auszuspielen. Dann flüstert sie, obwohl wir alleine zuhause sind. "Kinderfernsehen?" Weil sie weiß, dass das nur in Ausnahmefällen erlaubt ist, bietet sie mir den Deckmantel des Schweigens an: "Aber nicht der Mama sagen. Das ist unser Geheimnis." Soso, ein Geheimnis. Ganz schön clever, junge Dame.

Und jetzt? Der verantwortungsbewusste Vater in mir lehnt den Deal natürlich entrüstet ab - das Chef-Kind würde sich allerdings am liebsten sofort mit der Kleinen in die Räuberhöhle kuscheln und 'Peppa Wutz' gucken. Mehrere Folgen. Eine schwierige Entscheidung, die viel Weitsicht und Vernunft erfordert. Darauf erstmal eine Scheibe Fleischwurst! Vielleicht nehme ich später auch noch ein Bällebad bei IKEA...

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