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Papa-Kolumne: War’s das jetzt endlich, Viren-Winter?

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Kind krank
Mal wieder Fieber oder nur erhöhte Temperatur? Wenn das Kind krank ist, leiden auch die Eltern. © iStockphoto

Kein Wunder, dass die Minis auch als Rotznasen bezeichnet werden

Sorry, aber gibt es da draußen vielleicht irgendwo eine Art Anti-Viren-Programm für Kleinkinder? Vom Aufbau her am besten ähnlich wie am Flughafen: Ein kurzer Körperscan an der Haustür und Zack ist klar, welche Krankheitserreger der Nachwuchs gerade wieder einschleppt. Kind tapst durch die Sicherheitsschleuse, plötzlich ein Warnsignal - PIIIIIEP! Körpertemperatur 38,9 Grad, Verdacht auf Noro-Virus, Quarantäne. Es könnte alles so einfach sein. Stattdessen stochern wir uns mit dem Fieberthermometer im Anschlag durch den dunkelsten Viren-Winter ever. Ever. Ever.

Wie kann so ein kleiner Mensch so oft so hohes Fieber entwickeln?

Sebastian Priggemeier, Priggemeier, Teambilder Frauenzimmer
Sebastian Priggemeier © Stefan Neumann Fotografie

Seit Oktober geht das jetzt schon so. Sechs Monate, in denen unsere Tochter Lene (zweieinhalb Jahre alt) einen Infekt nach dem anderen aus der Kita mitnimmt. Kein Wunder, dass die Minis auch als Rotznasen bezeichnet werden. Husten, Schnupfen, Durchfall, Erbrechen, dann wieder Schnupfen, Erbrechen, Husten. Und damit uns nicht langweilig wird, bevorzugt am Wochenende (wenn kein Kinderarzt im Einsatz ist) - spontane Fieberschübe, oder wie ich inzwischen sage: Saturday Night Fever. Samstags war ich in letzter Zeit jedenfalls häufiger in der Notdienst-Apotheke als in der Disco.

Und da stehe ich dann mit meinem Talent, um 2 Uhr morgens an der Notdienstklappe, abgekämpft vom Anti-Viren-Kampf, mit Haaren wie ein Heckenpenner. Vor mir der arme Apotheker, den ich offenbar gerade von der Pritsche geklingelt habe - ging aber echt nicht anders: "13,5 Kilogramm schweres Kleinkind, über 39 Grad Fieber, keine Medizin mehr Zuhause." "Ibuprofen?", flüstert der Mann (dabei ist weit und breit niemand, der wach werden könnte), ich nicke still, er dreht sich um und schlappt in Hausschuhen zum Medikamentenschrank. Geldübergabe durch die Klappe, "Gute Nacht", ab nach Hause.

Wie kann so ein kleiner Mensch so oft so hohes Fieber entwickeln? Bis wir endlich herausgefunden haben, dass Lene eher der Saft-Typ ist als der Zäpfchen-Typ, sind einige Tränen geflossen. Und zwar nicht nur beim Kind! Das Problem: Die Kleine wehrt sich mit Händen und Füßchen gegen jede Form von Medizin, schreit und schimpft wie bei einem Exorzismus (Kind: "Blöde Mama!", Mutti: "WTF?!"). Schon klar, bloß kein fiebersenkendes Zäpfchen trotz Extrem-Fieber. Die Nerven liegen blank wie der Babypopo, der vor uns zappelt wie ein Aal. Und das alles um drei Uhr morgens. Die Nachbarn müssen denken, dass wir unser Kind mehrmals im Monat brutal misshandeln. Wenigstens grüßen sie uns noch im Hausflur...

Masern, Meningokokken, Mumps - unsere Tochter ist eigentlich gegen alles geimpft, was der Kinderarzt so hergibt. Außer gegen Rota-Viren. Ein Fehler, wie sich zeigen sollte. Wobei, eigentlich bin ich nach der gemeinsamen Woche im Kinderkrankenhaus irgendwie fast dankbar für diese Erfahrung: Denn Papa oder Mama bist du im Prinzip erst, wenn du mit deinem Kind einen Magen-Darm-Virus durchgestanden hast. Wenn es sich auf dich übergeben hat. Oder wenigstens ins Elternbett. Mitten hinein nach dem Motto 'Fifty Shades of Brei' - das schweißt zusammen. Kleiner Tipp: Waschbare Matratzenschoner sind Gold wert, denn Kinder kotzen (sorry, aber man muss es so deutlich sagen) ohne Ankündigung, oft im Schwall. Und danach spielen sie weiter, als hätte es gerade nur an der Tür geklingelt. Ach ja, die Tür - der Viren-Scanner. Ich hoffe, es wird irgendwo in der Welt mit Hochdruck daran gearbeitet.

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