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Papa-Kolumne: Einsatz für den Babybauchflüsterer

Sebastian Priggemeier, Priggemeier, Teambilder Frauenzimmer
Sebastian Priggemeier © Stefan Neumann Fotografie

Der Bauch wirkt wie eine riesige Glatze

Manchmal neige ich offenbar zum Starren. Ich schaue meine schwangere Freundin an und ihr Bauch sieht aus, als hätte sie einen Volleyball verschluckt - das Witzige ist, er fühlt sich auch genauso an. Achter Monat. "Was guckst du denn so?", fragt Tini leicht gereizt und streichelt mit den Fingerspitzen über ihren Nabel. "Ich muss mit dem Kind kommunizieren." Logisch, sorry!

Von Sebastian Priggemeier

Der Babybauch - ein Wunder der Natur, das uns langsam aber sicher in den Wahnsinn treibt. "Heute fühle ich mich, als würde ich gleich platzen", sagt Tini. Und an ihren Augen erkenne ich - das ist kein Spruch, sie meint das ernst. Wir liegen im Bett und schauen uns an. Acht Uhr morgens, Sommer, gefühlte 35 Grad im Schlafzimmer, Bettdecke weggestrampelt. Tini wuchtet sich auf den Rücken *ächz, stöhn* schiebt ihr T-Shirt hoch und da ist das Ding: Im Sonnenlicht wirkt der Bauch wie eine riesige Glatze. Die Haut ist gespannt und glänzt sogar ohne Bioil - Meister Propper wäre stolz auf diese Kugel.

Hier wächst kein Haar, hier wächst ein Baby. Und das hat Schluckauf. Oder Karate-Training. Jedenfalls wölbt sich alle paar Sekunden die Bauchdecke. Der Schluckauf ist momentan ganz normal und null bedrohlich, eher witzig. So übt der Embryo das Atmen - weiß ich aus Tinis Schwangerschafts-App. Ansonsten in diesem Entwicklungsstadium schwer angesagt: Purzelbäume. Breakdance? Boxen. Gebärmutter-Gymnastik eben.

Die Kleine ist "gerade mal so groß wie ein Römersalat"

Klar, das erinnert ein wenig an 'Alien 3'. Aber noch irritierender ist, dass der Bauchbewohner mir nachts Tritte verpasst. Im Prinzip ist unser Baby schon jetzt ein Fall für die Super Nanny, denn in der Fruchtblase herrscht das Faustrecht. Wer dem Bauch zu nahe kommt, wird gnadenlos weggeboxt. Streng verboten: Zu eng an Mutti kuscheln. Absolut in Ordnung: Den Bauch als Rammbock benutzen, um dem Baby mehr Platz im Bett zu verschaffen. Nachts kämpfe ich inzwischen um jeden Zentimeter Matratze. Wir sind im achten Monat, und durch die Schwangerschafts-App weiß ich: Die Kleine ist aktuell gerade mal "so groß wie ein Römersalat" (was für ein Vergleich). Sorry, aber da muss im Bett doch noch Platz für mich sein!

Apropos Bett: Schlafen sollten Schwangere am besten im Sitzen, wie die App empfiehlt. Oder in der Seitenlage, und zwar auf der linken Seite, weil das Baby so am besten mit Nährstoffen versorgt wird. Niemals für längere Zeit flach auf dem Rücken dösen - sonst drückt der Bauch die Vena Cava ab und Muttis Herz macht schlapp. Das gilt es mit allen Mitteln zu vermeiden. Meine Schwangere klemmt sich inzwischen immer ein längliches Kissen zwischen die Knie, für die stabile Seitenlage. Ihr Traum ist ein Stillkissen. Aber das ist noch auf dem Postweg.

Durch die App bin ich übrigens auch auf die Lösung für unser kleines Gewaltproblem gekommen: Weil das boxende Baby laut Entwicklungs-Info seit der 23. Schwangerschaftswoche hören kann, teste ich zurzeit ein ganz spezielles Anti-Aggressions-Training. Ich lese dem renitenten Bauchbesetzer jeden Abend eine Gute-Nacht-Geschichte vor. Man muss ja mit dem Kind kommunizieren... Und es wirkt. Wir nähern uns an, im wahrsten Sinne des Wortes. Mittlerweile darf ich beim Vorlesen sogar meinen Kopf an den Babybauch legen. Ganz ohne Gegenwehr.

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