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Papa-Kolumne: Ein Kind ist kein Kind? Diesen Spruch braucht niemand!

Familie mit Kind
Mutter, Vater, Kind - reicht das oder machen nur mehrere Kinder das Familienglück perfekt? © iStockphoto, Lacheev Roman

Scheinbar gibt es auch unter Eltern eine Zweiklassengesellschaft

"Papa, ich bin schwanger." Puh, eigentlich hatte ich gehofft, diesen Satz etwas später zu hören zu bekommen. Ungefähr 25 Jahre später, um ehrlich zu sein. Und nicht beim Spülen. Aber gut. "Ich habe ein Baby im Bauch", sagt meine Tochter Lene, zweieinhalb Jahre alt. Sie steht vor dem Spiegel im Flur und streichelt stolz ihren prallen Fake-Babybauch mit der Puppe unter dem T-Shirt. "Irgendwie hat sie sogar diesen berühmten Glow", denke ich noch, da kommt schon der nächste Schlag: "Und DU bist der Papa." Ok, das geht zu weit.

Von Sebastian Priggemeier

Dann bin ich eben eine Eltern-Lusche, sorry!

Spülschwamm weg, kurz hinsetzen. Muss ich jetzt ein Aufklärungsgespräch führen? Bitte nicht. Ganz ehrlich, dafür bin ich noch nicht bereit. Und Lene auch nicht. Sie lässt sich ja nicht einmal davon überzeugen, dass ein Schnuller besser erstmal abgewaschen werden sollte, nachdem er auf dem Spielplatz in den Sand gefallen ist. Jetzt schon mit den Bienchen und den Blümchen anfangen? Ich weiß nicht. Andererseits: Fortpflanzung ist ein Thema. Mehrmals täglich! Dass Mädchen sich schneller entwickeln als Jungs, war mir bekannt. Aber dieses Tempo überfordert mich. Schließlich bin ich im Prinzip auch nur ein großer Junge im Körper eines Papas.

Ein Kind reicht mir völlig. Beziehungsweise: Uns - meiner Frau und mir. Aber in unserem Umfeld legen alle nach. Bald sind wir die einzigen, die "nur" ein Kind haben. Und scheinbar gibt es auch unter Eltern eine Zweiklassengesellschaft, so etwas wie Einsteiger und Fortgeschrittene. Es kommen schon Sprüche, gerne auch wenn man gerade von der Fieber-Horrornacht der Kleinen erzählt und still auf Solidarität hofft. Augenzwinkernd: "Ein Kind ist kein Kind." Schulterklopfend: "Warte mal ab, bis du zwei von der Sorte in Schach halten musst..." Um Himmels willen, sicher nicht! Einen letzten kümmerlichen Rest an Freizeit möchte ich mir erhalten. Dann bin ich eben eine Eltern-Lusche, sorry! Damit komme ich klar.

Fest steht: Der Fortpflanzungsdruck wächst

Trotzdem ploppen immer wieder diese Gedanken auf: Soll Lene wirklich ein Einzelkind bleiben, Zuhause nur mit Puppen spielen? Verwöhnt, verweichlicht, verschroben. Wäre es auf der anderen Seite nicht völlig verrückt, ein Kind zu zeugen, nur damit sie immer einen Spielkameraden hat? Aber ist das nicht sowieso total verrückt - Kinder in eine Welt zu setzen, in der Oliver Pocher mit Comedy Geld verdient?

"Ich war beim Arzt. Der sagt, es wird noch etwas dauern, bis es kommt", erzählt Lene, vor Aufregung leicht stotternd. "Na, dann ist es ja gut", sage ich, drücke sie kurz und spüle weiter. Lass dich nicht hetzen, genieß die kinderlose Zeit, du hast doch noch so viel vor dir - Weltreisen, durchfeierte Nächte, faule Sonntage im Bett. Als ich mich wieder umdrehe, hält sie das Baby - ihre Puppe - plötzlich im Arm. Es ist da. Offenbar eine Sturzgeburt. Völlig schmerz- und komplikationslos. Ich bin Opa. So schnell geht das.

Fest steht: Der Fortpflanzungsdruck wächst, selbst innerhalb der eigenen Familie. Nicht nur wegen dieser frühkindlichen Schwangerschafts-Phantasien. Nein, Lene schläft auch nur noch zu einem ganz bestimmten Hörspiel ein - der Titel: 'Leo Lausemaus wünscht sich ein Geschwisterchen'. Wenn das mal kein Wink mit der Babypuppe ist...

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