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Papa-Kolumne: Der Feind in meinem (Familien-)Bett

Ärger im Familienbett
Vater, Mutter und Kind in einem Bett - total gemütlich, oder etwa doch nicht? © iStockphoto

Familienbett bedeutet Krieg. Kampf um jeden Zentimeter Matratze

Notiz an mich selbst: "Neues Bett kaufen, dringend! Mindestmaß 3 Meter mal 3 Meter, besser mehr." Falls ich jemals ein Typ war, den man nicht von der Bettkante stößt - die Zeiten sind definitiv vorbei. Meine Tochter Lene (2 Jahre) hat da keinerlei Skrupel. Ein gezielter Tritt und *rums*, Papa plumpst aus dem Familienbett. Alles schon vorgekommen.

Ich gebe es zu, manchmal schleiche ich mich raus und flüchte aufs Sofa

Sebastian Priggemeier, Priggemeier, Teambilder Frauenzimmer
Unser Autor Sebastian Priggemeier erlebt Nacht für Nacht einen Kampf um jeden Zentimeter Matratze. © Stefan Neumann Fotografie

Von Sebastian Priggemeier

Ach, was habe ich mir das früher gemütlich vorgestellt - Mutter, Vater und Kind in einem Bett, unter einer Decke. Arm in Arm. Wohlig warm. Pustekuchen! Nach gefühlt tausend und einer Nacht als Vater weiß ich: Familienbett bedeutet Krieg. Kampf um jeden Zentimeter Matratze und Decke. Tritte, Tränen, Schläge, Schnarchen. Ok, übertreibe ich da nicht ein bisschen? Leider nein. Als Vater habe ich etwas gelernt, was selbst bei der Bundeswehr oder im Survival-Camp Endstufe ist: Ich bin inzwischen in der Lage, auf einem Streifen von knapp 20 Zentimetern Breite zu schlafen. Mehr Raum brauche ich nicht. Und mehr Raum kriege ich auch nicht.

Auf der Familienbettkante liegt es sich in etwa wie auf einem Felsvorsprung an der Eiger Nordwand. Nur dass man dort wahrscheinlich relativ ungestört schlafen kann. In unserem Bett befindet sich ein 88 Zentimeter langer Störfaktor. Töchterchen Lene liegt meistens mittig, direkt zwischen Mama und Papa. Das Problem: Sie bewegt sich im Laufe der Nacht wie die Zeiger der Uhr. Allerdings ist Lene eher der Typ Chronograph - mit ganz vielen kleinen Zeigern und schnellen Umdrehungen. Große Bewegungen sind bei mir dagegen nicht drin. Ist aber ok, damit kann ich leben.

Schnuller weg? Oje!

Nicht ok ist das ständige Aus-dem-Schlaf-gerissen-werden. Mittlerweile habe ich ein Muster festgestellt, einen echt brutalen Bug im Biorhythmus: Lenes automatische Aufwachzeiten sind 22 Uhr, 23.45 Uhr, 2 Uhr und 4.15 Uhr. Ansonsten schläft sie aber wie ein (ziemlich verschnupfter) Bär - es sei denn, a.) ich berühre sie versehentlich oder b.) ihr Schnuller löst sich. Vor lauter Frust möchte das Baby dann ins eigene Bett - Kommando an Papa: "Eigen Bett." Verstanden, zu Befehl! Ich wuchte also das 13-Kilo-Kind rüber ins Gitterbett und kauere mich wieder kurz zusammen. Kurz, weil ich weiß, dass fünf Minuten später wieder jemand kerzengerade im Bett steht und zurück zu Mama und Papa möchte: "Jaus" (sie kann das R noch nicht sprechen). So geht das drei bis fünf Mal pro Nacht.

Ich gebe es zu, manchmal schleiche ich mich gegen 3 Uhr morgens raus und flüchte aufs Wohnzimmer-Sofa. Gemein, weiß ich. Andererseits haben meine beiden Mädels so mehr Platz. Bevor ich gehe, lege ich immer zwei große, längliche Kissen auf meinen Seitenstreifen, damit Lene nicht aus dem Bett fällt (ja, auch das ist schon vorgekommen). Und damit sie nicht bemerkt, dass ich weg bin. Denn das mag sie auch nicht: "PAPA?! Wo Papa ist?" Mist, erwischt. Aber irgendwie ist Papa dann auch stolz. Vielleicht bin ich für sie ja doch mehr als ein Platzdieb im Bett? Und schon ist das 3-Mal-3-Meter-Bett wieder vergessen...

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