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Papa-Kolumne: Bye, bye Baby-Beckham - es wird ein Mädchen

Sebastian Priggemeier, Priggemeier, Teambilder Frauenzimmer
Sebastian Priggemeier © Stefan Neumann Fotografie

Das Geschlecht des Babys steht fest

Eigentlich liebe ich die Ultraschall-Termine bei Professor Weißhaupt. Die Schwangere liegt, das Licht geht aus und die Show beginnt. Gespannte Stille, das Herz rast vor lauter Aufregung, der XL-Flatscreen-Monitor summt - fehlt nur noch Popcorn, dann wäre das Kino-Feeling perfekt. Herrlich. Sobald die ersten Ultraschallbilder über den Bildschirm flimmern, wird der Doc zu einer Art Fremdenführer. Stadtrundfahrt durch die rasant wachsende Metropole Uterus: "Hier sehen Sie den Arm - Elle und Speiche sind gut zu erkennen. Da ist das Herz - regelmäßiger Blutstrom, sehr schön. Die Beinchen - 5, 4, 3, 2, 1 Zehen", zählt er mit monotoner Stimme ab. "Und DAS sind die äußeren Schamlippen." Paff! "Eine kleine Prinzessin", höre ich nur noch und falle mit meinem Hocker fast hintenüber.

Von Sebastian Priggemeier

Dass mein Baby auch ein Mädchen sein könnte, war mir klar. Logisch. 50 zu 50 Chance, Männlein oder Weiblein, rosa oder blau. Ich hatte bis zu diesem Moment bloß keine Sekunde lang darüber nachgedacht. Für mich war dieser kleine Mensch im Bauch meiner Freundin immer männlich. Ok, sehr männlich: Ein angehender Fußballprofi, eine Art deutscher David Beckham. Für den Fall, dass es sportlich nicht reicht, ein zukünftiger Chirurg. Oder meinetwegen ein Tierarzt wie mein Vater.

Ich wollte ihm doch meine Welt zeigen: Abseits erklären, den FC Bayern mies machen, über Jahrzehnte gesammeltes Bier-Wissen weitergeben, Flirt-Taktiken besprechen. Stattdessen werde ich bald Zöpfe flechten und mit meiner Prinzessin an einem rosafarbenen Mini-Tisch Tee-Partys feiern. Schluck. Ballett, Barbies, Beauty-Tipps - das ist einfach (noch) nicht meine Welt. Ich bin mit zwei Brüdern aufgewachsen, weibliche Wesen sind praktisch erst ab der Pubertät in mein Leben getreten (mal abgesehen von meiner Mutter) - und jetzt soll ich eines erziehen. Ich sehe meine Freundin Tini an, und sie strahlt. Ein Mädchen! Dr. Weißhaupt setzt seine Gebärmutter-Tour fort.

Weiblich kann auch ein Vorteil sein

Eine Prinzessin... Auf dem Heimweg spüre ich eine Verwandlung. In der U-Bahn sehe ich eine 20-jährige Miley-Cyrus-Doppelgängerin mit knappen Shorts und denke: "Gott, so wird meine Tochter hoffentlich nicht herumlaufen." Zur Information: Dem gleichen Mädel hätte ich noch vor zwei Stunden im Geiste hinterher gepfiffen. Alter Reflex. Irgendetwas ist in der Praxis von Dr. Weißhaupt mit mir passiert. Zwei Meter weiter steht ein anderes Mädchen, Typ Jura-Studentin, mit einer Aura von Selbstbewusstsein. "Tolle Frau", schießt mir durch den Kopf. "Ob mein Baby auch mal so wird?" Ich komme mir plötzlich vor wie der große Bruder von Alice Schwarzer.

Oh. Mein. Gott. Und ich fühle mich von Bahnstation zu Bahnstation wohler damit - ja, mein Kind ist weiblich! Yes, we can! Wird ja auch Zeit im fünften Monat. Was mich so euphorisch macht? Wir setzen mit hoher Wahrscheinlichkeit einen guten Menschen in diese Welt. Einen Menschen ohne extreme Aggression. Schon mal von einem weiblichen Amokläufer gehört? Nein, denn die sind in der Regel männlich. Ein weiblicher Vergewaltiger - wo gibt’s denn bitte sowas? Zu viel Testosteron ist bäh. Adolf Hitler war ein Mann; Napoleon - ein Mann; Graf Dracula - genau... Der aktuellen Kriminalstatistik zufolge sind 74,3 Prozent aller Tatverdächtigen Männer, nur 23,7 Prozent Frauen. Wenn das kein Grund zum Feiern ist. Und der deutsche Frauenfußball braucht auch noch Nachwuchs, soweit ich weiß. Ich träume inzwischen schon vom WM-Finale und von Tee-Partys im Kinderzimmer. Der nächste Ultraschall-Termin kann kommen.

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