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Paartherapie: Darum scheuen sich Männer vor der Eheberatung

Paartherapie: Warum scheuen Männer sich vor der Eheberatung?
Paartherapie? - Geht gar nicht - viele Paare nehmen bei Problemen ungern externe Hilfe in Anspruch. © Fotolia Deutschland

Vor allem Männer tun sich schwer mit dem Gang zur Paartherapie

Erfolgs-Regisseur Sönke Wortmann und seine Frau Cecilia Kunz sind seit zwölf Jahren glücklich verheiratet. Und seit zwölf Jahren gehen sie zur Paartherapie, sozusagen vorbeugend. "Vielleicht ist ja das der Grund, warum wir immer noch verheiratet sind", so Wortmann zum 'Playboy': "Wir kannten uns vor der Hochzeit ja schon einige Jahre. Irgendwann unterhielten wir uns über die Tatsache, dass die meisten Paare sich mit dem Thema Ehe-Therapie erst zu beschäftigen beginnen, wenn es längst zu spät ist."

Von Jutta Rogge-Strang

Das kommt häufiger vor: Es ist die große Liebe, aber der Alltag mit seinen kleineren und größeren Problemen macht die Beziehung kaputt. Dabei könnte alles so einfach sein: Mit Hilfe von außen, sprich Paartherapie, könnten sich viele Probleme lösen lassen oder erträglicher werden. Warum scheuen viele Menschen und besonders Männer davor zurück, Hilfe von Therapeuten anzunehmen?

In den USA gehört es schon lange zum guten Ton, einen Therapeuten aufzusuchen, in Deutschland schrecken die meisten davor zurück. Besonders Männer haben Angst davor, einer völlig fremden Person Einblick in die Beziehung zu gewähren. Sie haben von klein auf gelernt, dass sie stark sein und keine Hilfe annehmen müssen. Frauen sprechen sehr viel offener über ihre Probleme als Männer und können sich leichter öffnen – auch einer fremden Person gegenüber. Zudem haben Männer große Angst davor, die Schuld für die Beziehungsprobleme zugewiesen zu bekommen und bleiben dann lieber in der problematischen Situation.

Für Männer bedeutet es eine Niederlage, wenn sie mit ihren Liebes-Problemen nicht selbst fertig werden können. Da stecken sie lieber den Kopf in den Sand und warten darauf, dass die dunklen Wolken von alleine verfliegen. Frauen sind mit dieser Situation natürlich unzufrieden. Sie sind anspruchsvoller, wenn es um Gefühlsbeziehungen geht. Es folgen Vorwürfe und Druck auf den Partner. Der blockiert und macht zu, und es ändert sich umso weniger, je mehr Druck ausgeübt wird.

Kann man den Partner zur Paartherapie "zwingen"?

Dabei geht es in der Paar-Therapie nicht um Schuld oder Unschuld. Es geht um Kommunikationsprobleme, um Vorwürfe, um Kleinkrieg, um festgefahrene Strukturen und fehlende Anerkennung. Ändern müssen die Beteiligten ihre Verhaltensmuster selbst, der Therapeut oder die Therapeutin soll neutral bleiben und auf bestimmte Dinge aufmerksam machen. Ob die Beziehung bestehen bleibt, ist völlig offen, das bestimmen die Partner selbst. Ziel der Therapie ist Zufriedenheit, auch wenn das eine Trennung bedeutet. Bei zwei Dritteln aller Paare hat eine Therapie aber Erfolg und die Beteiligten sind wieder glücklich miteinander.

Was aber tun, wenn der Mann eine Paar-Therapie ablehnt? Zwingen kann man ihn nicht, überreden wird auch nicht klappen. Es gibt die Möglichkeit, zunächst alleine eine Therapeutin oder einen Therapeuten aufzusuchen und dort zu besprechen, was dem Partner Angst macht. Vielleicht kommt er dann mal zu einer Schnupper-Stunde mit und lernt, dass es nicht darum geht, Schuld zuzuweisen. Vielleicht lässt er sich auch von einem guten Freund beraten. Letztlich muss ihm klar sein, dass die Therapie tatsächlich der letzte Strohhalm ist, mit dem die Beziehung gerettet werden kann.

Wieder Vertrauen zueinander haben, wieder zufrieden sein und glücklich, das ist das Ziel einer Beziehung und damit auch der Paar-Beratung. Wenn beiden Parteien klar ist, dass sie gegenseitig eigentlich keinen schlechten Fang mit ihrem Partner gemacht haben, ist schon viel gewonnen. Für Sönke Wortmann sind es aber auch die kleinen Dinge, die mit der Therapie erträglicher werden: "Ich werde ja sonst oft unterbrochen, weil meine Frau schon weiß, was ich sagen werde. Damit behält sie meistens zwar recht, aber es ist trotzdem ein schönes Gefühl, wenn man seinen Gedanken mal zu Ende führen darf."

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