Ovarektomie: Angelina Jolie macht den nächsten großen Schritt gegen Krebs

Angelina Jolie lässt sich nun die Eierstöcke entfernen

Schauspielerin Angelina Jolie will ihre radikale Krebs-Vorsorge offenbar fortführen. Vor einem Jahr ließ sie sich beide Brüste amputieren und wieder aufbauen, jetzt steht der nächste Eingriff an - die Entfernung der Eierstöcke.

Angelina Jolie lässt sich die Eierstöcke entfernen
Angelina Jolie unterzieht sich erneut OPs. © dpa, CHRISTOPHE KARABA

Von Christiane Mitatselis

Jolie hat Pech, bei ihr liegt der Krebs in den Genen. Marcheline Bertrand, die Mutter der 38-Jährigen, starb 2007 mit 56 Jahren an Eierstockkrebs. Nach eigener Aussage lag Jolies Risiko an Brustkrebs zu erkranken vor der Entfernung der Brüste bei 87%. Es sank durch den Eingriff auf unter fünf Prozent. 50 % beträgt aber noch ihr Risiko, dass die Eierstöcke (Ovarien) von Krebs befallen werden. In einem Interview deutete die Frau von Brad Pitt nun an, es stehe ein weiterer Eingriff an. Konkrete Angaben machte sie nicht, es soll sich aber um eine so genannte Ovarektomie handeln: die Entfernung der Eierstöcke, die Gebärmutter bleibt dabei erhalten.

Jolie ist für die Ovarektomie eigentlich noch zu jung: Ärzte raten Patientinnen, die wie die Schauspielerin stark genetisch belastet sind, erst ab 40 zu diesem Eingriff. Jolie wird im Juni 39, sie dürfte ihre Familienplanung aber abgeschlossen haben - als Mutter von drei leiblichen und drei adoptierten Kindern. Außerdem sah sie ihre Mutter jahrelang leiden und will ihrem Nachwuchs Ähnliches ersparen.

Entfernung der Eierstöcke: Wechseljahre sofort

Die präventive Entfernung der Eierstöcke kommt aus medizinischer Sicht ausschließlich bei besonders gefährdeten Frauen in Frage, denn sie ist sehr folgenreich. Zwar ist die Operation an sich keine besonders große Sache: Die beiden Eierstöcke (es gibt einen linken und einen rechten) sind circa zwei Zentimeter breit und ebenso lang, sie können mit einer Bauchspiegelung entnommen werden, nur drei Einstiche im Unterbauch sind dazu in der Regel nötig. Entfernt werden gleichzeitig aber auch die Eileiter, da auch sie von Krebs befallen werden können.

Sind die Eierstöcke, in den sich die befruchtungsfähigen Eizellen bilden, entfernt, kann eine Frau keine Kinder mehr bekommen, die Monatsblutung bleibt aus. Zudem gerät der Hormonhaushalt völlig aus dem Lot, da sich in den Ovarien Sexualhormone bilden. Die Folge: Die Wechseljahre setzen sofort ein, im schlimmsten Fall mit sämtlichen unangenehmen Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, Schwindel, Depressionen, Hitzewallungen, Knochenabbau und so weiter. Deshalb nehmen Patientinnen nach der Operation meist umgehend Hormone zum Ausgleich ein.

Dass sich eine genetisch belastete Frau wie Angelina Jolie zu einem solch radikalen Eingriff entschließen könnte, ist dennoch verständlich. Eierstockkrebs, an dem in Deutschland jährlich etwa 9000 Frauen erkranken, ist ein tückisches Leiden. Oft wuchern Tumore in der Bauchhöhle einige Zeit vor sich hin, ohne Beschwerden zu verursachen - und sie streuen: Wird der Krebs diagnostiziert, sind häufig schon andere Organe wie Darm und Blase befallen. Zudem gibt es - anders als etwa Gebärmutterhals-Krebs - keine zuverlässige Vorsorgeuntersuchung. Zur sicheren Diagnose ist eine Gewebeentnahme notwendig, die nur per Bauchspiegelung oder -Schnitt durchgeführt werden kann.

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