Opfer von Säure-Angriffen posieren für Fashion-Fotoshooting

Opfer von Säure-Angriffen posieren für ein Fashion-Fotoshooting.
Die Säureangriff-Opfer Laximi und Rita trauten sich beim Fotoshooting endlich, ihre Narben zu zeigen. (Credit: Rahul Saharan / Cover Asia Press) © Rahul Saharan / Cover Asia Press, Rahul Saharan

Die jungen Frauen wollen sich nicht mehr verstecken

Fünf junge Frauen posieren bei einem Fotoshooting in extravaganten Kleidern und strahlen in die Kamera. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch man sieht sofort, dass es sich hier nicht um normale Frauen handelt: Ihre Gesichter sind entstellt, denn sie sind Opfer von Säure-Angriffen. Eine von ihnen ist die 22-jährige Rupa. Sie träumt davon Modedesignerin zu werden. Jahrelang haben sie und die anderen Mädchen ihre Gesichter hinter Tüchern und Schals versteckt. Erstmals zeigen sie nun, wie schön und stark sie trotzdem sind.

Die mutigen indischen Mädchen – Rupa, Rita, Sonam, Laxmi und Chanchal – sind alle Opfer von Säure-Angriffen geworden. Jetzt verstecken sie sich nicht mehr, zeigen sich stattdessen als Models für ein Fashion Fotoshooting. Die Kleider sind von Rupa designt worden. "Ich wollte immer eine Designerin sein, aber nach dem Angriff war eine Pause in meinem Leben. Ich war so unsicher und schämte mich wegen meiner Narben, so dass ich mein Gesicht mit einem Schal versteckte", erklärt die 22-Jährige.

Nun zeigen die jungen Frauen ihren Angreifern, dass sie sich nicht mehr verstecken wollen. Rupa schloss sich mit der Charity-Organisation 'Stop Acid Attacks' zusammen, um für mehr Gerechtigkeit für sich und andere Opfer von Säure-Angriffen zu kämpfen. Die Organisation hilft den Opfern, sich wieder in die Gesellschaft einzufügen und Selbstbewusstsein aufzubauen. Außerdem hat sie 'Chhaon' gegründet, eine Anlaufstelle für Säure-Angriff-Überlebende. Die Opfer können dort in einer sicheren Umgebung sein und werden medizinisch behandelt.

"Lasst euch nicht von anderen erzählen, was Schönheit ist"

Im August 2008 schlief Rupa, als ihre Stiefmutter ihr plötzlich Säure übers Gesicht schüttete. Die Stiefmutter wurde als schuldig befunden, musste aber nach indischem Recht lediglich 18 Monate im Gefängnis verbringen und ist nun wieder auf freiem Fuß. "Chhaon hat mir geholfen, mich wieder selbstbewusst zu fühlen und an mich zu glauben. Dies ist das erste Mal, dass ich meine Kleider präsentieren kann und ich freue mich, dass sie guten Anklang finden", sagt Rupa.

Die Charity-Organisation hatte den Fotografen Rahul Saharan gebeten, das Shooting zu übernehmen. Er arbeitet seit über zwei Jahren für die Organisation und freute sich, helfen zu können. "Ich sagte den Mädchen immer wieder: 'Lasst euch nicht von anderen erzählen, was Schönheit ist. Ihr selbst seid schön. Jede Frau ist schön'", so Saharan selbst.

Einige ihrer Stücke hat Rupa bereits verkaufen können. Nun hofft sie, dass der Erfolg anhält und ihr Traum, sich als Modedesignerin finanziell unabhängig machen zu können, in Erfüllung geht.

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