LEBEN LEBEN

'One Finger Challenge': Selfie-Trend aus Japan zeigt nackte Tatsachen

Selfie-Trend zeigt nackte Tatsachen
Selfie-Trend zeigt nackte Tatsachen 'One Finger Challenge' 00:00:32
00:00 | 00:00:32

Muss man wirklich jeden Mist mitmachen?

'One Finger Challenge' ist der neueste Internet-Trend aus Japan. Dabei ziehen sich hauptsächlich Mädchen vor dem Spiegel aus und versuchen dann, mit einem Finger die intimen Körperstellen zu bedecken. Verdeckt der Finger dann Brust und Genitalbereich, wird ein Selfie gemacht, und ab damit ins Netz. Aber muss man wirklich jeden Mist mitmachen?

Von Jutta Rogge-Strang 

Die Ice Bucket Challenge diente ja noch einem guten Zweck: Im Sommer 2014 schütteten sich Millionen Menschen Eiswasser über den Kopf und machten auf die Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) aufmerksam, mehr als 190 Millionen Spenden kamen zusammen. Der neueste Trend aus Japan hat keinen karitativen Aspekt. Die Idee entstand durch die Zeichnung einer Anime-Figur, die von Manga-Künstler Sky-FreeDom erfunden wurde. Ein nacktes Mädchen posiert vor dem Spiegel und macht ein Selfie, indem ein ausgestreckter Finger Brust und Genitalbereich verdeckt.

Ganz schön schwierig, und ganz viel nackte Haut. Da freuen sich die männlichen Internet-User mal so richtig. Und der Trend nimmt an Fahrt auf, immer mehr junge Mädchen posten freiwillig ihre Nacktfotos. Was bringt einen Menschen dazu, bei so einem Quatsch mitzumachen? Tatsächlich ist es auch Gruppendruck: Wenn die Freundinnen ihre Fotos posten, macht man eben selbst auch solche Bilder. Nacktfotos sind heute nichts Besonderes mehr, zudem sind bei Snapchat die Fotos immer nur für Sekunden sichtbar. Dass es mittlerweile Apps gibt, die diese Fotos speichern, hat sich offenbar noch nicht rumgesprochen. 

Jugendliche unterschätzen die Folgen von Inhalten im Netz

Was man früher heimlich mit der besten Freundin besprochen hat, wird heute öffentlich. Kinder und Jugendliche kommen sehr früh mit sexuellen Inhalten in Berührung. Das verändert auch das Normalitätsverständnis. Völlig vergessen wird dabei, dass Inhalte, die ein Mal online waren, tatsächlich nie mehr aus dem Netz verschwinden. Das Gefühl der Sicherheit ist trügerisch und kann manchmal fatale Folgen haben.

Jeder Jugendliche hat heute ein Smartphone, mit dem ohne Kontrolle gechattet, gepostet und gesurft werden kann. Tatsächlich machen sich viele Jugendliche keine Gedanken um die Nachteile der unbegrenzten Möglichkeiten. Viele überblicken nicht die Gefahren, wenn sie freiwillig ihre Daten öffentlich machen. Ob als Mutprobe oder Liebesbeweis, wenn die Fotos verschickt sind, gibt es kein zurück mehr.

Die Polizei kennt sich mittlerweile leider gut aus mit den Folgen von Nacktfotos, die sich plötzlich auf Pornoseiten wiederfinden. Längst gibt es professionelle Anwendungen, die solche Bilder in sozialen Netzwerken aufstöbern und weiterverbreiten. Da muss es gar nicht der Ex-Freund sein, der nach der Trennung aus Rache die Nacktfotos an seinen Fußballverein postet. In den USA hat jeder vierte Teenager bereits Nacktbilder von sich verschickt, so eine Studie. Die Hemmschwelle ist offenbar niedrig, das Gefahrenpotential hoch. Und die 'One Finger Challenge' ist eine weitere tolle Möglichkeit, problemlos an Nacktfotos zu kommen. 

Anzeige